Von Lea Hampel
"Ich hatte immer schon ein Kribbeln für Afrika. Weil ich nicht lange an einem Ort sein kann, dachte ich nach dem Abi: wenn nicht jetzt, wann dann? Zu der Zeit habe ich viele Filme über Afrika gesehen, mich mit anderen darüber unterhalten. Als meine Mutter mir den Zeitungsartikel über Kulturweit hinlegte, habe ich das Formular im Internet ausgefüllt.
Wirklich genommen zu werden war dennoch ein kleiner Schock. Am Tag vor dem Abflug hatte ich Herzrasen, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Gleichzeitig habe ich mich sehr gefreut. Weil ich lange Jugendarbeit gemacht, zum Beispiel Sommerlager organisiert habe, fand ich, dass Arbeit in einer Schule passt. Man kann dabei auf lockere Weise Sachen erreichen. Und ich mag, dass es ein Neuanfang ist, eine Kultur und Sprache kennen zu lernen und Menschen, die nichts über mich wissen.
Vorher hätte ich nie gedacht, dass es den Alltag so bestimmen kann, weiß zu sein. Ich werde oft angesprochen, die Preise sind für mich drei Mal so hoch und ich kämpfe viel gegen das Bild von Ausländern, das die Touristen bestimmen. Zum Beispiel waren Menschen erstaunt, dass ich meine Wäsche selber wasche und Kinder sind heulend weggelaufen, weil ich die erste Weiße war, die sie gesehen haben.
Ich fühle mich längst wie zu Hause, verstehe das meiste, was in Kisuaheli gesprochen wird und wohne im riesigen Gästehaus der Schule, in der ich arbeite. Dort bin ich Assistenzlehrerin für Deutsch. Ich unterstütze den Lehrer, der 16 Stunden in der Woche Deutsch unterrichtet. Ich habe vorher Bücher über Deutsch als Fremdsprache gelesen und mir Sprachspiele ausgedacht. Hier ist nämlich eher Frontalunterricht üblich.
Ansonsten bin ich das Mädchen für alles, weil ich schnell tippe und weiß, wie ein Drucker funktioniert. In der Schule und der Gemeinde habe ich mittlerweile enge Freunde. Eigentlich habe ich alles, was ich brauche. Meine Eltern fehlen mir natürlich und meine Freunde. Und so Dinge wie Käse und Salami.
In der Zeit hier habe ich mich ganz schön verändert. Früher habe ich viel mit dem Kalender gearbeitet, hier lebe ich seit neun Monaten ohne. Man sagt hier: 'In Deutschland haben sie Uhren, in Kenia haben wir Zeit'. Ich habe ziemlich oft darüber nachgedacht, länger zu bleiben. Meine Freunde suchen schon einen Heiratspartner. Aber ich möchte erstmal an die Uni - hier habe ich herausgefunden, dass es am besten ist, wenn ich Pädagogik studiere."
Nina Herfert arbeitet seit September 2009 an der Kaaga Girls' High School in Meru, Kenia
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