Teenager und Datenschutz: Ich lass mich nicht orten
Beziehungsstatus, Partybilder, Liebesschwüre! Erwachsene schimpfen gern über vermeintlich unbedarfte Jugendliche, die Intimes online offenbaren. Doch eine neue Studie zeigt: Viele US-Teenager achten zumindest bei Apps sehr genau darauf, welche Daten diese ausspähen - und löschen gnadenlos.
Eltern, Lehrer, Politiker und andere Berufsmahner empören sich immer wieder über Jugendliche und deren vermeintliche Datenfreigiebigkeit. Was die da alles online posten: Mit wem sie ausgehen, knutschen, streiten! Denen ist doch Datenschutz sowas von egal. Fotos laden sie hoch, auch peinliche; ihre Vorlieben beim Sport, Konsum und Sex auch.
Und natürlich fehlt es einigen Jugendlichen an Feingefühl beim Umgang mit den eigenen Daten (übrigens nicht nur Jugendlichen). Doch eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass zumindest ein großer Teil der Teenager nicht unbedarft alles teilt, was geteilt werden kann (Studie hier als PDF).
Mehr als die Hälfte der US-Jugend scheint ziemlich sensibel bei der Auswahl der Apps für ihre Smartphones: Sie installieren keine Apps, von denen sie fürchten müssen, ausgespäht zu werden. Und viele deaktivieren auch die Ortungsfunktion - allerdings nicht nur wegen Datenschutzbedenken, sondern auch, weil sie nicht von den Eltern geortet werden wollen.
Durchgeführt hat die Studie das renommierte Pew-Forschungszentrum, zusammen mit dem Berkman Internetforschungszentrum an der Harvard-Uni. Befragt haben die Wissenschaftler sowohl Eltern als auch Jugendliche, unter anderem in anderthalbstündigen Gesprächen mit Fokusgruppen; zudem führten sie Online-Befragungen durch. Die Ergebnisse sind nach Angaben der Autoren repräsentativ für die USA.
SPIEGEL ONLINE zeigt die Ergebnisse im Überblick. So verbreitet sind Handys und Tablets unter US-Jugendlichen:
- Fast vier Fünftel (78 Prozent) der amerikanischen Teenager im Alter von 12 bis 17 Jahren haben ein Mobiltelefon, fast ein Viertel (23 Prozent) besitzt einen Tablet-Computer. Mindestens eines dieser mobilen Geräte haben 82 Prozent der Jugendlichen.
- Wenig überraschend: Je älter die Jugendlichen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ein Mobiltelefon haben. Allerdings scheint der Tablet-Besitz bislang nicht nach dem Alter zu variieren.
So nutzen amerikanische Teenager Apps:
- Am ehesten scheinen sich Jugendliche für Social-Media-Apps und Spiele zu interessieren, das geht aus den Diskussionen mit den Fokusgruppen hervor. Ebenfalls weit verbreitet auf den Teenager-Telefonen: Musik-Programme sowie Nachrichten- und Wetter-Apps.
- Am liebsten laden sie Gratis-Apps herunter. "Wenn sie mir nicht gefällt, kann ich sie einfach wieder löschen", wird ein Jugendlicher beispielhaft zitiert. Außerdem müssen sie dann ihre Eltern nicht um Erlaubnis fragen.
- Jugendliche Nutzer achten sehr genau auf die Empfehlungen anderer Nutzer und auf Rezensionen und Bewertungen der Apps, bevor sie sie installieren.
- 58 Prozent der Jugendlichen haben mindestens eine App auf ihr Telefon oder ihr Tablet geladen, die älteren Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) etwas häufiger als die jüngeren (12 bis 13 Jahre). Jungen laden deutlich mehr Apps herunter als Mädchen. Bei Jugendlichen aus reicheren Elternhäusern ist es wahrscheinlicher, dass sie Apps herunterladen, als bei Teenagern aus ärmeren.
So achten Jugendliche auf ihre Privatsphäre:
- Viele Teenager lassen die Finger von bestimmten Apps, wenn sie um private Daten fürchten müssen. Die Hälfte der jugendlichen App-Nutzer gibt an, eine App nicht installiert zu haben, nachdem sie erfuhren, dass sie dafür private Informationen preisgeben müssten. Jüngere App-Nutzer (12 bis 13 Jahre) sind dabei offenbar noch vorsichtiger als ältere (14 bis 17 Jahre) - hier liegt das Verhältnis bei 56 zu 49 Prozent.
- Einer von vier Teenagern hat eine App wieder deinstalliert, weil er herausfand, dass Daten von ihm gesammelt werden, die er nicht weitergeben wollte.
- Die Hälfte der befragten Jugendlichen will nicht geortet werden. Etwa 46 Prozent haben die entsprechende Funktion deaktiviert, weil sie nicht wollen, dass Firmen oder andere Leute Zugriff auf diese Informationen haben. Zu diesen anderen Leuten zählen allerdings oft auch die eigenen Eltern. Mädchen schalten die Funktion häufiger ab als Jungs.
- Ebenfalls nicht sonderlich überraschend: Wer schon einmal in Sachen Datenschutz beraten wurde, ist der Studie zufolge vorsichtiger.
otr
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