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Web-Fundstück: Wer Fleisch isst, schlägt auch Frauen

Uni-Seminararbeiten liefern mitunter spektakuläre Erkenntnisse. Drei Freiburger Studentinnen zum Beispiel fanden in ihrer soziologischen Fingerübung über "Grillen in der Moderne" mit einem großen Schlenker heraus, wie verwandt Fleischverzehr und Gewalt gegen Frauen sind - jedenfalls nach Auffassung einer US-Feministin.

Der Wurstkoffer, praktisches Grill-Utensil: Geistert auf Humorseiten durchs Web, erfunden von der "Titanic"

Der Wurstkoffer, praktisches Grill-Utensil: Geistert auf Humorseiten durchs Web, erfunden von der "Titanic"

Seminarbeit an der Uni Freiburg (Sommersemester 2002):

"Grillen in der Moderne - der Stellenwert von Fleisch und die Konstruktion von Gender

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
II. Grillen als institutionalisierte Handlung
III. Grillen und Fleisch / Fleisch und Gender

  • 3.1. Allgemeines
  • 3.2. Die Konnotierung von Fleisch im Wandel der Zeit
  • 3.3. Ernährungswissenschaftliches, die Entwicklung des Fleischkonsums und die Einstellung zum Fleisch in der Moderne
  • Der männliche Griller - durch Klischees sprachlich produziert?
IV. Grillen und das Mensch-Tier-Verhältnis - neue Sichtweisen mit Bruno Latour
  • 4.1. Bruno Latour - die Trennung von Mensch und Tier
  • 4.2. Carol Adams - "Grillen als Reinigungsarbeit"

Griller im Park: "Bei der Nahrung handelt es sich vorwiegend um Fleisch"
DPA

Griller im Park: "Bei der Nahrung handelt es sich vorwiegend um Fleisch"

(aus der Einleitung)
"Auch im Verbrauch von Fleisch und in der Sprache werden soziale Normen und Werte ausgehandelt. Was konnotiert Fleisch? Machen diese Konnotierungen die Rolle des Grillers für Männer attraktiv? Auf der anderen Seite lassen sich sehr viele institutionalisierte Handlungen und Rollenverteilungen während des Grillens feststellen. Wie lassen sich diese Institutionalisierungen, gerade im Gender-Bereich, mit Sozialkonstruktivismus interpretieren?"

(aus Kapitel II)
"Typisch für ein Grillfest ist zuerst einmal, dass es draußen stattfindet sowie dass die Essenszubereitung öffentlich und auf einem Grill stattfindet. Weitere Typisierungen können sein, dass der Mann am Grill steht, dass auf Tischmanieren kein großer Wert gelegt wird, dass Gäste Nahrung zu dem Ereignis beisteuern, dass die Auswahl an Speisen begrenzt ist oder dass es sich bei der Nahrung vorwiegend um Fleisch handelt. Wenn diese Handlungen von Außenstehenden beobachtet werden, unterstellen diese den Handelnden Beweggründe. Sobald die Handlungen als wiederkehrend beobachtet werden, werden sie typisiert und zum Vorbild für das eigene Rollenspiel beim Veranstalten des eigenen Grillfestes."

(aus Kapitel IV, 4.2.)
"Carol Adams Theorie aus ihrem Buch 'The sexual politics of meat. A feminist-vegetarian critical theory' lässt sich gut in Beziehung zu der von Latour beschriebenen Reinigungsarbeit der Moderne setzen. Nach Adams werden Tiere in der westlichen Kultur zu 'absent referents' gemacht, um sie als Fleisch konsumieren zu können. Ein ähnlicher Prozess findet ihrer Meinung nach bei der Anwendung männlicher Gewalt gegen Frauen statt. (...)

Grillvirtuose: Hoppla! Jetzt nicht gleich ausrasten!
GMS

Grillvirtuose: Hoppla! Jetzt nicht gleich ausrasten!

Tiere werden nur in ihrer Beziehung zum Menschen gesehen - kann ich dieses Tier für mein Grillfest nutzen oder schmeckt es mir nicht? Erst durch diese Objektifikation ist auch die Anwendung von Gewalt möglich: im Falle von Tieren die Schlachtung. Dies geschieht jedoch nicht nur wortwörtlich, sondern auch im sprachlichen Bereich: 'Eiweißlieferanten', 'Steak', 'Meeresfrüchte', 'Grillwürstchen' usw. Die Objektifikation findet sich ihrer Meinung nach in ähnlicher Weise bei Frauen: Sie werden Tieren gleichgesetzt, d.h. ihnen wird ebenso ein Objektstatus zugesprochen."

Drei Freiburger Studentinnen in ihrer Arbeit zum Soziologie-Seminar "Person, Arbeit und Wissen in Modernisierungsprozessen", in dem gleich eine ganze Reihe von Arbeiten zum Thema Grillen entstand.

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