Der Australier Jesse Martin hat den großen Trip bereits hinter sich. Am 31. Oktober 1999 kehrte er im Alter von 18 Jahren von seiner Weltumseglung auf der "Lionheart" zurück. Bis heute ist Jesse der jüngste Mensch, der alleine, ohne Hilfe und - das unterscheidet ihn von Mike - ohne Stopp um die Welt segelte. Sofort nach seiner Rückkehr plante Jesse (der übrigens während einer Weltreise seiner Eltern in Dachau geboren wurde) eine neue Reise. Mit Freunden machte er sich auf einen Segeltrip, der ursprünglich drei Jahre dauern sollte, aber früher scheiterte.
Heute arbeitet Jesse in einer Filmproduktion in Melbourne. Im Interview mit dem Jugendmagazin Jetzt.de spricht er über Rekorde, das Erwachsenwerden auf See und das Scheitern des zweiten Trips, das erst heute, viele Jahre nach der Reise in der Dokumentation " 5 lost at Sea" zu sehen ist. Der Film lief bislang fast nur auf Festivals. Auf der verlinkten Website ist immerhin ein Trailer zu sehen.
Frage: Jesse, wirst du noch auf deinen Rekord angesprochen?
Jesse Martin: Im letzten halben Jahr schon. Vor allem wegen Jessica Watson, die auch aus Australiern stammt. Sie ist die Erste, die meinen Rekord schlagen könnte. Bisher hat sie nicht angehalten und hat es, soweit ich weiß, auch nicht vor. Mike und Zac waren jeweils für Reparaturen an Land.
Frage: Hast du eine Erklärung für den Ehrgeiz, dem so viele junge Segler gerade verfallen? Laura Dekker wollte sogar schon mit 13 lossegeln.
Martin: Ich kann da leider auch nur raten. Vielleicht suchen sie einfach nach Grenzen, die sie verschieben können. Die Altersgrenze beim Solosegeln ist noch in Reichweite.
Frage: Warum hast du's gemacht?
Martin: Mich hat es gereizt, mein Schicksal allein in der Hand zu haben. Beim Solosegeln lässt du die Welt hinter dir und führst da draußen ein neues Leben.
Frage: Was hast du dir vom zweiten Trip mit deinen Freunden versprochen? Das andere Extrem?
Martin: Bevor ich zum Solotrip aufgebrochen war, hatte ich kaum Segelerfahrung. Meine Botschaft nach der Rückkehr war: Ganz normale Menschen können große Träume verwirklichen. Mit dem zweiten Trip wollten wir was Ähnliches beweisen, und nebenbei sollte eine 13-teilige TV-Dokumentation entstehen.
Frage: Herausgekommen ist "5 lost at Sea". Was ging schief?
Martin: Kurz bevor ich losgefahren bin, habe ich noch einmal meine Exfreundin getroffen, die dann aber nicht mit an Bord war. Das hat mich aus der Bahn geworfen. Es gab außerdem kommerziellen Druck. Wir hatten eine Filmproduktion im Rücken, die mitgeholfen hatte, das Geld für den Trip und die geplante Doku aufzubringen. Die Produzenten wollten ständig neues Filmmaterial. So stand der wirtschaftliche Aspekt gegen fünf Jugendliche auf großer Fahrt. Dann kam Mutter Natur hinzu: Wir stießen gegen ein Riff, so dass das Boot fast gesunken wäre.
Dann waren wir auf Bali, kurz nachdem dort 2002 die Bombe explodiert war. Viele Indonesier und auch Australier sind an dem Tag ums Leben gekommen. Wir waren am Ort des Anschlags, uns ist das wahnsinnig nahe gegangen. In dem Nachtclub hatten junge Leute gefeiert, die so alt waren wie wir. Plötzlich sah die ganze Welt wie ein ziemlich gefährlicher Ort aus. Naja, und dann waren wir mit so einer Vision losgefahren. Wir hatten eine Idee vom Paradies und haben danach gesucht. Für die Dokumentation waren wir unter anderem auf der Suche nach einem bestimmten Nomadenstamm. Als wir ihn fanden, hatten die aber schon Satellitenfernsehen. All unsere Vorstellungen vom Paradies - sie existierten einfach nicht.
Frage: Habt ihr gestritten?
Martin: Wir hatten viele Auseinandersetzungen. Mein Durchsetzungswille war für die Gruppendynamik nicht besonders hilfreich.
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