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Hilfe vom WG-Psychologen: "Meine Mitbewohnerin pfeift ständig"

Laute WG: "Stundenlang eine einzige Melodie" Zur Großansicht
DPA/ Monique Wuestenhagen

Laute WG: "Stundenlang eine einzige Melodie"

Die Mitbewohnerin ist so gut drauf, dass sie den ganzen Tag pfeift. Wiebke kann es nicht mehr hören. Das sei "wie ein lebendiger Tinnitus", klagt sie. Was tun?

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt. (wg-kummer@spiegel.de) Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
Wiebke* schreibt:

Lieber Herr Büter,

ich wohne seit einem Jahr in einer Zweier-WG. Meine Mitbewohnerin ist stets sehr fröhlich und auch schon sehr früh morgens sehr aktiv. Eigentlich alles schön und gut und positiv. Aber sie pfeift. Permanent.

Ich habe bereits versucht, sie darauf anzusprechen, und gefragt, ob sie das reduzieren könnte, weil dieses Geräusch auf Dauer sehr nervig in meinen Ohren ist. Sie meinte nur, ich könne ihr ihre gute Laune nicht verbieten. Damit hat sie ja auch irgendwie recht.

Bei anderen Problemen reagiert sie aber auf Kritik so sensibel, dass sie weinend zusammenbricht, zum Beispiel, wenn ich sie darum bitte, beim Badputzen auch mal den Boden zu wischen oder sie darauf hinweise, wenn sie mit ihrem Besuch nach Mitternacht noch sehr laut in der Küche sitzt.

Ich will ja nicht ihre gute Laune kaputt machen und sie, so zartbesaitet wie sie ist, doll kritisieren. Mich nervt es einfach nur echt derbe, und meine Freunde kommen mich hier nicht mehr besuchen, weil das Pfeifen einfach ein Dauerton im Hintergrund ist...!

Ich wache morgens sogar auf, weil sie lustige Melodien pfeift, und ich habe wirklich keinen leichten Schlaf. Auch wenn ich versuche, für Prüfungen zu lernen, pfeift sie. Das ist wie ein lebendiger Tinnitus. Und vor allem pfeift sie manchmal stundenlang eine einzige Melodie, die nur aus wenigen Tönen besteht.

Anfangs konnte ich es noch irgendwie ignorieren. Inzwischen fühlt es sich nach chinesischer Foltermethode an...

Was kann ich da tun? Wie kann ich das ansprechen?

* Name geändert

Typologie der WG-Mitbewohner: Glucken, Schnorrer, Spießer

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Wiebke,

das beste Argument zu Ihren Gunsten liefert Ihre Nachbarin selbst: Die Laune von Mitbewohnern nicht mutwillig zu belasten ist ein Pakt der Gegenseitigkeit. Das heißt, niemand darf in einer WG eigene Neigungen und Gewohnheiten zum unantastbaren Hobby und Dogma erklären, weil ihm Einschränkungen die Laune verhageln könnten.

Erklären Sie der Mitbewohnerin, wie sehr Sie ihren Frohsinn schätzen, bestehen Sie aber auf einer Reduzierung ihrer "Verlautbarung" mit Rücksicht auf Sie selbst. Da ihre Angewohnheit bereits zwanghafte Züge zu tragen scheint, sollte ihr eine Verschiebung dieses Impulses leichter fallen als das abrupte Aufhören. Bitten Sie sie, ihre Liedchen zu summen. Ein Kompromiss wäre, es bei gemeinsamer Zeit in der WG so zu halten.

Sprechen Sie mit der Mitbewohnerin wie mit einer Erwachsenen, nicht wie mit jemandem, dessen Empfindlichkeit wie dünnes Eis ist, das keine Erschütterung, keinen festen Tritt verträgt. Schlaf und eine ungestörte Prüfungsvorbereitung rangieren höher als notorisches Pfeifen, auch wenn es gute Stimmung ausdrückt. Bemühen Sie sich um mehr Verbindlichkeit und Nachdruck, die Sie sich aus Angst vor Tränen bislang verwehrt haben. Dasselbe gilt natürlich für Mitternachtspartys in der Küche.

Ist die Nachbarin nicht einsichtig oder erfolglos im ehrlichen Bemühen, bleibt Ihnen zur Entlastung nur noch, das Lernen auszulagern, wie viele es aus anderen Gründen auch tun müssen.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Wirklich ein Problem
nine1011 15.02.2016
Das Pfeifen ist nicht nur in WGs ein Problem sondern ist WIRKLICH ein "lebendiger Tinnitus" im Alltag: beim Einkaufen, im Wartezimmer einfach überall pfeifen die Leute, bevorzugt alte Herren, aber nicht nur. Und vor allem: keine Lieder, sondern nur dumpf vor sich hin pfeifende Töne und das macht mich WAHNSINNIG!
2. In meiner WG-Zeit
bocklos851 15.02.2016
hat mir Mr. Lemmy Kilmister geholfen, die Einstellung meiner Mitbewohnerin zu ändern. Alterniativ helfen möglicherweise auch die Sex Pistols.
3. Niemals WG
Tamaji 15.02.2016
Wieder einmal die Bestätigung: Die beste Entscheidung meines Studentenlebens (und danach) war, niemals in eine WG zu ziehen. Der Prozentsatz von Psychos und Zwangsgestörten unter den Wohlstandskindern und 68-er Sprösslingen ist einfach zu hoch.
4.
a-mole 15.02.2016
haha.. ich kann den frust voll verstehen. Ich finde pfeifen ein extrem nerviges Geräusch.. ich würde durchdrehen. mein Nachbar pfeift manchmal vergnügt, da lächle ich und und denk mir "argh" aber ich gönn ihm seinen spass.... weil der hört auch schnell wieder auf und macht das nicht ständig. Ich glaub ich hätte schon lange keine Rücksicht mehr auf Ihre Gute Laune genommen... soll sie halt heulen. Solange sie es leise tut... ;)
5. Das kenne ich sehr gut,
einuntoter 15.02.2016
ich hatte mal einen Mitbewohner, der anscheinend ein Fan von Marley war. Er konnte sein Lieblingslied den ganzen Tag lang "singen". Leider immer nur die Worte "Woman no cry". Das ging mir echt auf die Nerven...
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