Hilfe vom WG-Psychologen: Verdammt, er liebt mich

Die Hölle sind immer die anderen, vor allem in einer WG: Lisa, 26, lebt mit einem Mitbewohner, der sie abgöttisch liebt - und Nein als Antwort nicht akzeptiert. Was tun? Psychologe Ludger Büter erklärt, wie man den Stalker im Nachbarzimmer endgültig los wird.

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Aufdringlicher Mitbewohner: Was tun, wenn er es einfach nicht kapieren will?

Wohngemeinschaften sind eine tolle Erfindung. Das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie spülen nicht ab, leeren fremde Nutella-Gläser, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Was tun?

WG-Krach ist für Ludger Büter Alltag. Der 59-jährige Psychologe schlichtet im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er von nun an auch den WG-Kummer der UniSPIEGEL-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohn-Wahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).

Lisa P., 26, aus Münster schreibt:

Vor einem Jahr zog ein langjähriger Freund von mir in die Wohngemeinschaft, in der ich Hauptmieterin und irgendwie auch eine Art Familienoberhaupt bin. Was ich nicht wusste: Er hatte sich in mich verliebt. Ich mich aber nicht in ihn, was in der ersten Zeit zu erheblichen Störungen in der WG geführt hat. Der unglücklich Verliebte beschallte die Wohnung mit dröhnend lauter Musik, vernachlässigte jegliche Ordnung, trank zu viel Alkohol und weigerte sich, WG-Pflichten wie das Putzen zu erfüllen.

Die Tatsache, dass ich mittlerweile eine glückliche Beziehung habe, macht die Sache nicht einfacher. Neulich verlangte er, dass ich ihm vorher Bescheid gebe, wenn ich mit meinem Freund schlafe - damit er sich der angeblichen Geräuschkulisse entziehen kann. Er findet, ich sei für sein Leid verantwortlich, und deswegen müsste ich derartige Forderungen zu seinem Wohlergehen auch erfüllen.

Er weigert sich bis heute beharrlich auszuziehen, selbst wenn ihn so gut wie jeder aus seinem privaten Umfeld deswegen schon bekniet hat. Ich könnte ihm natürlich kündigen, aber für diesen Fall hat er bereits einen gerichtlichen Streit angekündigt. Haben Sie eine Idee, wie man das Problem auf zivilem Weg gemeinsam in den Griff bekommen kann?

WG-Doktor Ludger Büter antwortet:

Die von Ihnen beschriebenen Verwerfungen in Liebesangelegenheiten sind Situationen, die der Mensch normalerweise in seiner Pubertät durchmacht. Ich meine nicht den Liebeskummer als solchen, gegen den in keinem Alter ein Kraut gewachsen sein dürfte, sondern die überzogenen Ansprüche, die der unglücklich Verliebte an Sie als sein "Opfer" stellt.

Was sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch als kompliziert erweist aufgrund mangelnder Erfahrung und mangelnder persönlicher Reife, sollte unter Erwachsenen klar und unumstößlich sein: Niemand ist einem verliebten Mitmenschen schuldig, entsprechende Gefühle zu erwidern. Jeder hat als Mittelpunkt noch so großer Begeisterung und Verehrung das Recht, einen Verliebten zurückzuweisen.

Ebenso klar ist, dass unglücklich Verliebte Zurückweisungen hinnehmen müssen. Genau das hätte Ihr Mitbewohner vorzugsweise als jugendlicher Anfänger in der Partnerwahl lernen müssen. Offensichtlich hat er das nicht, was allerdings nicht Ihr Problem sein sollte.

Das Verhalten Ihres Mitbewohners ist unannehmbar. Eine Kündigung ist diesem durchaus angemessen. Ich erkenne nicht, was ein Anwalt dem entgegensetzen wollte.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren Dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter im UniSPIEGEL. Schick Deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de.

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insgesamt 19 Beiträge
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1.
callistonairi 02.05.2012
Hmm, dem Gefühl nach scheinen da grundlegendere psychische Probleme beim Abgewiesenen vorhanden zu sein. Der Psychologe deutet sowas ja an. Vielleicht sich doch mal von einer professionellen Beratungsstelle mit dem jungen Mann zusammen beraten lassen? Vielleicht bewegt ihn das zur Einsicht. Mit Kündigung wäre ich vorsichtig, vielleicht stachelt ihn das zu weiteren Aktivitäten Richtung Stalking an...?
2.
platee100 02.05.2012
benötige ich einen Psychologen? Ich liege vor Lachen am Boden. Auf zu einem Fachanwalt und beraten lassen.
3.
favela lynch 02.05.2012
Symptomatisch für diese Soft-Generation scheint doch aber zu sein, dass man gar nichts mehr alleine hin kriegt. Psychologen, Anwälte, Mama, Rebirthing und niemehr raus. Forever in utero. Himmel. Und in so was kann man sich verlieben?
4.
raunbekannt 02.05.2012
Ein toller Rat. Da wendet die Studentin sich mit einem zwischenmenschlichen Rat an einen Psychologen und erhält eine juristische Auskunft, die zwar nicht falsch ist, aber ungeeignet das Problem zu lösen. Stimmt, wenn der verliebte Mitbewohner im Fall einer Kündigung seinem Anwalt sagt, dass er nur eingezogen ist, weil er unglücklich verliebt ist, er sich deswegen nicht an Absprachen hält und seiner Mitbewohnerin das Leben zur Hölle macht, wird sein Anwalt mit etwas Glück den Rat geben: "Zieh aus aber lass mich in Ruhe." Nur wie Wahrscheinlich ist das? Wahrscheinlcih wir der Mitbewohner seinem Anwalt eine andere Wahrheit erzählen. Der Anwalt muss der Kündigung erstmal nichts entgegensetzen. Er wird der Kündigung schlicht widersprechen. Dann muss sie Räumungsklage erheben und einen Vorschuss auf die Gerichtskosten zahlen. Vor Gericht wird er dann seine Version erzählen: Sie ist die unglücklich Verliebte die ihn herausmobben will. Oder er ist gar nicht verliebt sondern nur im Prüfungsstress und braucht seine Nachtruhe, weil sie aber mit ihrem Freund so laut ist .... Was bringt ihm das? Den Prozess wird er wahrscheinlich trotzdem verlieren, gibt aber die nette Chance viel schmutzige Wäsche zu waschen, ihr Privatleben öffentlich auszubreiten und ihr das Leben noch etwas mehr zur Hölle zu machen. Und wenn er dann verloren hat, hat sie ein Urteil dass er ausziehen und die Prozesskosten zahlen muss. Hoffen wir dass er Geld hat. Nur wenn er dann nicht auszieht, braucht sie Geld. Ohne Vorschuss geht nämlich auch kein Gerichtsvollzieher los, um sein Zimmer zu Räumen. Und der Vorschuss sind leicht ein paar Tausender. Ob dann Ruhe ist oder er sich neue Schikanen überlegt, wer weiß ... Aber danach wurde der gut Psychologe ja auch nicht gefragt. Ergo: Die junge Frau hatte eine gute Idee als sie sich an einen Psychologen wendete, mit der bitte um Hilfe das Problem gemeinsam auf zivilem Weg in den Griff zubekommen. M.E. sollte das bedeuten: Einvernehmlich, ohne Gericht und Anwalt. Dumm nur, wenn der um Rat Angegangene den Wunsch ignoriert und statt die erbetene Hilfe zu geben sich als Jurist versucht und ohne über Kosten und Folgen nachzudenken einen Rat erteilt, der dass Problem nicht lösen wird.
5.
divStar 02.05.2012
Mal ganz ehrlich.. das ist keine Lösung. Der Psychologe sagt im Grunde das was eh jeder kennt: er verhält sich wie ein pubertierendes Kind und du musst es nicht hinnehmen. Die Kunst ist es aber auch so einem "pubertierendem" Kind beizubringen, dass es keinerlei Ansprüche an Fremde stellen darf - und selbst wenn man noch so verliebt ist: einem selbst gehört nur das eigene Leben - nicht das des "Opfers". Ach herje - da würde ja ich sogar nen besseren Psychologen abgeben ^^.
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Heft 2/2012 Wie junge Philosophen über Gott, das Böse und die Liebe denken

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    Ludger Büter, 62, ist Diplom-Psychologe und arbeitete über 30 Jahre für das Kölner Studentenwerk. Fünf Jahre hat er WG-Bewohner beraten, die ihre Konflikte nicht mehr selbst lösen können.
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