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Hilfe vom WG-Psychologen: "Seine Freundin nistet sich bei uns ein"

Timo ist von der Freundin seines Mitbewohners genervt. Sie ist ständig da, verteilt ihre Sachen in der Wohnung, zahlt aber weder Miete, noch hilft sie im Haushalt. Was tun: ausrasten oder ausziehen?

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt. (wg-kummer@spiegel.de) Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
Timo* schreibt:

Hallo Herr Büter,

ich bin 28 Jahre alt und mache gerade meinen Master in Sozialpädagogik. Es ist mir unangenehm, dass ich mich an Sie wenden muss, aber ich sehe momentan keine Lösung für mein Problem.

Seit rund einem Jahr wohne ich mit meinem jüngeren Brüder - er ist 25 - zusammen. Mein Bruder hat bereits eine Vollzeitstelle, ich bin noch Student und jobbe nebenher. Allein könnte ich die Wohnungskosten nicht tragen. Bevor wir zusammengezogen sind, haben wir uns ausdrücklich darauf geeinigt, dass die Freundin meines Bruders, die noch bei ihren Eltern wohnt, nicht täglich bei uns zu Besuch sein soll - so wie es zuvor in unserem Elternhaus der Fall war.

Doch es kam anders: Von Anfang an verbrachte sie mindestens fünf Tage die Woche bei uns und nistete sich ein. Im Bad liegen seither ihre Schmink- und Pflegeartikel offen herum, genauso wie andere Dinge in der Wohnung. Und als ich einmal in das Zimmer meines Bruders ging, um etwas zu holen, fragte sie, was ich in "ihrem Zimmer" zu suchen habe.

Als ich nach einigen Monaten meinen Bruder erstmalig auf unsere Abmachung ansprach, tat er so, als würde ich übertreiben, und meinte, ich solle nicht so kleinlich sein. Dass sich seine Freundin finanziell beteiligt oder im Haushalt hilft, kommt übrigens nicht in Frage, da sie laut meinem Bruder ja nur "Gast" sei und auch nahezu keine Kosten verursache.

Nach dem Gespräch verbesserte sich die Situation für kurze Zeit, doch nach wenigen Wochen ging das Spiel wieder von vorne los, woraufhin ich sauer wurde und die beiden auf unsere Abmachung und das letzte Gespräch hinwies. Sie sahen jedoch keinen Fehler in ihrem Verhalten und unterstellten mir, ich hätte "Launen", die ich an ihnen auslassen würde.

Seitdem platzt mir alle paar Monate der Kragen. Die Situation bessert sich danach meist für wenige Wochen - das heißt, sie räumt ihre Sachen weg, und die beiden verbringen mehr Zeit in ihrem Elternhaus -, doch dann schleicht sich das alte Verhalten wieder ein, und sie ist nahezu täglich bei uns. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass ich hier komplett verarscht werde.

Hinzu kommt, dass sich mein ehemals wirklich sehr gutes Verhältnis zu meinem Bruder inzwischen nahezu irreparabel verschlechtert hat, was auch an dem Verhalten seiner Freundin liegt. Komme ich beispielsweise nach Hause und rede mit ihm über meinen Tag, unterbricht sie häufig das Gespräch und lotst ihn in sein Zimmer.

Über einen Tipp wäre ich sehr dankbar!

* Name geändert

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?
WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Lieber Timo!

Sie beschreiben das Verhältnis zu Ihrem Bruder als "fast irreparabel" zerrüttet. Das wird sich nicht leicht ändern, solange Sie dort zusammen wohnen. Gelänge es Ihnen, ihm eine deutliche Verminderung der Kontakte zu seiner Freundin gegen seine Neigung abzuringen, würde er Sie noch lange dafür bestrafen.

Mein Rat: Begeben Sie sich auf jeden Fall auf die Suche nach einer bezahlbaren eigenen Unterkunft. Nur dann befreien Sie sich von dem belastenden Zwang, die Krise lösen zu müssen.

Ganz allgemein gilt: Gäste von WGs dürfen diese nicht zu ihrem Lebensmittelpunkt machen - weder sollten sie dies einfordern, noch sollte eine WG das begünstigen. Spricht die junge Frau bereits von "ihrem" Zimmer, ist die Grenze längst überschritten.

Klären Sie für sich und fragen Sie den Bruder, was Ihnen die WG bedeutet. Teilen Sie ihm mit, auf keinen Fall länger pendeln zu wollen zwischen Einhaltung der Absprachen und deren Ignorieren. Sprechen Sie als Kompromiss eine Besucherregelung ab, die Sie ausdrücklich auch für sich selbst übernehmen, auch wenn das zurzeit nicht aktuell sein sollte.

Führen Sie dieses Gespräch mit Ihrem Bruder allein. Stellen Sie aber sicher, dass Ihre Absprachen unverfälscht bei seiner Freundin ankommen. Seien Sie und zeigen Sie sich entschlossen, die Einhaltung Ihres Kompromisses respektiert zu sehen.

Verspricht man Ihnen mehr, als man nach kurzer Zeit in der Lage oder bereit ist einzuhalten, bleibt als Lösung nur der Auszug.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Nun ja...
BettyB. 22.01.2016
Ausziehen, so bald wie möglich. Und bis dahin alle "Fremdsachen" täglich in einem Beutel sammeln und in irgendeine Ecke stellen...
2.
HaraldKönig 22.01.2016
Timo könnte sich auch selber eine Freundin suchen, die bei ihm einzieht. Dann gäbe es bei den Unkosten wieder einen Gleichstand. Ansonsten würde ich nur noch ein Drittel der Miete und Nebenkosten zahlen.
3. WG-Leben...
anne63 22.01.2016
... ist günstig und daher muss man eben Kompromisse eingehen. Muss ein angehender Sozialpädagoge nicht selbst Ratgeber bei derartigen Problemen sein? Grad bestätigt sich mal wieder meine Einschätzung dieses Berufsstandes gegenüber...
4.
nika 22.01.2016
Ist schon heftig, wie dreist manche "Freundin" ist! Wenn ich Gast bin, muss ich mich doch als Gast verhalten. Die nutzt nicht nur den Fragesteller aus, sondern auch ihren Freund. Aber solange der das nicht schnallt, wird sich da nichts ändern. Am Besten, so schnell als möglich den Master abschließen, Job suchen und eine kleine Wohnung nehmen. Oder das könnte auch eine Masche sein, den älteren Bruder aus der Wohnung zu drängen, so dass man das "Liebesnest" allein geniesen kann. Aber dann wird die Freundin des Bruders sich mit beteiligen müssen. Oder auch nicht, wenn der so dumm ist sie auszuhalten. Ich sage nur "flatrate - Prostitution".....
5. Ganz offensichtlich
fatfrank 22.01.2016
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