Studenten-WG mit Senioren: Wohnheimparty zu Florian Silbereisen

Studenten Wulff und Hermelink: Studentenbude im Altersheim Zur Großansicht
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Studenten Wulff und Hermelink: Studentenbude im Altersheim

Günstiges Zimmer, nette Mitbewohner - über 80. In Kiel wohnen Studenten in einem Altersheim und entgehen so der endlosen Wohnungssuche, die in vielen Unistädten droht. Die Senioren freuen sich über Hilfe im Alltag, und auch die Studenten entdecken manche Überraschung.

Wenn Jan Hermelink die Stimme von Volksmusik-Moderator Florian Silbereisen aus den Nachbarzimmern hört, weiß er: Das ist ein guter Zeitpunkt für eine kleine Party. "Ich habe schon ein paar Mal mit Freunden gefeiert, nie gab es Stress", sagt der Geschichtsstudent. "Aber es kann auch sein, dass sie uns einfach nicht gehört haben - die Fernseher sind hier immer etwas lauter aufgedreht." Hermelinks Nachbarn sind im Schnitt mehr als 80 Jahre alt. Der 22-Jährige wohnt in einem Seniorenheim in Kiel.

95 Appartements hat das Kurt-Engert-Haus im Stadtteil Holtenau, in sechs leben nach Angaben der Verwaltung angehende Akademiker. Begonnen hat das Projekt 2011. Verpflichtende Aufgaben haben die Studenten keine, sagt Leiter Hermann-Josef Stevens. "Es gibt aber Vorteile: Sie sind zu anderen Zeiten auf den Beinen und gehen andere Wege. Bei uns passen Jüngere auf Ältere auf und umgekehrt", sagt er.

Die Studenten zahlen 200 Euro für rund 25 Quadratmeter und Nebenkosten, Internet kostet extra. Die Uni ist mit dem Bus in 15 Minuten erreicht. In Kiel, wie viele Uni-Städte von studentischer Wohnungsnot geplagt, findet das Angebot dankbare Abnehmer. Ähnliche Projekte gibt es auch in anderen Städten, etwa in Hannover und Saarbrücken.

"Er könnte schon noch ein bisschen mehr erzählen"

"Frau Buck, hier ist der Student!", ruft Hermelink und klopft an die Tür. Bedächtig öffnet die 83-Jährige. Sie freut sich sichtlich über den Besuch. "Es ist gut, wenn ein bisschen Jugendlichkeit reinkommt", sagt Gerda Buck und lässt sich wieder in ihren schweren Sessel fallen. "Aber: Er könnte schon noch ein bisschen mehr erzählen", sagt sie. "Frau Buck, das stimmt so nun aber auch nicht!", verteidigt sich Hermelink. Frau Buck habe ihm auch schon mal in der Not Geld geliehen, erzählt er. Seit 2011 wohnt er mit ihr auf einem Gang.

Auch die 19 Jahre alte Psychologie-Studentin Judith Wulff kennt die älteren Semester in der Nachbarschaft mittlerweile bestens. Sie hat ihr Appartement im vergangenen Dezember bezogen. "Wenn Familienmitglieder vorbeikommen, werde ich häufig mit dem Pflegepersonal verwechselt", sagt Wulff. Manchmal klopft ihre Nachbarin an die Tür, weil ein Einmachglas nicht aufgehen will. Wie Hermelink schätzt sie, dass es bei den Senioren ruhiger zugeht als in manchen Wohngemeinschaften oder Studentenwohnheimen. Abgesehen von den Problemen, überhaupt ein Zimmer zu finden.

70.000 Studentenwohnungen fehlen

In Deutschland studieren derzeit gut 2,5 Millionen Menschen. Insgesamt gebe es noch einen Bedarf von etwa 70.000 Wohnungen für Studenten, schätzt der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde. Auch in Kiel verzweifeln viele der 24.000 Studenten regelmäßig bei der Suche nach einer Bleibe. Vor allem im Wintersemester, in dem viele Studiengänge beginnen, sei es chaotisch, beklagt der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni.

"Für mich ist das kein Notnagel, ich finde es toll", sagt Hermelink. Er hat es sich an einem seiner Lieblingsorte gemütlich gemacht: einem Gemeinschaftsraum fast unterm Dach mit Blick auf die Kieler Förde. Meist ist er hier allein. Seine Nachbarn scheuen den etwas mühsamen Gang so hoch hinaus. Ehrenamtlich sortiert Hermelink zudem die Bibliothek des Hauses, vieles stammt von verstorbenen Bewohnern. Vom Wohnort des Studenten hat bereits einer seiner Geschichtsdozenten profitiert: Kürzlich schenkte ihm Hermelink eine seltene Originalveröffentlichung, die er beim Entrümpeln gefunden hatte.

Jonas-Erik Schmidt/dpa/ade

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
sponner_hoch2 11.08.2013
Wieviel Artikel zu dem Thema muß man eigentlich noch schreiben? Man wird ja den Verdacht nicht los, hier möchte ein (vorgeblich objektives) Medium Meinungssteuerung betreiben. Nicht das ich das Thema nicht interessant und die Idee nicht gut fände. Das ändert aber nichts daran, dass man andauernd neue (aber eben doch gleiche) Artikel zu dem Thema pushen muß. Hab gerade auch extra noch mal nachgeguckt, scheint sich nicht um eine Reihe zu handeln.
2. Das Beispiel sollte in Deutschland Schule machen:
woodeye 11.08.2013
Die Jugend wird sensibilisiert und geniesst sogar materielle Vorteile. Die Alten leben auf und koennen sich ueber manche Kontaktgespraeche und ev. sogar Besuche freuen. Ein sinnvolles "distanziert-enges" Miteinander. Und so einfach zu vollziehen!
3. optional
davornestehtneampel 11.08.2013
"Das Beispiel sollte in Deutschland Schule machen" - Bezahlbarer Wohnraum für alle wäre sinnvoller.
4. ace of spades
karldhammer 11.08.2013
Sollte ich jemals in so einer Verwahranstalt landen, wird aus meinem Zimmer Lemmy ertönen- Laut!
5. Das ist ein Unding!
CA-Fire 11.08.2013
Zitat von sysopDPAGünstiges Zimmer, nette Mitbewohner - über 80. In Kiel wohnen Studenten in einem Altersheim und entgehen so der endlosen Wohnungssuche, die in vielen Unistädten droht. Die Senioren freuen sich über Hilfe im Alltag, und auch die Studenten entdecken manche Überraschung. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/wohnungsnot-in-uni-staedten-in-kiel-wohnen-studenten-im-altenheim-a-914510.html
Für einen alten Menschen, der in eine Senioreneinrichtung geht, kostet das Zimmer mit 25 qm2 als Regelsatz 2500 Euro. Viele alte Menschen können es sich nicht leisten, in ein solches Heim zu ziehen. Und "Studenten", die zu faul sind, längere Fahrzeiten im ÖPNV in Kauf zu nehmen wohnen dort für 200 Euro? Das finde ich scandalös.
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