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Provisionsaffäre an Zeppelin-Universität: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Uni-Präsident

Von Manager-Magazin-Redakteur

Stephan Jansen: Der Ex-Präsident profitierte von einem großzügigen Provisionssystem Zur Großansicht
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Stephan Jansen: Der Ex-Präsident profitierte von einem großzügigen Provisionssystem

Die Provisionsaffäre an der privaten Zeppelin-Universität hat ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Ravensburg ermittelt nun gegen den ehemaligen ZU-Präsidenten Stephan Jansen.

Die Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen kommt nicht zur Ruhe: Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Ravensburg ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen ihren langjährigen Präsidenten Stephan Jansen eingeleitet.

Jansen wird demnach des Betrugs verdächtigt, weil er Drittmittelgeber der privaten Universität am Bodensee nicht ausreichend darüber aufgeklärt haben soll, was mit ihrem Geld geschah. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft lediglich allgemeine Vorermittlungen im Umfeld der ZU durchgeführt. Hinzu kommt der Verdacht der Bestechlichkeit, weil Jansen Aufträge der ZU an Privatunternehmen an die Bereitstellung von Fördermitteln geknüpft haben könnte,von denen er indirekt auch persönlich profitierte.

Ex-Präsident Jansen steht bereits seit Wochen unter Druck. Ihm und seinem Führungsteam werden unter anderem Misswirtschaft und Kungelei mit lokalen Unternehmen vorgeworfen. Anfang September riefen Presseberichte unter anderem im "Südkurier" die Staatsanwälte auf den Plan. Die Recherchen hatten ergeben, dass die ZU Mitarbeitern hohe Provisionen zahlte, wenn sie erfolgreich Fördermittel einwarben. Die Geldgeber, etwa der Flugzeugbauer EADS oder die Deutsche Telekom, wussten darüber offenbar nicht Bescheid, glaubt nun die Staatsanwaltschaft.

Provisionen zusätzlich zum Präsidentengehalt

Vor allem der Ex-Präsident und BWL-Professor Jansen hat von den großzügigen Bonuszahlungen profitiert: Er soll bis zu zehn Prozent der Fördersumme eingestrichen haben, allein für die Fördermittel von EADS und Deutscher Telekom erhielt er in einem Monat stattliche 32.500 Euro. Auch in anderen Monaten flossen fünfstellige Beträge an Jansen. Leistungsabhängige Zulagen gibt es zwar auch an öffentlichen Hochschulen, ein solch üppiges Boni-System wie an der ZU unter Jansen ist allerdings selbst bei Privatuniversitäten unüblich.

Jansen, der eigentlich noch bis 2015 im Amt bleiben wollte, trat Anfang September überraschend als Präsident der ZU zurück, als erste Vorwürfe ruchbar wurden. Die kommissarische Leitung der ZU hat mittlerweile Alfred Kieser übernommen, der wie Jansen Betriebswirtschaft lehrt. Kieser stellte bereits eine Überarbeitung der Bonusregelungen in Aussicht.

Vorzeitig nach Kalifornien?

Jansen, bei seinem Antritt jüngster Uni-Präsident Deutschlands und von manchen als Wunderkind und Querkopf fast schon verehrt, arbeitet weiterhin als normaler Professor. Vergangene Woche war allerdings bekannt geworden, dass er sich nicht konventionell habilitiert hatte, sondern den Professorentitel 2003 - nur wenige Monate nach seiner Promotion - vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium verliehen bekam.

Nun sieht es so aus, als wolle Jansen den Bodensee erst einmal in Richtung USA verlassen. Eigentlich war sein Plan, ab 2015 zwei Semester als Gastprofessor an der Universität Stanford zu verbringen. Laut ZU soll er dort am Fachbereich für Vergleichende Literaturwissenschaft zur "Bildungstheorie" forschen. Zuletzt sah es so aus, als wolle Jansen diesen Auslandsaufenthalt vorziehen: Professor Hans Ulrich Gumbrecht, der ihn bereits vor der Affäre in Stanford empfahl, teilte mit, Jansen werde bereits im November nach Kalifornien kommen. Wenn nun Ermittlungen laufen, könnte er diese Pläne doch wieder ändern müssen.

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1. Riskantes Denken
dioogenes 02.10.2014
Das Verhalten seitens Herrn Prof. Jansens war riskant und entspricht damit den Vorgaben seines Mentors Gumbrecht. In der akademischen Welt funktioniert immer noch das Allermeiste nach Gutsherrnart, selbst und vielleicht sogar besonders in den privaten Institutionen. Geb ich Dir, gibst Du mir. Ach, bevor ich es vergesse - das gilt nur für die Fettschicht bestehend aus den 5-10 Prozent privilegierten Professoren, nicht für die 90 Prozent akademisches Prekariat, das die Hauptlast des Unterrichtens trägt. Zum Glück fliegen die ärgsten Schweinereien in dieser Hinsicht dann doch auf. Ich wünsche Herrn Professor Jansen einen Ferienjob in der Metallindustrie, keine Gastprofessur in USA.
2. Überschrift
McKlugscheiss 02.10.2014
"Staatsanwaltschaft ermittelt..." gegen wen oder was? Die Antwort gibt der Akkusativ, in dem Fall also "Präsidenten". MfG, McKlugscheiss.
3. Aha
whostalking 02.10.2014
"Vergangene Woche war allerdings bekannt geworden, dass er sich nicht konventionell habilitiert hatte, sondern den Professoren-Titel 2003 - nur wenige Monate nach seiner Promotion - vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium verliehen bekam." Der Satz ergibt keinen Sinn. Natürlich ist das so, denn das Wissenschaftsministerium beruft einen Professor. Eine Habilitation ist diesbzgl. allenfalls beim vorherign Auswahlprozess relvant.
4. Seltsam...
BettyB. 02.10.2014
Weshalb sollte man sonst eine Privatuni gründen? Um weniger Geld zu verdienen?
5. Es verwundert, dass dies alles so neu sei
Juniorprofessorin 02.10.2014
Es war ja bei Gründung der ZU von Herrn Jansens bekannt, dass er nur aufgrund seiner Beziehungen in Politik und Wirtschaft, zum Professor und Gründungspräsidenten der ZU ernannt wurde. Es hatte damals schon viele verwundert, dass er ohne Habilitation oder Juniorprofessorenzeit und mit einer offen gesagt sehr dürftigen Publikationsliste und anderen Voraussetzungen so protegiert wurde. Sein Auftreten in Öffentlichkeit und ggü. Kollegen war zudem entsprechend fragwürdig. In sofern wundert es heute doch nicht, wenn auch in anderen Zusammenhängen Kungelei und Selbstbedienung im Raume stehen.
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