Zitat des Tages: "Halten Sie die Türklinken frei"

Diese Enge, diese Luft: Studenten in Massenfächern erleben gerade, was es heißt, sich im Rekordjahr 2011 in eine Vorlesung zu drängen. Die LMU München hat nun ihre Dozenten mit einem Infoblatt auf den Notfall "überfüllte Vorlesung" vorbereitet. Die gute Nachricht: Keiner wird zurückgelassen. 

Uni-Start: Notfallplan für überfüllte Hörsäle Fotos
Petra Haberl

"1. Überfüllter Hörsaal / Seminarraum:
Es ist darauf zu achten, dass im Raum Ausgänge und Fluchtwege (…) frei gehalten werden.

Es ist zu beurteilen, ob im Einzelfall Zuhörer gebeten werden müssen, den Raum zu verlassen oder - im Falle einer Weigerung - die Veranstaltung im Extremfall abgebrochen werden muss.

2. Räumung des Hörsaals / Seminarraums in Notfällen
In Notfällen (z.B. Brand im Raum, akustischer Alarm der Brandmeldeanlage, stark überfüllter Hörsaal / Seminarraum, gravierende bauliche Mängel) ist vom Leiter (…) der Veranstaltung die unverzügliche Räumung zu veranlassen und dafür zu sorgen, dass niemand zurückbleibt."

Am Wochenanfang las ein Jura-Professor der LMU München seinen Studenten in der ersten Vorlesung des Semesters genüsslich aus der hier zitierten Zwei-Punkte-Liste mit der Überschrift "Sicherheitshinweise für Dozenten" vor und sagte, so einen Hinweis habe die Uni bislang noch nie verteilt.

Die Studenten sollten sich darum im Raum bitte so hinstellen, dass "wenigstens noch zehn Zentimeter vor der Türklinke frei bleiben - damit die noch nach unten gedrückt werden" kann. Über 1000 Erstsemester begrüßt die Münchner Jura-Fakultät in diesem Jahr, ein Zuwachs von 33 Prozent - man stoße wohl an Grenzen, so der Hochschullehrer.

Erstsemester sind in Massenfächern wie Jura, BWL und Germanistik meist leicht bis schwer schockiert, wenn sie sich an einer großen Uni zum ersten Mal in einen Hörsaal quetschen. Dass das für gewöhnlich nicht lange so bleibt, wissen die älteren Uni-Insassen. Schon im Dezember setzt für gewöhnlich Studier-Ermattung ein, ruft der Weihnachtsmarkt, ist es im Bett gemütlicher als auf der Hörsaalbank - und die "Erstis" lernen, dass man gar nicht in jede Vorlesung kommen muss.

Dieses Jahr allerdings haben sich, auch dank doppelter Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen, rund eine halbe Million Erstsemester an FHs und Unis eingeschrieben, ein Rekord. An der Ludwig-Maximilians-Universität München klebte die Hochschulverwaltung deshalb den oben zitierten Notfallpläne für übervolle Lehrveranstaltungen auf die Pulte. Tröstlich im Fall der Räumung einzig: Keiner wird zurückgelassen.

cht

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