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Zweitwagen: US-Student rollt im Panzer zur Uni

Um einen Parkplatz muss Will Foster nicht kämpfen - und falls doch, fährt er das brutalstmögliche Geschütz auf. Der Technikstudent hat sich einen Mini-Panzer selbst gebaut und braust damit durch eine Stadt in Michigan. Studenten auf dem Campus staunen ebenso wie Polizisten.

Wenn Will Foster seinen Privatpanzer in Stellung bringt, sieht das bedrohlich aus, bedeutet aber keine echte Gefahr. Jeden Tag rollt der Student mit dem selbstgebauten Straßen-Schlachtschiff auf den Parkplatz der Kettering University.

Mini-Panzer Marke Eigenbau: Will Fosters Straßen-Schlachtschiff
AP

Mini-Panzer Marke Eigenbau: Will Fosters Straßen-Schlachtschiff

Dumpf klackern dann die schweren Ketten auf dem Asphalt, ein meterlanges Kanonenrohr ragt hervor, das Blech ist mit Tarnfarben bepinselt. Doch Krieg wird auf dem Campus in der früheren Autostadt Flint im US-Bundesstaat Michigan deshalb nicht gleich ausbrechen.

Foster hat den wohl kuriosesten Studi-Zweitwagen weltweit: eine selbstgebaute Nachbildung eines Panzers aus dem Zweiten Weltkrieg, halb so groß wie das Original - ausgerechnet der deutsche "Tiger"-Kampfpanzer.

Zwei Jahre bastelte der Student daran. Alle Einzelteile zusammen haben rund 2000 Dollar gekostet, insgesamt steckte er aber rund 10.000 Dollar in sein Hobby - immer nach dem "Versuch-und-Irrtum"-Prinzip: "Erst habe ich 200, dann 300 Dollar für Teile ausgegeben, die beide nicht funktionierten, um am Ende das richtige für 50 Dollar zu finden", erzählte Foster dem "Flint Journal".

Eine frühere Version des martialischen Vehikels hatte sich als nicht einsatzfähig erwiesen - ursprünglich sollte ein Rasenmähermotor den Panzer antreiben. Foster stieg auf einen Dreizylinder-Diesel um der sein Weltkriegsmobil nun auf bis zu 20 Meilen pro Stunde (etwa 32 km/h) bringt. Per Druckluft lässt sich die Kanone in alle Himmelsrichtungen drehen.

Ein Parkplatz ist für den Panzer reserviert

Das macht den Zweitwagen - für studentische Verhältnisse - voll kampfbereit: Die Kanone kann Golfbälle und Energy-Drink-Dosen abfeuern. Kein Wunder also, dass Nachbarn bereits die Polizei riefen, als Will Foster im Panzer durchs Wohngebiet zuckelte. Doch selbst die Staatsgewalt kapitulierte: "Die Polizisten kamen und haben uns nur gesagt, dass wir zurück nach Hause fahren sollen. Sie haben auch gelacht, weil sie so etwas noch nie zuvor gesehen haben", berichtet Foster. Normalerweise geben die Polizisten sich mit Führerschein und Fahrzeugschein zufrieden, "ich versuche nicht zu erwähnen, dass die Kanone obendrauf funktionsfähig ist".

Ähnlich entspannt reagierten die Kumpels im Studentenheim: Die Bewohner des Verbindungshauses "Theta Xi" haben Foster nicht nur tatkräftig beim Basteln zur Seite gestanden, sondern auch einen Privatstellplatz gewidmet - mit einem standesgemäßen Warnhinweis: "Panzer-Parkplatz. Wer ihn missbraucht, wird zu Schrott gefahren."

Sonst fährt Will Forster ein Chevrolet, Baujahr 1986, den er vom Schrottplatz rettete und aufmotzte. Ursprünglich hatte er gar nicht beabsichtigt, seinen Panzer zum Zweitwagen zu machen. Auf die Idee brachten ihn als Panzer verkleidete flinke Golfkarren bei Paintball-Wettbewerben. Foster wollte seine Chancen beim Paintball verbessern - und rüstete auf.

Mit dem Paintball-Panzer kann er jetzt bis zu 50 Kugeln abfeuern. Und die automotive Aufrüstung hat sich auch beruflich gelohnt: Der Panzerfahrzeug-Hersteller Force Protection hat Will Foster einen Ferienjob angeboten. Diesen Monat fängt er dort an.

wie/AP

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