Eine Ökosystemdienstleistung (engl. ecosystem service, auch ökosystemare Dienstleistung) beschreibt die Nutzenstiftungen ('benefits') der ökologischen Systeme für den Menschen.[1] Beispiele für Ökosystemdienstleistungen sind das Bestäuben von Obstblüten durch Insekten, die Bereitstellung von nutzbarem Süß- und Trinkwasser durch Niederschlag und natürliche Filtration, die Verfügbarkeit von Fischen als Nahrungsmittel in aquatischen Ökosystemen oder die Bereitstellung von frischer Luft und Raum für Freizeit und Erholung.
Der Begriff der Ökosystemdienstleistung ist abzugrenzen von der Ökosystemfunktion. Obwohl es terminologische Überschneidungen gibt, werden mit Ökosystemfunktion in der Regel eher die hinter den Ökosystemdienstleistungen stehenden ökosystemaren Prozesse, Strukturen und Zustände gemeint.
Die international maßgebliche Definition stammt aus dem Methodenband des Millennium Ecosystem Assessment.[1] Ökosystemdienstleistungen werden hier (Box 1, Key Definitions, S. 3) definiert als
Nach dem Millennium Ecosystem Assessment lassen sich Ökosystemdienstleistungen in vier Kategorien einteilen:[2]
Ohne Ökosystemdienstleistungen wäre menschliches Leben auf der Erde nicht möglich. Solche Aussagen scheinen zu implizieren, dass "Ökosystemdienstleistungen" einen Wert haben, der weit über jedes sinnvoll in Geldeinheiten quantifizierbares Maß hinaus geht. Für die Gesamtheit aller Ökosystemdienstleistungen ist dies auch richtig. Dies hat beispielsweise die detaillierte Kritik am Artikel von Costanza et al. (1998) zum "Wert" der Biosphäre gezeigt. Die Gesamtheit der Ökosystemdienstleistungen ist jedoch kaum jemals Gegenstand menschlicher Handlungsentscheidungen. Handlungsrelevante Bewertungsfragen stellen sich daher in Bezug auf Ökosystemdienstleistungen erst auf anderen Ebenen.
Der Begriff der Ökosystemdienstleistung ist definitorisch auf eine anthroporelationale (es sind Menschen, die bewerten) und eine anthropozentrische Perspektive (allein menschliche Interessen zählen) festgelegt. Dies impliziert nicht, dass es andere Relationen oder Perspektiven nicht geben kann (siehe z.B. Biozentrismus). Wenn von Ökosystemdienstleistungen die Rede ist, stehen jedoch die Nutzenstiftungen für Menschen im Vordergrund. Diese Nutzenstiftungen können durch verschiedene Verfahren bewertet werden:
Die Berechnung von Nettobarwerten in der KNA setzt dabei voraus, dass der zeitliche Strom der wirtschaftlichen Vor- und Nachteile (Nettonutzen) der Handlungsalternativen hinreichend abgeschätzt werden kann. Bei "umweltrelevanten" Handlungsalternativen setzt dies die Abschätzung der Veränderungen der betroffenen Ökosystemdienstleistungen sowie deren Monetarisierung voraus.[3][4] Für die Umrechnung in Geldeinheiten stehen wiederum verschiedene Verfahren zur Verfügung; insbesondere Befragungsmethoden (z.B. die Kontingente Bewertungsmethode) sind dabei oft leichter für die Bewertung der Ökosystemdienstleistungen anzuwenden als für die Bewertung von Ökosystemfunktionen. Auch die monetäre Bewertung von Ökosystemdienstleistungen bleibt jedoch schwierig, wenn im engeren Sinne "essentielle" Ökosystemdienstleistungen in großem Umfang betroffen werden.[5]
Um die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen zu sichern, werden spezielle Honorierungsmechanismen (Payments for Ecosystem Services, PES) eingesetzt.
Die Verfügbarkeit von Ökosystemdienstleistungen kann sich in der Folge von Umweltverschmutzung oder anderem nicht nachhaltigem Management rapide verschlechtern. Weltweit befinden sich 60 % der vom Millennium Ecosystem Assessment untersuchten Ökosystemdienstleistungen in einem Zustand von Degradation oder nicht nachhaltiger Nutzung, der von abnehmender Quantität und Qualität der Ökosystemdienstleistungen geprägt ist. Von 24 erfassten bereitstellenden, regulierenden und kulturellen Dienstleistungen erhöht sich der Nutzungsdruck gegenwärtig bei 20.
In seiner über 30 Studien zusammenfassendenden Arbeit führt Costanza et.al.[6] eine Reihe von Sachverhalte an[7], die der praktischen Umsetzung von Wertermittlungen bei ESS Grenzen setzen.
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