| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| F10.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F11.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F12.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F13.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F14.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F15.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, einschließlich Koffein (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F16.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F17.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F18.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch flüchtige Lösungsmittel (Abhängigkeitssyndrom) | |
| F19.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen (Abhängigkeitssyndrom) | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2011) | ||
Das Abhängigkeitssyndrom (umgangssprachlich: Abhängigkeit, Sucht, Drogenmissbrauch) wird als eine Gruppe von auf das Verhalten bezogenen, kognitiven und körperlichen Phänomenen definiert, die sich nach wiederholter Einnahme von psychotropen Substanzen entwickeln. Charakteristisch ist ein starkes, oft unüberwindbares Verlangen, sich die Substanz zuzuführen. Weitere Kennzeichen sind eine fortwährende oder periodische Einnahme der Substanz, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren und eine fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen oder Aktivitäten. Es kommt dabei zu einer Toleranzerhöhung und manchmal zu einem körperlichen Entzugssyndrom.[1][2] Da alle Substanzen in einem „sozialen Raum“ eingenommen werden, ist „Abhängigkeit“ als das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen von seelischen, sozialen und körperlichen Prozessen zu verstehen.
Zur Diagnose des Abhängigkeitssyndroms müssen nach der ICD-10 mindestens drei der folgenden Kriterien während des letzten Jahres gemeinsam erfüllt gewesen sein:
Die Klassifikation im ICD-10 ist in die verschiedenen Substanzen unterteilt (siehe Kasten).
Im offiziellen Sprachgebrauch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) existierte von 1957 bis 1963 der Begriff Sucht. Danach wurde er zunächst durch Missbrauch und Abhängigkeit ersetzt. Schließlich wurde nach 1969 das Missbrauchskonzept zugunsten vier definierter Klassen des Gebrauchs verworfen[3]:
Zur Häufigkeit der einzelnen Abhängigkeitserkrankungen siehe jeweilige Hauptartikel.
Ein Problem in der Erfassung der Prävalenzzahlen ist die Vielzahl an Substanzen mit einem Abhängigkeitspotenzial. So besitzen von den etwa 10.000 am häufigsten verschreibungspflichtig verordneten Arzneimitteln allein 4 bis 5 % das Potential für einen problematischen Gebrauch und eine Abhängigkeitsentwicklung.[4] Damit wird aber auch verständlich, weshalb trotz der klar abgegrenzten WHO-Definitionen von Gebrauch und Abhängigkeit sowie der klaren ICD-10-Kriterien schnell auf ein schwammiges Missbrauchs-, Abhängigkeits- oder Suchtkonzept zurückgegriffen wird. Die negative Konnotation verschleiert die Sicht auf strukturelle Schwächen des Gesundheitssystems und ermöglicht es um so schneller, eine Komplizenschaft von verordnenden Ärzten und (schwierigen) Patienten anzusprechen.[5]
Medikamente, die von einem Arzt verschrieben wurden, können vorschriftsmäßig eingenommen, aufgrund von generellen Bedenken, Nebenwirkungen, Nachlässigkeit oder einer „schnellen Heilung“ zuhause entsorgt, nicht bis zum Packungsende bzw. nur fallweise eingenommen oder an Familienangehörige und „gute Bekannte“ weitergegeben werden. Umgekehrt kann ein Patient mehrere Ärzte aufsuchen, um in einem gegebenen Zeitraum das Medikament mehrfach verordnet zu bekommen, oder sich zusätzlich am Schwarzmarkt damit zu versorgen. Drittens können sich Konsumenten dem Gesundheitssystem und dessen Behandlungsangeboten gänzlich entziehen und sich alleine auf dem Schwarzmarkt versorgen; oder es kann ihnen aus unterschiedlichen Gründen von den entsprechenden Institutionen eine Behandlung verweigert werden. Letztlich ist die ärztliche Verordnungspraxis zwar in der Krankengeschichte des Patienten festgehalten, jedoch gibt diese keinen Aufschluss über das tatsächliche Einnahmeverhalten.[6]
Laut Drogen- und Suchtbericht 2008[7] sind in Deutschland schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen „medikamentenabhängig“, andere Studien[8][9] sprechen von 1,9 Millionen Menschen. Ungefähr ebenso viele können als mittel- bis hochgradig gefährdet eingestuft werden, eine „Medikamentenabhängigkeit“ zu entwickeln. In etwa 80 % der Fälle handelt es sich dabei um eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen.[4]
Psychotrope Substanzen sind Stoffe, die die Psyche des Menschen beeinflussen. Solche Substanzen können eine zum Teil schwere körperliche oder psychische Abhängigkeit hervorrufen.
Multipler Substanzgebrauch ist laut ICD-10 eine Form des Drogenkonsums, bei welcher zwei oder drei psychotrope Substanzen zu sich genommen werden und keine Substanz für sich allein den Konsum dominiert bzw. nur eine oder keine der Substanzen bekannt ist.
Seit den 80er Jahren betrachtet man Abhängigkeit als multifaktoriellen Prozess, bei dem biologische, psychische, soziale und gesellschaftliche Faktoren zusammenwirken. Eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt sich in einem multikausalen und interaktiven Prozess. [10]
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Alan Leshner zog 1997 als Direktor des amerikanischen National Institute on Drug Abuse (NIDA) eine Bilanz der jahrzehntelang betriebenen neurowissenschaftlichen Forschungstätigkeit: Abhängigkeit ist eine Hirnkrankheit.
In Tierversuchen wurde festgestellt, dass unser Verhalten durch ein hochkomplexes Belohnungssystem gesteuert wird. Dieses beruht auf dem Botenstoff Dopamin, der auch bei Stimulationen wie Sex, Nahrungsaufnahme, romantischer Liebe oder bei Erfolgserlebnissen aller Art eine wichtige Rolle spielt. Es entwickelt sich ein Wiederholungseffekt, das Individuum verspürt die Lust auf mehr (unwiderstehliches Verlangen, engl. craving).
Das cAMP-System (cAMP = zyklisches Adenosinmonophosphat) ist verantwortlich für die Toleranzbildung von psychoaktiven Stoffen (Kokain, Alkohol, Nikotin usw.) Doch spielt es ebenfalls für die Entzugssymptomatik eine wichtige Rolle. Außerdem kann ein Protein (DFosB) die Verbindungswege neuronaler Impulse verändern.
Auf den Oberflächen und im Innern der Nervenzellen hinterlassen psychoaktive Substanzen Veränderungen, die sich einerseits auf die Wahrnehmung des nächsten Konsums, wie aber auch auf das Empfinden des Nichtkonsums auswirken. Zudem werden mit der Zeit auch neue Zellverbindungen (Verknüpfungen der Axonen) gebildet, während andere verkümmern. Das heißt, unser Gehirn passt sich dem Konsumverhalten biologisch an. Veranschaulichen lässt sich dieser Vorgang mit dem Lauf eines wilden Flusses. Es bilden sich je nach Wasserstärke und chemischer Zusammensetzung verschiedene Formen in der Landschaft und im Gestein.
Dazu gehört auch, dass die Zahl der Rezeptoren, die auf die jeweilige Droge reagieren, im Laufe der Zeit zunimmt. (So wurde anhand von Obduktionen festgestellt, dass Raucher doppelt so viele Nikotinische Acetylcholinrezeptoren haben wie Nichtraucher.) Andererseits nimmt die Dopaminrezeptorzahl und die Dopaminproduktion ab. Daraus erklärt sich, dass Abhängige immer höhere Dosen ihrer Droge benötigen, bis die gewünschte Wirkung eintritt. Bleibt die Droge aus, wirkt sich das negativ auf die Stimulation des Belohnungssystems aus: es kann u. a. zu schlechter Laune, Gereiztheit und Depressionen kommen, bis die Zahl der Rezeptoren wieder auf das normale Maß zurückgegangen ist und sich die Dopaminsynthese/Rezeptoren regeneriert haben.
In der Modellvorstellung von Nora Volkow werden vier zerebrale Schaltkreise betrachtet: das mesolimbische Belohnungssystem (entspringt vom VTA - Area ventralis tegmentalis), die in der orbitofrontalen Hirnrinde vorhandenen Strukturen von Antrieb und Motivation, die für das Lernen und das Gedächtnis relevanten Strukturen wie Amygdala, Caudatum, Putamen und Hippocampus sowie die präfrontalen Strukturen, die an Entscheidungsfindung und Verhaltenskontrolle beteiligt sind. Nach den Erkenntnissen des NIDA, dem Nora Volkow heute vorsteht, ist Abhängigkeit eine Folge von wiederholt gestörten Regulationsvorgängen im Belohnungssystem mit Auswirkungen auf Motivation, Gedächtnis und Impulskontrolle.
Das Entstehen einer Abhängigkeit ist neurobiologisch eine Art Negativvariante des Lernvorgangs. Das zeitliche Geschehen findet in umgekehrter Reihenfolge statt. Pathologisch sind dabei die exzessive Ingangsetzung von zerebralen (an sich nicht krankhaften) Prozessen durch abhängigkeitserzeugende Stoffe (aber auch durch krankhaftes Spielen).
Nicht selten unterstützen Angehörige (Eltern oder Lebenspartner) abhängigkeitskranke Menschen in der Bewältigung von Lebensaufgaben, die diese selber nicht mehr leisten können oder mildern durch Tun oder Unterlassen die Folgen seiner Drogensucht. Häufig dreht sich das Leben der Angehörigen nur noch, oder weitgehend, um die Drogensucht des Angehörigen. Dieses, als Co-Abhängigkeit bezeichnete Verhalten, kann pathologische Züge aufweisen und behandlungsbedürftig sein. Der Co-Abhängige verlängert letztlich durch sein Verhalten die Suchterkrankung des Betroffenen, da diesem dadurch häufig die Folgen seiner Drogensucht nicht bewusst werden.
Studien zeigen, dass die Vererbbarkeit von Drogenabhängigkeit bei 50-60% liegt.[11] Die Praxis zeigt, dass beim Menschen individuelle Unterschiede in der Reaktion auf bestimmte Stoffe vorhanden sind. Mit Versuchen am Medikament Ritalin wurden diese Unterschiede damit erklärt, dass in den einzelnen Gehirnen eine unterschiedliche Anzahl an Dopamin-D2-Rezeptoren vorhanden sind. Ist diese Anzahl bei einer Testperson gering, empfindet sie die Wirkung der Substanz als besonders angenehm. Die erwähnten Unterschiede in den neurobiologischen Voraussetzungen sind daher zu einem gewissen Teil genetisch bedingt. Grundsätzlich kann man sagen, dass eine hohe Toleranzgrenze den Konsum erhöht. Kandidatengene für Alkoholabhängigkeit sind unter anderem GABA-Rezeptorgene, die Einfluss auf die sedierende Wirkung des Alkohols haben. Dopaminrezeptorgene (z.B. das DRD2A1-Taq1 A minor Allel) können eine Effizienzminderung des dopaminergen Systems bewirken. Die zurzeit bedeutendste genetische Prädisposition für Alkoholabhängigkeit wird einem Polymorphismus in Alkohol metabolisierenden Enzymen zugeschrieben. Polymorphismen des Alkohol- Dehydrogenase -Gens (ADH2-Gen) können zur einem schnelleren Abbau des giftigen Stoffwechselprodukts Acetaldehyd führen, was eine verminderte Wahrnehmung der Nebenwirkungen des Alkohols hervorruft und sich somit auf die Höhe des Konsums auswirkt.[12] Viele Asiaten haben eine Unterfunktion des Enzyms und leiden unter so heftigen Nebenwirkungen, dass eine Alkoholabhängigkeit dort kaum ein Problem darstellt. Das ALDH2-1-Allel kodiert für einer biologisch aktive Form des Enzyms, wohingegen ALDH2-2 zu Funktionsverlust führt.[13] Analog zur Alkoholabhängigkeit führt ein ein Polymorphismus in DRD2 zu einem erhöhten Suchtpotential. Raucher besitzen das DRD2-Allel fast doppelt so häufig wie Nichtraucher. So kann auch die Nikotinabhängigkeit durch verschiedene Polymorphismen genetisch bedingt sein. Variationen in der nikotinischen ACH-Rezeptor-Untereinheit A5 auf Chromosom 15 führen zu einer Aminosäureveränderung und veränderten mRNA- Expression im Gehirn. Ein weiterer entscheidender Faktor liegt in den metabolisierenden Enzymen des Stoffwechsels. Das Allel CYP2A6 kodiert ein gleichnamiges Enzym, welches den Abbau von Nikotin zu Cotinin vollzieht. Bei Kettenrauchern wurde eine Hyperaktivität dieses Enzyms festgestellt.[12] Studien von anderen Drogen sind aufgrund der Illegalität weniger und meist an Tierversuchen durchgeführt worden. Ihre genetische Prädisposition ist daher noch weitgehend ungeklärt.
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Die WHO fordert, dass man den an einem Abhängigkeitssyndrom erkrankten Menschen weder eine Willens- noch eine Charakterschwäche unterstellt. Abhängigkeit ist eine Krankheit, die jeden treffen kann,- eine oftmals chronische Krankheit, die aus dem Zusammenspiel biologischer und Umweltfaktoren verstanden werden kann. Sie erscheint meistens gleichzeitig und verknüpft mit anderen somatischen oder psychischen Störungen. Heute wird Drogenabhängigkeit weitgehend als Gesundheitsproblem anerkannt und mit Präventionsmaßnahmen vorgebeugt sowie mit Medikation behandelt.
Da Experimente mit Alkohol und Drogen ein Übergangsritus zu sein scheinen, mit dem fast alle Heranwachsenden in Berührung kommen, während nur eine Minderheit dieser Heranwachsenden abhängig wird, hat der Psychologe Daniel Goleman ‒ bekanntester Apologet des Konzepts der emotionalen Intelligenz ‒ nach Prädiktoren für dieses Abhängigwerden gefragt. Neben dem Faktor „Gelegenheit“ (d. h. leichter Verfügbarkeit des Suchtmittels) benennt er als Hauptfaktor das Potential von Alkohol und Drogen, unangenehme Gefühle ‒ wie Angst, Wut oder Depression ‒ schnell zu lindern. Teenager mit unzureichender emotionaler Selbstregulation und geringer Resilienz werden leichter abhängig als emotional stabile Heranwachsende.[14] So hat die Psychologin Jeanne Tschann (UC San Francisco) 1994 in einer Langzeitstudie mit 13- und 14jährigen nachgewiesen, dass vor allem solche Teenager von Suchtmitteln abhängig werden, die unter besonderer emotionaler Belastung stehen.[15] Die Psychologin Kathleen Merikangas (National Institute of Mental Health) bezeichnet den Alkoholismus, den Menschen mit chronisch hohem Ängstlichkeitsniveau entwickeln, als „Selbstmedikation von Angstsymptomen“.[16] Die Selbstmedikationsthese wird auch von Edward Khantzian (Harvard University) unterstützt. Khantzian hat beschrieben, wie ruhelose Menschen, die ihre Impulsivität nicht kontrollieren können und schnell gelangweilt sind, gern zum Alkohol greifen, weil sie sich damit auf einfache Weise beruhigen können.[17] Depressive dagegen bevorzugen stimulierende Drogen wie z. B. Kokain; je tiefer die vorausgegangene Depression, umso stärker wird die Abhängigkeit.[18] Dasselbe gilt für Menschen, die ihre Wut nicht managen können und von Opiaten wie z. B. Heroin abhängig werden.[19]
Die Folgen des Abhängigkeitssyndroms hängen wesentlich von der psychotropen Substanz ab, zu der die Abhängigkeit besteht. Zusätzlich besteht ein unterschiedliches Abhängigkeitspotenzial. Siehe daher auch die Hauptartikel zu den einzelnen Substanzen.
Neben dem Abhängigkeitssyndrom gibt es eine Reihe von körperlichen und psychischen Begleitkrankheiten.
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Häufige psychische Begleitkrankheiten sind Angststörungen, Depression, Anpassungsstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen und Psychosen. Oft werden diese Symptome durch einen verminderten Dopaminspiegel hervorgerufen, der durch Selbstmedikation mit Drogen kurzzeitig kompensiert wird. Daher haben Menschen, die psychische Störungen aufweisen, ein höheres Potential Drogenabhängigkeit zu entwickeln. Die Befriedigung der Abhängigkeit nimmt im Leben der Betroffenen einen immer größeren Raum ein. Die Aufmerksamkeit der Konsumierenden wird von der Motivation zum Substanzkonsum zunehmend auf Konsum und Beschaffung der psychoaktiven Substanz und das anschließende Verweilen im Rauschzustand verlagert. Daraufhin werden andere Aktivitäten, Interessen und Verpflichtungen vernachlässigt. Die Persönlichkeit, oder die Persönlichkeitsentwicklung, kann erheblich beeinträchtigt werden.
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Die klassische Therapie bei einem Abhängigkeitssyndrom hat den dauerhaften Verzicht (Abstinenz) auf die abhängigkeitserzeugende Substanz zum Ziel und gliedert sich in der Regel in folgende Punkte:
Neuere Ansätze, vor allem in der Therapie von Alkoholkranken, streben das ehrgeizige Ziel des Wiedererlangens der Fähigkeit zum kontrollierten Konsum an.
In der Behandlung Opiatabhängiger kann die (manchmal dauerhafte) Verabreichung eines Substitutionsmittels im Rahmen einer Substitutionstherapie zu einer deutlichen Schadensbegrenzung (engl.: harm reduction) führen, sodass hier die Forderung nach Abstinenz als alleiniges Behandlungsziel aufgegeben wurde bzw. jeweils im Einzelfall (und eventuell immer wieder neu) entschieden werden muss. Die Wirksamkeit einer Dauersubstituton ist überzeugend belegt und wird auch vom Gesetzgeber anerkannt.[20], [21] Es werden auch Medikamente entwickelt, die nicht als Substitution zu betrachten sind, sondern die Abhängigkeitssymptome gezielt bekämpfen sollen z.B. Clofenciclan.
Die Behandlung von Abhängigkeiten hat sich zu einem Spezialgebiet der Medizin entwickelt, das heute zunehmend auch auf Erkenntnissen der Neurobiologie aufbaut und ein ganzes Spektrum an therapeutischen Verfahren anbieten kann. Die Pädagogik ist dann gefordert, wenn es um den Umgang mit drogenabhängigen Jugendlichen oder um Jugendliche geht, welche einen problematischen Umgang mit Suchtstoffen aufweisen. Genauso dann, wenn es um das weite Feld der Abhängigkeitsprävention geht. [22]
ADHS Patienten werden mit Ritalin behandelt. Als Wiederaufnahmehemmer erhöht es die Konzentration von Dopamin und Adrenalin im synaptischen Spalt und verlängert damit deren Wirkung.[23]
Neuere Ansätze zur Prävention schädlichen Substanzkonsums setzen heute nicht mehr auf Abschreckung (d.h. das Verschweigen der angenehmen Wirkungen einer Substanz unter Betonung ihrer organismusschädigenden Eigenschaften). Abschreckung wurde von den Zielgruppen (i.d.R. Jugendliche/junge Erwachsene) nicht ernst genommen und hat vermutlich eher noch zum Konsum angeregt (Reiz des Verbotenen).[24] Man setzt heute vielmehr auf Aufklärung[25]; und zwar sowohl, was die (von den Konsumierenden) beabsichtigten Wirkungen anbelangt, als auch die unerwünschten Nebenerscheinungen des Konsums wie spezifische Schädigungen des Organismus (z.B. auch durch Streckmittel) und Abhängigkeit. Diese Erziehung zu mündigen Individuen impliziert eine Alternative zur auf Repression ausgerichteten Drogenpolitik, in der Konsum als nicht tolerabel hingestellt wird.
Wichtig für die potentiell Konsumierenden (aber auch für die Rolle der Aufklärenden) ist somit das Wissen um die Vor- und Nachteile der Substanzen und deren Konsum[26] sowie die damit eingehende Ermächtigung zu einem eigenen Meinungsbild, das sie somit mit einer stabilen Basis rüstet, auf der Entscheidungen getroffen werden können. Prävention sollte auch so weit gehen, dass nicht davon ausgegangen wird, dass kein Konsum stattfindet. Es sollte dann z.B. bei Ecstasy-Konsum darauf hingewiesen werden, diesen erstens nicht mit anderen Substanzen zu mischen, und zweitens ausreichend auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, um gefährliche Kreislaufkollapse durch Dehydrierung zu vermeiden. Vielerorts wird auch die Entwicklungsaufgabe des "Verantwortungsvollen Umgangs mit psychoaktiven Substanzen" diskutiert; der junge Mensch soll also lernen, mit der Tatsache des bestehenden Angebots legaler und illegaler Substanzen zurechtzukommen.
Zur Prävention gehören ebenfalls die Stärkung der Persönlichkeit und das Aufzeigen von Alternativen zum Substanzkonsum. Diese Alternativen müssen für die potentiellen Konsumierenden erlebbar sein,- beispielsweise die Erfahrung, dass man sich nach ein zwei Stunden "Auspowern" in einer interessanten Sportart mindestens ebenso "relaxed" fühlt wie durch den Konsum von Cannabis - und man hat dazu noch etwas für die persönliche Fitness getan. Oder dass man durch bestimmte das Selbstwertgefühl steigernde mentale Techniken ebenso viel Mut entwickelt, das "Objekt der Begierde" auf der Party anzusprechen wie durch den Konsum von Alkohol.
Die Stärkung der Persönlichkeit aber auch substanzspezifische Aufklärung sollte ferner - wie auch sexuelle Aufklärung - bereits so früh wie möglich (d.h. bereits im Kindesalter) beginnen, denn der erste Kontakt mit Drogen (und Sexualität) findet heute oft zeitgleich mit der Adoleszenz statt.[27]
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In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Abhängigkeitsbegriff auf andere zwanghafte Ersatzhandlungen erweitert und so eine Unterscheidung zwischen stoffgebundener und nicht stoffgebundener Abhängigkeit geschaffen. Die Patienten können dabei ihrem zwanghaften Verhalten ähnlich ausgeliefert sein wie Substanzabhängige. Diese Verhaltenssüchte werden – in immer neuen Varianten – nach der jeweiligen Handlung benannt: Spielsucht, Sexsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht, Esssucht, Internetsucht, Sportsucht, etc. Auch die Bezeichnungen einiger Essstörungen enthalten den Wortbestandteil „Sucht“, wie etwa Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) oder Magersucht (Anorexia nervosa).
Sie veranschaulichen eine Erscheinung, der man auf fast allen Gebieten des menschlichen Erlebens und Verhaltens begegnen kann. Ob Arbeiten, Sammeln, Kaufen, Spielen, Essen oder Sexualität – fast jede Form menschlichen Interesses kann zu Verhaltensweisen führen, denen Krankheitswert zukommt.
Diese umgangssprachlich als „Süchte“ bezeichneten Syndrome („Spielsucht“, „Ess-Brech-Sucht“), werden aber nicht als Abhängigkeitssyndrom bezeichnet. Man spricht von Verhaltensabhängigkeiten; übermäßig ausgeprägte Persönlichkeitseigenschaften wie Machtstreben oder Bindungsbedürfnis werden als Bestandteil von Persönlichkeitsstörungen angesehen.
Es wird behauptet, dass die Abhängigkeit nur ein gesellschaftliches, nicht etwa ein medizinisches Phänomen sei. Abhängig sei, wer von der Gesellschaft für abhängig erklärt werde. Beim Abhängigkeitssyndrom finden sich jedoch medizinische und psychologische Symptome und Erscheinungen, die es rechtfertigen, das Abhängigkeitssyndrom als Krankheit zu qualifizieren.
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Dem Verlangen nach der psychotropen Substanz werden nach Verständnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung der Persönlichkeit und kann die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums beeinträchtigen oder zerstören. Abhängigkeit wird von der WHO als Krankheit eingestuft[28] und nicht als Willens- oder Charakterschwäche.
Auch körpereigene biochemische Botenstoffe (Neurotransmitter), die beispielsweise bei sportlicher, stoffwechselbedingter oder sexueller Betätigung ausgeschüttet werden, können zu einer Abhängigkeit führen. Wie bei jeder anderen körperlichen Abhängigkeit treten beim Absetzen echte Entzugserscheinungen auf, da die Substanz Teil des Stoffwechsels geworden ist. Auch eine Verlagerung auf andere (körperfremde) Substanzen durch das Individuum ist dabei nicht auszuschließen.
Der Begriff der Abhängigkeit taucht auch in anderen gesellschaftlichen Kontexten auf als der Medizin; dies hat Auswirkungen auf die Definition. Zum Beispiel:
Siehe auch: Verhaltenssucht
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