Die Acid-Tests (von engl. acid für „Säure“) sind Test-Webseiten zur Prüfung von Webbrowsern und ähnlichen Anwendungen auf ihre Konformität zu den Standards des World Wide Web Consortiums (W3C).
Der erste Acid-Test aus dem Jahr 1998 wurde von Todd Fahrner entwickelt und später auch in die offizielle CSS 1.0 Testreihe des World Wide Web Consortiums aufgenommen. Die nachfolgenden Tests „Acid2“ (2005) und „Acid3“ (2008) wurden vom Web Standards Project (WaSP) entwickelt und veröffentlicht. Die Tests werden von den meisten Browser-Herstellern als eine Hürde betrachtet, deren Überschreitung die gute Unterstützung der Webstandards des World Wide Web Consortiums verdeutlicht.
Acid, auch Boxacid genannt, wurde im Oktober 1998 von Todd Fahrner entwickelt und veröffentlicht. Heute spielt der erste Acid-Test nahezu keine Rolle mehr, alle heute üblichen grafischen Webbrowser bestehen diesen Test bereits seit Längerem.[1] Im Jahr 1999 wurde der Acid-Test in die offizielle CSS 1.0 Testreihe des World Wide Web Consortiums aufgenommen.[2] Der ursprüngliche Acid-Test stellte für Ian Hickson, den Entwickler der Browsertests „Acid2“ und „Acid3“, die zentrale Inspiration dar, selbst Browsertests zu entwickeln.
Anders als die bis dahin verwendeten Browsertests zur Überprüfung der Interoperalität von Webbrowsern mit CSS 1.0, vereint der Acid-Test eine große Zahl verschiedener Tests auf einer Seite. Zur Überprüfung des Renderings wird, inspiriert durch die Browsertests von Braden McDaniel, ein Referenzrendering eingesetzt, welches mit der Ausgabe im Webbrowser übereinstimmen muss.
Der Mozilla Firefox, beziehungsweise die Mozilla Application Suite, bestehen Acid bereits seit einer frühen Beta-Version. Mit Version 6 des Internet Explorers wurde schließlich auch eine Änderung in der Interpretation der width-Deklaration von CSS eingeführt, wodurch der Internet Explorer seitdem ebenfalls in der Lage ist, den Test zu bestehen. Anders als die Browser von Mozilla und Microsoft war der zu dieser Zeit noch relevante Netscape Navigator 4 mit dem Test hoffnungslos überfordert.
Acid2 wurde vom Web Standards Project (WaSP) entwickelt und am 12. April 2005[3], in Anlehnung an den ursprünglichen Test „Acid“ von 1998, veröffentlicht. Hauptgrund für die Entwicklung dieses Tests war der zunehmende Mangel an Unterstützung des W3C-Standards durch die verschiedenen Hersteller von Webbrowsern. Diese Entwicklung führte zu höheren Kosten bei der Entwicklung von Webseiten und erschwerte Nutzern von alternativen Browsern die Darstellung der Webseiten teils erheblich. Obwohl einige führende Hersteller dem Ansinnen der WaSP zunächst skeptisch gegenüberstanden, findet seit dem Jahr 2000 allmählich eine Rückbesinnung statt.
Aufgabe des Tests ist die Feststellung von Render-Fehlern durch Webbrowser. Der Test verwendet die Prinzipien von HTML, hauptsächlich werden aber CSS-Fähigkeiten getestet[4], da diese zur Zeit der Entwicklung von den meisten Browsern nur unzureichend unterstützt wurden. Die Hauptintention ist es hierbei, die Probleme mit den Browsern hervorzuheben, die den Test nicht bestehen. Alle Browser, deren HTML- und CSS-Implementierungen kompatibel zu den Spezifikationen des World Wide Web Consortiums sind, haben keine Schwierigkeiten bei der Darstellung.
Bei der Konzeption des Acid2-Tests legten die Entwickler auch Wert auf die Fehlerkompatibilität. Viele Browser hatten Routinen zur automatischen Fehlerkorrektur implementiert. Der CSS-Standard schreibt jedoch vor, dass fehlerhafter Code zu ignorieren ist. Deshalb enthält der Acid2-Test bewusst auch fehlerhaften Code, den die Browser ignorieren müssen.
Wenn der Acid2-Test bestanden wurde, sollte ein Smilie mit dem Text „Hello World!“ im Browserfenster zu sehen sein. Wenn man mit der Maus über die Nase des Smilies fährt, ändert diese ihre Farbe und wird blau. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Tests war keine der üblichen Rendering-Engines in der Lage, die Seite korrekt darzustellen. Seit März 2009 bestehen die jeweils aktuellen Versionen aller üblichen Rendering-Engines den Test.
Acid3 wurde, wie auch sein Vorgänger „Acid2“, vom Web Standards Project (WaSP) entwickelt. Die Entwicklung wurde im April 2007[8] von Ian Hickson aufgenommen und schließlich im Februar 2008 veröffentlicht. Anders als Acid2 konzentriert sich der dritte Acid-Test auf interaktive Webseiten und testet dementsprechend primär DOM Level 2 und ECMAScript. Dennoch werden die Browser beispielsweise auch auf ihre SVG- und XML-Unterstützung überprüft.
Im September 2011 wurde der Acid3-Test an die aktuellen Entwicklungen des Browsermarktes angepasst. Dadurch ist es einfacher geworden, den Test zu bestehen, so dass in der Folge diverse Browser den Test mit einer höheren Punktzahl abschließen als zuvor.[9]
Acid3 wurde mit JavaScript realisiert und enthält 100 Einzeltests, die in sechs Gruppen, genannt „buckets“, gegliedert sind. Zusätzlich besitzt der Acid3-Test vier weitere, spezielle Tests.
Zusätzlich zu den 100 Einzeltests muss die vom jeweiligen Browser gerenderte Acid3-Testseite auch visuell dem Referenz-Rendering entsprechen.[10] So müssen für eine korrekte Darstellung und das Bestehen des Acid3-Tests auch Textschatten (CSS 3), herunterladbare Schriftarten („Webfonts“, CSS 2.0), Base64-kodierte Bilder (in Form von Data-URLs) und Farbdarstellungen im HSLA-Farbraum unterstützt werden. Darüber hinaus soll die Animation des Tests gleichmäßig ausgeführt werden.[11][12]
Beim Aufruf des Acid3-Tests sollte ein prozentualer Zähler, wobei jeder Schritt maximal 33 ms zur Ausführung benötigen darf, bis 100 hochzählen. Dieser Zähler basiert auf der Anzahl der bestandenen Einzeltests. Im Hintergrund befinden sich farbige Rechtecke und der mit Schatten versehene Text „Acid3“. Das Bestehen aller 100 Einzeltests reicht jedoch nicht zum Bestehen des gesamten Tests aus, auch die Darstellung muss der des Referenz-Renderings entsprechen.
Der Test selbst wurde so geschrieben, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Browser in der Lage war, den Test zu bestehen. Zurzeit sind WebKit (Safari ab Version 4 und Google Chrome ab Version 3), Gecko (Mozilla Firefox ab Version 4) und Presto (Opera ab Version 10) in der Lage, den Test vollständig zu bestehen. Zusätzlich erfordert der Acid3-Test, dass alle Einzeltests maximal 33 ms zur Ausführung benötigen. Insbesondere Test 26 bereitet hier vielen Renderingengineherstellern Probleme.[13]
Am 22. April 2008 hat Ian Hickson, der Entwickler des Acid3-Tests, erneut einen Fehler korrigiert, welcher von einem Entwickler von Mozilla entdeckt wurde. Diese Änderung hatte zur Folge, dass vorherige Meldungen vom Bestehen der 100 Einzeltests durch WebKit und Presto nicht mehr dem aktuellen Stand entsprachen.[14] Inzwischen sind sowohl WebKit als auch Presto wieder in der Lage, alle 100 Einzeltests zu bestehen.
Mozilla Firefox und Internet Explorer erreichten nur 97 bzw. 95 Prozent des Acid3-Tests. Bei den letzten Prozentpunkten wurde die Implementierung der SVG-Fonts sowie native SVG-Animationen getestet. Diese sind jedoch bereits in kommenden HTML-Versionen als obsolet markiert und durch die Einführung von WOFF und Manipulation durch JavaScript verdrängt worden. Andere Browser hatten diese Features nur sehr unvollständig und fehlerhaft implementiert, gerade um den Acid3-Test zu bestehen. [15][16]
Am 17. September 2011 haben Ian Hickson und Håkon Wium Lie den Acid3-Test überarbeitet. Dabei wurden Teile einiger Tests entfernt bzw. auskommentiert, welche sich auf die Implementierung von Features beziehen, die in den betreffenden Spezifikationen entweder stark überarbeitet oder gänzlich entfernt sind oder werden. Betroffen sind vor allem die Tests bzgl. DOM Events, DOM Range (werden beide in DOMException zusammengefasst), Attr objects, SVG Animation (SMIL), SVG Fonts, XLink und DocType nodes.[17] Durch diese Teständerung können die Entwickler die zugrunde liegenden und sich noch verändernden Spezifikationen weiterentwickeln, ohne auf die werbewirksamen Acid3-Ergebnisse Rücksicht nehmen zu müssen.
Infolge dieser Änderungen erreichen Firefox und Internet Explorer beim Acid3-Test nun ebenfalls ein 100/100-Resultat.[18][19][20][21]
Im Folgenden werden unterschiedliche Browser anhand der erreichten Punktzahl verglichen. Es werden neben den aktuellen Browser-Versionen auch die Vorabversionen genannt, ab denen ein Browser diese Punktzahl erreicht hat.
| Browser (JavaScript-Engine) | Ergebnis | Bild | Seit |
|---|---|---|---|
| Google Chrome 4.0 (WebKit mit V8) | 12. Oktober 2009 (Stabile Version 3.0.195) | ||
| Opera 10.0 (Presto) | 1. September 2009 (Stabile Version 10.0) | ||
| Safari 4.0 (WebKit) | 8. Juni 2009 (Stabile Version 4.0.0) | ||
| Mozilla Firefox 4.0 (Gecko 2.0) | 9. Dezember 2009 (Nightly Build) 22. März 2011 (Stabile Version 4.0) Besteht den Test seit dem Acid 3-Test-Update am 17. September 2011 | ||
| Internet Explorer 9.0 (Trident) | 4. August 2010 (Platform Preview 1.9.7916.6000) 15. März 2011 (Stabile Version 9.0) | ||
| Mozilla Firefox 3.6 (Gecko 1.9.2) | 21. Januar 2010 (Stabile Version 3.6) | ||
| Konqueror 4.4 (KHTML) | 30. Juni 2010 (Stabile Version 4.4.5) | ||
| Internet Explorer 8.0 (Trident) | 19. März 2009 (Stabile Version 8.0) | ||
| Internet Explorer 7.0 (Trident) | 18. Oktober 2006 (Stabile Version 7.0) | ||
| Internet Explorer 6.0 (Trident) | 27. August 2001 (Stabile Version 6.0) |
| Browser (Betriebssystem) | Ergebnis | Bild | Seit |
|---|---|---|---|
| Opera Mobile | Version 9.7[22] vom 26. März 2009 | ||
| WebKitAndroid 3.0 | Android 3.0 vom 22. Februar 2011 | ||
| Firefox Mobile | Firefox 4.0 vom 22. März 2011 | ||
| SafariiOS 4.3.3 | iOS 4.3.3 vom 4. Mai 2011 | ||
| WebKitHP webOS 3.0.5 | HP webOS 3.0.5 vom 12. Januar 2012 | ||
| WebKitAndroid 2.3.3 | Android 2.3.3 vom 22. Februar 2011 |
Ian Hickson will mit der Entwicklung von Acid4 beginnen, sobald drei der vier größten Rendering-Engines (WebKit, Gecko, Presto und Trident) Acid3 in öffentlichen Builds bestehen. Hickson will bei Acid4 besonderen Wert auf SVG, CSS3 und mixed namespaces legen.[23]
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