Amazon Kindle [ˈæməzən 'kɪndl̩] (englisch to kindle = entzünden, entfachen[1][2]) ist eine Produktserie von E-Book-Readern von Amazon. Mit den Geräten können elektronische Bücher (E-Bücher bzw. E-Books), elektronische Zeitschriften und elektronische Zeitungen (E-Papers) von Amazon heruntergeladen und gelesen werden. Das erste Gerät war in den Vereinigten Staaten seit November 2007 erhältlich. Amazon bietet für seine Geräte nach eigenen Angaben über 1.215.000 elektronische Bücher und eine Reihe von elektronischen Zeitungen überwiegend in englischer Sprache an. Darunter befinden sich inzwischen über 105.000 deutsche Bücher (Stand Ende April 2012, nach 90.000 Ende März 2012).[3]
Am 9. Februar 2009 stellte Amazon auf einer Pressekonferenz den Kindle 2, Nachfolger des Kindle 1, vor. Dieser wurde sowohl technisch verbessert als auch im Design verändert.[4]
Seit dem 4. März 2009 bietet Amazon in den USA eine ebenfalls „Kindle“ genannte Applikation für das iPhone an. Weitere Anwendungen, mit der die Kindle-Inhalte dargestellt werden können, gibt es für die Plattformen Windows, Mac OS X, iOS und Blackberry, seit dem 28. Juni 2010 für Android und seit Januar 2011 für Windows Phone 7.[5]
Seit dem 19. Oktober 2009 war der Kindle außerhalb der USA auch in Deutschland und in hundert weiteren Staaten erhältlich. Bestellt werden konnte der Kindle lange Zeit nur über die US-Amazon-Seite, mittlerweile geht dies auch über die deutsche Amazon-Seite. Eine internationale Version des Kindles wurde verfügbar, in der ein 3G-Modul (UMTS-Modem) verbaut wurde, mit dem Inhalte „weltweit“ auf den Kindle abgerufen werden können.
Seit dem 21. April 2011 wurde der Kindle der dritten Generation in den Versionen Wi-Fi und 3G – allerdings weiterhin nur mit einer englischen Benutzerführung – auch über Amazon.de verfügbar. Zeitgleich eröffnete Amazon.de einen Kindle-Shop.[3]
Eine vierte Version der Kindle-Geräte ist seit dem 28. September 2011 in den USA[6] verfügbar und ein Modell ist seit dem 12. Oktober 2011 in Deutschland erhältlich. Erstmals enthalten die Geräte mehrsprachige Menüführungen und sind – wie bisher – als Wi-Fi- oder 3G-Versionen mit Touchscreen sowie in einer Version ohne Touchscreen nur mit Wi-Fi erhältlich. Gleichzeitig stellte Amazon auch den Tablet-Computer Kindle Fire vor, welcher ab dem 15. November 2011 in den USA ausgeliefert wird.[7] Zwar wird das Fire deutlich günstiger sein als der Konkurrent iPad, aber neben einem Dual-Core-Prozessor weder mit Kamera, noch Mikrofon ausgestattet sein, was die Nutzung von manchen Diensten wie Videotelefonie unmöglich macht.
Die taiwanesische Firma Prime View International Co., Ltd stellte den Kindle 2 und den Kindle DX im Auftrag von Amazon her. Im Juni 2009 hat Prime View International die US-amerikanische Firma E Ink Corporation, den Hersteller der Displays für den Kindle, übernommen.[9]
Das erste Modell des Kindle wurde am 19. November 2007 vorgestellt und wurde zum Preis von 399 US-Dollar verkauft.[10] Die Akkulaufzeit beträgt bei eingeschalteter Drahtlosschnittstelle rund zwei Tage, bei ausgeschalteter Drahtlosschnittstelle etwa 8000 Seitenwechsel. Das Gerät wiegt 292 Gramm und misst 19,1 mal 13,5 mal 1,8 Zentimeter. Es enthält einen 15,2 cm-Graustufen-Bildschirm mit 600x800 Pixeln[10] und verfügt über 2 GB internen Speicher, wovon 1,4 GB dem Nutzer zur Verfügung stehen, sodass dort bis zu circa 1.500 Bücher abgelegt werden konnten. Der Speicher ließ sich mit SD-Speicherkarten erweitern.
Am 9. Februar 2009 kündigte Amazon das zweite Modell, den Kindle 2, an, der seit dem 23. Februar 2009 zum Preis von $359 verkauft wurde; später (Juni 2010) wurde der Preis auf $189 gesenkt.[11] Das Gerät verfügte über eine längere Batterielaufzeit, einen um rund 20 Prozent schnelleren Bildaufbau sowie eine Sprachausgabe; zudem wurde die Dicke des Gerätes von etwa 2 auf 1 Zentimeter reduziert.[12] Der Kindle 2 hatte wie sein Vorgängermodell 2 GB internen Flash-Speicher, jedoch keinen Steckplatz für SD-Speicherkarten mehr.[13] Um den Absatz zu fördern, wurde Stephen Kings seinerzeit neue Novelle UR exklusiv für den Kindle verfügbar gemacht.[14]
Einem frühen Bericht der Website iFixit.com zufolge arbeitete der Kindle 2 mit einem in 90-Nanometer-Technik gefertigten ARM11-Prozessor von Freescale mit 532 MHz Taktfrequenz, 2 GiB moviNAND-Flash-Speicher sowie einem Lithium-Polymer-Akku mit 3,7 V elektrischer Spannung und 1530 mAh Kapazität.[15]
Seit dem 19. Oktober 2009 wurde in den USA zusätzlich zum ursprünglichen US-Modell Kindle 2 eine internationale Version angeboten, die dem US-Modell weitgehend baugleich war, aber nicht das Telekommunikationsnetz von Sprint, sondern das Mobiltelefonnetz von AT&T nutzte. Darüber hinaus nutzte es auch Netzwerktechniken wie UMTS, EDGE und GSM. Nach Angaben von Amazon war die internationale Version dadurch in mehr als 100 Ländern verwendbar.[16] Am 22. Oktober 2009 wurde die rein amerikanische Version ganz aus dem Handel genommen.
Am 6. Mai 2009 hatte Amazon den Kindle DX[17] angekündigt, der aufgrund seines größeren Bildschirms auch für das Lesen von Zeitungen und Magazinen geeignet ist. Der 9,7-Zoll-E-Ink-Bildschirm kann 16 Graustufen darstellen. Seine Auflösung beträgt 1.200 x 824 Pixel bei 150 ppi. Unter dem Display sitzt die Kindle-typische Tastatur. Das Gehäuse ist 264 x 180 mm groß und 9,7 mm dick. Das Gewicht beträgt 536 Gramm.
Der Kindle DX kam am 10. Juni 2009 in den US-Handel.[18] Das Gerät wird exklusiv über Amazon.com verkauft und kostet 379 US-Dollar. Eine internationale Version ist seit 2010 erhältlich.[19]
Am 29. Juli 2010 kündigte Amazon die dritte Generation des Kindle an, die im Vergleich zu ihren Vorgängern flacher, schneller und günstiger ist. Das Gerät wurde seit August 2010 ausgeliefert und ist in zwei Versionen (WiFi/WiFi+UMTS) erhältlich. Der Preis sank dabei auf 139 US-Dollar beziehungsweise 189 Dollar, je nach Ausstattung. Die Displaygröße der zweiten Generation von sechs Zoll wurde beibehalten, allerdings war eine Erhöhung des Kontrasts um 50 Prozent gelungen. Dank WiFi und des auf WebKit basierenden und als "experimentell" bezeichneten Browsers ist das Betrachten von Web-Inhalten möglich, etwa Artikel von Online-Magazinen ("Article Mode").
Seit April 2011 wird der Kindle 3 auch bei Amazon Deutschland angeboten; der Preis liegt bei 159 € (WiFi+3G), wobei er seit dem 28. September 2011 in Abgrenzung zum Kindle Touch als Kindle Keyboard 3G geführt wird.[3]
Am 28. September 2011 hat Amazon die vierte Generation des Kindle angekündigt; diese besteht aus dem Kindle, dem Kindle Touch und dem Kindle Fire, die alle ohne physische Tastatur auskommen. Stattdessen werden Texteingaben über eine virtuelle Tastatur vorgenommen. Damit verbunden ist es erstmalig möglich, europäische Sonderzeichen einzugeben. Die Monochrom-Reader Kindle und Kindle Touch haben ein 6-Zoll-E-Ink-Display, wobei eine wichtige Änderung gegenüber der Software der Vorgängergeräte darin besteht, dass ein kompletter Refresh der Anzeige erst nach jeder sechsten Seite erfolgt. Das hat den positiven Effekt, dass das Umblättern viel flüssiger ist und das für den Refresh nötige Invertieren der Seite eben weniger häufig erfolgt. Der Nachteil ist, dass es zu Ghosting-Effekten kommt, d. h. auf einer Seite bleiben, wenn auch nur schwach erkennbar, Reste der vorigen Seite zurück. Die Schrift wird z. B. mit jedem Umblättern ohne Refresh immer "bröckliger" wegen zurückgebliebener weißer Pixel. Ob man dies dem ständigen Refresh vorzieht, ist letztlich Geschmacksache des Nutzers, und deshalb hat Amazon mit einem Software-Update des Kindle 4 eine Einstellungsmöglichkeit nachgelegt, die erlaubt, zwischen beiden Methoden des Refresh zu wählen.
Der Kindle Touch hat darüber hinaus einen optischen Touchscreen. Im Gegensatz dazu hat der Kindle Fire einen farbigen 7-Zoll-LCD-Bildschirm mit kapazitivem Multi-Touchscreen.
Im deutschen Onlineshop ist von den neuen Modellen seit Oktober 2011 der Kindle ohne Touchscreen verfügbar. Seit Ende März 2012 können der Kindle Touch und Kindle Touch 3G vorbestellt werden.[20] Die Auslieferung dieser Modelle beginnt in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien ab 27. April. [21] In den USA ist der Kindle seit September 2011 und die restlichen Modelle seit November/Dezember 2011 erhältlich.
Der Kindle Fire stellt einen Tablet-Computer dar und kann daher neben der „klassischen“ E-Book-Reader-Funktion u. a. Multimedia-Inhalte wie Musik und Filme wiedergeben. Experten stufen den Kindle Fire als Konkurrenz für das Apple iPad ein. Grund sei die große Auswahl an Medien, die Amazon über seine Internetplattform zum Kauf anbietet und der im Vergleich zum iPad deutlich niedrigere Preis. Das Gerät kann man ausschließlich mit Wi-Fi und offiziell nur in den USA kaufen.[7] Mit dem Kindle Fire führt Amazon eine neue Web-Browser-Technologie ein: Amazon Silk.[22] Dabei werden Funktionen des Browsers in die Amazon-Cloud-Technologie EC2 ausgelagert, um Geschwindigkeitssteigerungen zu realisieren.[23] Amazon nennt das Prinzip „Split Browsing“. Alle Internet-Zugriffe des Browsers werden somit durch eine Amazon-eigene Plattform geführt. Der Kindle Fire nutzt eine abgewandelte Version von Android als Betriebssystem, das vom Hersteller an die Anforderungen des Geräts angepasst wurde.[24]
Es ist möglich, Kindle-Bücher auch auf anderen Plattformen, momentan Windows, Mac OS X, Android, iOS, BlackBerry OS sowie Windows Phone 7, zu lesen. Auf der jeweiligen Plattform wird dazu eine Software als App installiert. Über das Amazon Whispernet werden Bücher, Notizen, Lesezeichen etc. synchronisiert. Des Weiteren wird auf allen verbundenen Geräten stets die zuletzt gelesene Stelle angezeigt.
Bisher gibt es keine offiziellen Angaben zur Zahl der bisher verkauften Kindle-Geräte, Schätzungen Anfang 2010 lagen bei 3.000.000 verkauften Geräten bis Ende 2009.[26] Im März 2011 veröffentlichte IDC in einer Studie weltweite Verkäufe von rund 12,8 Millionen E-Book-Readern für das Jahr 2010, darunter 48 % (≈ 6,1 Mio.) Amazon-Kindle-Modellen.[27] Nach Einführung der Kindle-4-Modelle Ende 2011 veröffentlichte Amazon erstmals Verkaufszahlen: so seien zwischen Mitte November und Mitte Dezember 2011 wöchentlich über eine Million Kindle-Geräte abgesetzt worden; dies umfasse alle lieferbaren Geräte (Kindle 3/Keyboard, Kindle 4 und Kindle Fire).[28][29]
Bei der Vermarktung des Kindle bedient sich Amazon der Strategie des Viral-Marketings, des Marketings durch Empfehlung. In einem von Amazon betriebenen Online-Kontaktforum mit dem Slogan „See a Kindle in Your City“[30] haben Interessenten und potenzielle Käufer die Möglichkeit, Kontakt zu einem bereits überzeugten Nutzer des E-Book-Readers in ihrer Umgebung zu knüpfen, sich mit diesem zu treffen, das Gerät anzuschauen und sich erklären zu lassen. Auf diese Weise ist seit der Markteinführung des Geräts ein recht großes und weiter wachsendes soziales Netzwerk vor allem in den US-Metropolen entstanden.
Im Februar 2009 veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller Stephen King die Novelle Ur, die derzeit exklusiv nur über ein Kindle verfügbar ist und in der es auch inhaltlich um dieses Gerät geht.
Nach gescheiterten Verhandlungen mit den deutschen Telekommunikationsanbietern verkündete Amazon im Juni 2009, dass Kindle in absehbarer Zeit nicht auf dem deutschen Markt erscheinen werde.[31] Seit dem 19. Oktober 2009 ist er jedoch auch in Deutschland verfügbar. Am 21. April 2011 ging der deutsche Kindle Store mit deutschen Inhalten online.[3]
Im Juli 2009 sank der Preis in den USA um ein Siebtel auf 299 Dollar[32] und in China erschien ein Plagiat des Kindle 2.[33]
Im Sommer 2010 wurden bei Amazon USA mehr Kindle-Bücher als Hardcover-Bücher erworben. So verkaufte das Versandhaus im Juni 2010 auf 100 konventionelle Bücher 180 Kindle-Bücher. Damit hat sich der Verkauf der E-Books im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 mehr als verdreifacht. Ein Grund für die gestiegenen Zahlen ist der erneut gesunkene Preis für den Kindle, der den Verkauf der Geräte verdreifacht hat. Im Juli 2010 lag der Preis der Hardware bei 189 US-Dollar.[34] Am 19. Mai 2011 gab Amazon bekannt, dass seit 1. April 2011 auf 100 gedruckte Bücher 105 kostenpflichtige E-Books bei Amazon.com verkauft wurden; nicht eingerechnet wurden kostenlose E-Books.[35][36]
Gegenüber Tablet-Computern und anderen Geräten mit TFT- oder AMOLED-Bildschirmen hat der Kindle den Vorteil, dass man das ePaper-Display unter Sonneneinstrahlung besser lesen kann. Dies bewirbt Amazon als Vorteil gegenüber dem Apple iPad.[37]
Mit „Kindle Direct Publishing“ (KDP) stellt Amazon eine Plattform bereit, die es Autoren und (kleinen) Verlagen erlaubt, E-Books bei Amazon zu veröffentlichen. Der Dienst wird kostenfrei angeboten, Amazon behält jedoch 30–65 % der erzielten Umsätze als Provision ein. Bei der Veröffentlichung legt der Autor u. a. den Verkaufspreis und das Verbreitungsgebiet fest, Amazon behält sich jedoch selbständige Preisänderungen vor.[38] Auch die Entscheidung, ob das E-Book mit DRM versehen wird, liegt beim Autor bzw. Verlag.[39]
Das Amazon-Kindle-System, bestehend aus „Kindle-Shop“, Kindle-Geräten und Lese-„Apps“ für PCs, Tablets und Smartphones, nutzt eine Amazon-eigene digitale Rechteverwaltung (DRM). Über den Kindle-Shop gekaufte DRM-geschützte Bücher können nur auf Geräten und Apps gelesen werden, die auf ein Amazon-Konto registriert sind. Eine Weitergabe der E-Books soll dadurch verhindert werden.
Der Verlag bzw. der Autor legt fest, ob ein E-Book mit oder ohne DRM versehen ist, nicht Amazon.
Das DRM des Kindle wurde geknackt, so dass eine Entfernung des Kopierschutzes unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist.
Amazon behält sich in seinen Nutzungsbedingungen ausdrücklich vor das Leseverhalten der Nutzer ständig zu überwachen und auszuwerten. Diese Nutzung ist standardmäßig vorgesehen.
"Darüber hinaus stellt die Software Amazon Informationen zu den digitalen Inhalten auf Ihrem Kindle und anderen Geräten sowie zur Nutzung der digitalen Inhalte durch Sie bereit (z. B. zuletzt gelesene Seite und Archivierung von Inhalten). Anmerkungen, Lesezeichen, Notizen, Markierungen oder ähnliche Kennzeichnungen, die Sie mit Ihrem Gerät oder Ihrer Lese-App vornehmen, sowie sonstige Informationen, die Sie bereitstellen, können auf Servern außerhalb des Landes, in dem Sie leben, gespeichert werden. Markierungen können dafür verwendet werden, anderen Kindle Nutzern anonyme Informationen über die am häufigsten markierten Textstellen bereitzustellen. Die Verwendung und Nutzung Ihrer Markierungen und Notizen können Sie jederzeit durch Änderung der Standardeinstellungen bestimmen."[48]
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Amazon_Kindle aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |