Andrew Stuart „Andy“ Tanenbaum (* 16. März 1944 in New York City) ist Professor für Informatik an der Freien Universität Amsterdam (Niederlande). Tanenbaum forscht in den Bereichen Compiler, Betriebssysteme, Netzwerke sowie lokal verteilte Systeme. Bekannt wurde er vor allem als Entwickler des Unix-artigen Betriebssystems Minix und als Autor mehrerer Standardwerke zu diversen Themen der Informatik.
Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in White Plains (New York) und studierte danach am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Nachdem er dort den Bachelor in Physik erhalten hatte, promovierte er 1971 an der University of California in Berkeley, Kalifornien.
Nach der Heirat zog er mit seiner niederländischen Frau in ihre Heimat (behielt aber die amerikanische Staatsbürgerschaft) und begann als Professor für Informatik in Amsterdam zu arbeiten, wo er bis heute Vorlesungen hält, Doktoranden betreut und Leiter des Fachbereiches ist. Er war außerdem bis zum 1. Januar 2005 technischer Direktor der Advanced School for Computing and Imaging (ASCI). Andrew S. Tanenbaum ist weiterhin Mitglied der Association for Computing Machinery (ACM), des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) und der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften.
Tanenbaum erhielt im Jahr 1994 den ACM Karl V. Karlstrom Outstanding Educator Award, 1997 verlieh man ihm den ACM/SIGCSE Award for Outstanding Contributions to Computer Science Education. Für seine Lehrbücher erhielt er schließlich 2002 den TAA Texty Award sowie 2003 den TAA McGuffey Award.
Tanenbaum ist bekannt für seine Informatik-Lehrbücher zu den Themen Rechnerarchitektur, Computernetze und Betriebssysteme. Als Vorteil seiner Werke gegenüber anderen Werken zu den gleichen Themen gilt die Verknüpfung eines hohen Informationsgehalts mit guter Lesbarkeit und einem teilweise als humoristisch zu bezeichnenden Schreibstil. Viele seiner Bücher enthalten am Ende eines Kapitels Übungsaufgaben zum Selbststudium. Nach eigenen Angaben schrieb er fünf Bücher:
Andrew S. Tanenbaum schrieb Minix, ein einfaches, POSIX-konformes und Unix-ähnliches Betriebssystem zu Lehrzwecken, das Linus Torvalds zur Entwicklung von Linux brachte. Minix, Version 3 ist seit dem April 2000 unter der modifizierten BSD-Lizenz lizenziert.[1] Damit ist Minix, Version 3 freie Software und kompatibel zur GNU-GPL.[2]
Aufsehen erregte Andrew Tanenbaum auch durch ein Posting[3] in der Usenet-Gruppe comp.os.minix im Januar 1992. Mit LINUX is obsolete übte er harsche Kritik an dem neuen Betriebssystem. Er meinte, dass der monolithische Kernel von Linux technisch überholt sei und moderne Betriebssystemarchitekturen auf einen Mikrokernel setzen sollten, um Erfolg zu haben. Außerdem sei Linux fest mit der x86-Prozessor-Architektur verbunden, während ein vernünftiges Betriebssystem portabel sein müsse.
Ein Ausschnitt aus der inzwischen in die Geschichte eingegangenen Debatte verdeutlicht die Unterschiede in den Meinungen über das verteilte Programmieren:
„Ich denke, dass die Koordination von 1000 Primadonnen, die überall auf der ganzen Erde leben, genauso einfach ist wie Katzen zu hüten […] Wenn Linus die Kontrolle über die offizielle Version behalten will und eine Gruppe fleißiger Biber in verschiedene Richtungen strebt, tritt das gleiche Problem auf. Wer sagt, dass eine Menge weit verstreuter Leute an einem komplizierten Stück Programmcode hacken können und dabei die totale Anarchie vermeiden, hat noch nie ein Softwareprojekt gemanagt.“
– Andrew Tanenbaum[4]
„Nur damit niemand seine Annahmen für die volle Wahrheit nimmt, hier meine Stellungnahme zu ‚Kontrolle behalten‘ […]: Werde ich nicht.“
– Torvalds[4]
In anderen Kritikpunkten, wie monolithischer Kernel oder mangelnde Portierbarkeit, musste man Tanenbaum damals durchaus recht geben, auch wenn sie auf das heutige Linux teilweise nicht mehr zutreffen.
Siehe dazu auch: Geschichte von Linux
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