Das Internet ermöglicht unterschiedlich weitgehende Formen der Anonymität. Eingeschränkt wird diese beispielsweise dadurch, dass bei jeder Kommunikation im Internet eine IP-Adresse mitübertragen wird. Auch durch sorgloses Verhalten hinterlassen Internetbenutzer Spuren, und mit technischen Tricks können viele Informationen über diese gesammelt werden.
Die IP-Adresse ermöglicht die unterste Ebene der Identifizierung. Sie identifiziert jeden Teilnehmer im Internet, meistens einzelne Rechner. Die Identifizierung der Zielperson erfolgt über den IANA-Eintrag zum Internetzugangsanbieter und über diesen die Feststellung des Internetanschlussbesitzers mit der gesuchten IP-Adresse. Dabei ist für einen privaten Internetteilnehmer nur die Identifizierung des Internetzugangsanbieters einer IP-Adresse möglich. Der Zugangsanbieter kann aber gerichtlich gezwungen werden, eine IP-Adresse in seinem Adressbereich einem Teilnehmer zuzuordnen. Über diesen kann der Sender der über das Internet übertragenen Informationen gefunden werden, sofern nicht besondere Gegenmaßnahmen stattgefunden haben.
Jede IP-Adresse ist auf einen Besitzer registriert, welcher auch jederzeit über den Whois-Dienst erfragt werden kann. Die meisten IP-Nummern sind Internetdienstanbietern (englisch: Internet Service Provider – ISP) zugeordnet, seltener festen IP-Nummern-Besitzern. Um einzelne Adressen eines ISPs einem Anschlussinhaber zuzuordnen, ist der ISP zu befragen. Da die ISPs ihre Adressbereiche nach Regionen verteilt vergeben, ist häufig die ungefähre Ortsangabe des Anschlussinhabers anhand der IP-Adresse und der entsprechenden Zuordnungstabellen möglich. Dies gilt aber nicht gleichermaßen für Mobilfunknetze. Als viele ISPs aufgrund von Adressenknappheit die dynamische Adressenvergabe einführten, welche den Anschlüssen bei jedem Verbindungsaufbau eine neue IP-Adresse zuordnete, wurde als Nebeneffekt die Privatsphäre der Anschlussinhaber gestärkt, da andere Internetteilnehmer IP-Adressen nicht mehr zuverlässig denselben Teilnehmern zuordnen konnten. Ein weiteres Verfahren, der Verknappung von IP-Adressen entgegenzuwirken, ist die Splittung über so genannte Ports, sodass mehreren tausend Usern ein und dieselbe IP-Adresse zugewiesen werden kann.
In Deutschland wurde eine Aufzeichnung der Zuordnung zwischen IP-Adresse und Anschlussinhaber erst mit dem „Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG“ vorgeschrieben, wobei die neuen Identifizierungsregeln im Telekommunikationsgesetz ein Beiwerk und keine Umsetzung der EU-Richtlinie darstellen. In Deutschland war es vor der deutschen Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung eine Entscheidung des Internetzugangsanbieters die Zuordnung zu speichern oder nicht. Die Speicherung wurde von der Deutschen Telekom praktiziert, allerdings meist nicht von kleineren Anbietern. In einem Einzelfall bei einem DSL-Flatrate-Vertrag zwischen Holger Voss und T-Online wurde dem Internetzugangsanbieter vom Bundesgerichtshof sogar die Speicherung der Zuordnung verboten, weil bei einem Pauschaltarif eine Speicherung der Verbindungsdaten für betriebliche Zwecke nicht nötig sei. [1]
Das Bundesverfassungsgericht hat am 2. März 2010 einige Rahmenbedingungen dazu festgelegt. So ist die Zuordnungsabfrage nur bei „begrenzenden Straftaten oder Rechtsgüterkatalogen“, „für die Verfolgung von Straftaten, für die Gefahrenabwehr und die Aufgabenwahrnehmung der Nachrichtendienste auf der Grundlage der allgemeinen fachrechtlichen Eingriffsermächtigungen“ zulässig. Die Abfrage darf auch nur aufgrund eines „Anfangsverdachts oder einer konkreten Gefahr auf einzelfallbezogener Tatsachenbasis“ erfolgen. Ein Richtervorbehalt ist nicht nötig, aber der Betroffene muss benachrichtigt werden. Falls die Abfrage aufgrund einer Ordnungswidrigkeit erfolgt, muss diese besonders gewichtig sein und explizit vom Gesetzgeber im Gesetz aufgezählt werden.[2]
Den zuständigen Behörden ist es in Deutschland erlaubt, die in § 111 TKG genannten Daten (zum Beispiel die Anschrift) von einer Anschlusskennung wie die IP-Adresse für die in § 113 TKG bestimmten Aufgaben (beispielsweise der Verfolgung von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten) zu erfragen.[3][4] Dies schränkt die Anonymität gegenüber dem Staat ein, nicht aber gegenüber anderen Internet-Teilnehmern.
Das Verfassungsgericht hat allerdings gerügt, dass die Bestimmungen im TKG eine Identifizierung von IP-Adressen nicht ausreichend legitimieren. Das Zitiergebot sei nicht beachtet worden, da die „Zuordnung von dynamischen IP-Adressen“ einen Eingriff in Art. 10 Abs. 1 GG darstelle. Ebenfalls solle klar geregelt werden, ob eine Identifizierung von „Adressen, die ein eigenes Gewicht hat,“ möglich sein soll. Für eine Übergangszeit bis spätestens zum 30. Juni 2013 sollen dynamische IP-Adressen aber weiterhin identifizierbar sein. Bis dahin ist der Gesetzgeber aufgerufen die Identifizierbarkeit von IP-Adressen neu zu regeln.[5][6]
Um nun die Zielperson zu ermitteln, wird der Anschlussinhaber meist nicht in einem Gerichtsverfahren befragt, sondern im Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss die Mitnahme sämtlicher internetfähiger Geräte angeordnet. Dabei werden vor allem Browsercache, die Cookies, die aufgerufenen Webseiten, eingegebene Suchbegriffe und Formulardaten, aber auch sonstige Daten des Dateisystems, auch schon vermeintlich gelöschte Daten ausgewertet. Zielpersonen, die ihre Festplatte verschlüsselt haben, haben hierbei einen Vorteil, da die Herausgabe eines Passwortes nicht erzwungen werden darf.
Beispiele, bei denen Zielperson und Anschlussinhaber nicht identisch sind, sind Internet-Cafés, Wohngemeinschaften und Familien, aber auch Onion-Router und offene Proxys. Betreiber von deutschen Anonymisierungsdiensten (z. B. Proxys) haben seit Einführung der Vorratsdatenspeicherung (wie auch die Internetzugangsanbieter) zu ihren anonymisierten Anschlusskennungen die bereits genannten Daten zu speichern und den genannten Behörden Auskunft über diese Daten zu erteilen. Damit sind sie den Internetzugangsanbietern gleichgestellt. Bei Wohngemeinschaften und Familien hingegen, welche keine Vorratsdatenspeicherung betreiben müssen, kann die Zielperson nicht immer ermittelt werden.
Die Zuordnung von IP-Adresse zum Internetanschlussinhaber wird auch durch die Internationalität erschwert. Innerhalb der EU ist diese zwar durch Kooperationen möglich, allerdings nicht in allen anderen Ländern. Die Authentizität eines IP-Paketes einer bestimmten IP-Adresse ist derzeit auch nicht sehr sicher. Die Rechtsprechung geht meist davon aus, dass die Betreiber eines Internetteilnetzes Daten nicht manipulieren und richtig routen. Kryptologische Sicherheit mittels beispielsweise IPSec ist nur selten gegeben. Außerdem können auf höheren Protokollebenen andere Personen identifizierbar sein. Beispielsweise kann ein gemeinsames Blog die Autoren der einzelnen Artikel angeben.
Anonymizer werden benutzt, um über eine andere IP-Adresse beim Surfen die Identität zu verbergen. Die häufigste und einfachste Variante sind anonymisierende Proxyserver.
Betreiber von Proxies können aber Log-Files erstellen, welche Protokolle von IP-Adresse, Zeitpunkt und übertragenen Daten darstellen und welche auf Aufforderung an zuständige Stellen herausgeben werden. Dazu wären sie im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung verpflichtet.
Um trotz solcher Aufzeichnungen Anonymität herstellen zu können, bauen bestimmte Tools Ketten von Proxys auf, zwischen denen der Verkehr verschlüsselt wird. Es wird dabei gehofft, dass mindestens einer dieser Proxies keine Aufzeichnungen macht. Diese Variante verlangsamt die Verbindungen, macht jedoch die Rekonstruktion des ursprünglichen Senders praktisch unmöglich.
Schaltet man mehrere Proxies hintereinander, die die Pakete der ankommenden Datenströme vermischen, so entsteht ein Mix-Netzwerk, wie beispielsweise JAP[7].
Eine andere Technik ist das Onion Routing. Ein Beispiel dafür ist Tor, ein vom Freehaven-Projekt entwickeltes anonymisierendes Overlay-Netzwerk für TCP. Auf TCP basierende Verbindungen, wie Web-Browsing, Instant Messaging, IRC, SSH, E-Mail, P2P, können anonymisiert werden. I2P verwendet das ähnlich funktionierende garlic routing. Von Outproxys abgesehen, verlässt der Datenverkehr nie das I2P-Netzwerk, deshalb sind dort alle Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Damit sind netzwerkintern anonymes Ansurfen von anonym gehosteten Websites, anonymer IRC, anonymes Instant Messaging, anonymes Filesharing und anonyme E-Mails möglich. Es werden netzwerkintern alle auf TCP oder UDP basierenden Verbindungen unterstützt.
Um anonym Daten zu veröffentlichen oder Dateien zu tauschen, kommen anonyme Peer-to-Peer-Netzwerke zum Zug. Sie funktionieren ähnlich, mit mehreren Zwischenstationen und Verschlüsselung an jedem Pfad. Vertreter dieser Sparte sind Freenet, I2P, MUTE, ANts P2P und Gnunet.
Vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) werden weitere, zum Teil sogar internationale Projekte vorangetrieben, die Sicherheit und Datenschutz im Internet ermöglichen. P3P kann beispielsweise beim Surfen im Netz helfen, mit Hilfe von Datenschutztechnik zu erkennen, welche personenbezogenen Daten beim Besuch einer Internetseite verarbeitet werden. Darüber hinaus wird auch Forschung zu Anonymität und Pseudonymität betrieben.
Zum Versenden anonymer E-Mails und anonymer Beiträge für Usenet-Foren werden sogenannte Remailer verwendet, die ähnlich eines Anonymizers funktionieren. Diese Server reagieren auf E-Mail ähnlich wie ein HTTP-Proxy auf die Anforderung von Web-Inhalten: Die Nachricht wird vom Remailer weiterversendet, so dass er selbst als Absender agiert. Die momentan im Internet anzutreffenden Server verwenden entweder das Cypherpunk- oder das Mixmaster-Protokoll. Während ersteres einen reinen Weiterleitungsdienst definiert, der durch Verschlüsselungssysteme zusätzlich abgesichert werden muss, nehmen Mixmaster nur verschlüsselte E-Mails in einem ganz bestimmten Format an. Eine Mischform der beiden Remailer-Typen stellen Hybrid-Remailer dar (siehe dazu: Reliable). Aber auch I2P bietet die Möglichkeit des Versendens anonymer E-Mails mit Mail-Programmen oder per Browser.
In friend-to-friend-Netzwerken (F2F) werden Verbindungen ausschließlich zu geprüften und vertrauten Freunden unterhalten. Dieses trägt enorm zur Anonymität im Internet bei. Die Besonderheit von F2F gegenüber Darknets ist, dass Freunde die IP-Adressen der Freundesfreunde nicht kennen. Nur die vertrauten Freunden selber kennen untereinander ihre IP-Adressen. Somit wird es möglich, eine Datei von Alice über Bob an Carol weiterzuleiten, dabei kennen Alice und Carol die IP-Adresse des jeweils anderen nicht.
Friend-to-friend-Netzwerke stellen neben der Verwendung von Offshore-Anonymisierungs-Servern die beste Möglichkeit dar, Anonymität und freie Kommunikation trotz vielfältiger Internetüberwachungsinstrumente herzustellen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass eine Übertragung von verschlüsselten Informationen möglich ist. Friend-to-friend-Netzwerke, die in radikalen Überwachungsstaaten, welche jegliche Verschlüsselung bestrafen, das Verschlüsselungsverbot durch Steganographie umgehen, wurden noch nicht entwickelt. Allerdings ist beispielsweise für den Tor-Einsatz in China geplant, dass über HTTP übertragene HTML-Seiten als Tunnel für die Tordaten dienen können. Ein weitere sehr aufwendige und umfassende Möglichkeit zur Sicherung der Internetüberwachung, kann eine auf dem zu überwachenden Computern installierte Software bieten, welche die Verwendung von Friend-to-friend-Netzwerken entdecken, melden und blockieren kann. In China wurde beispielsweise mit „Green Dam“ eine Zensur-Software geplant, welche direkt auf dem Rechner installiert werden muss.[8] Mit dem „Bundestrojaner“ kann im Rahmen einer Online-Durchsuchung auch in Deutschland die Kommunikation über Friend-to-friend-Netzwerke bei Verdächtigen überwacht werden. Dies wird u.A. dadurch möglich, dass der Bundestrojaner automatisiert Screenshots an die Behörden weiterleiten kann.
Um im Internet Daten anonym zu veröffentlichen, herunterzuladen oder zu tauschen, bieten anonyme Peer-to-Peer-Netzwerke hierzu eine Möglichkeit. Die Anonymität wird in den meisten anonymen Peer-to-Peer-Netzwerken dadurch erreicht, dass die auszutauschenden Daten verschlüsselt werden und die „tauschenden“ Clients keine direkte IP-Verbindung zueinander unterhalten, sondern die Daten anhand von „IDs“ über Proxys (bspw. andere Clients) an den Empfänger weiterleiten. Anonyme Filesharingprogramme sind beispielsweise I2P (mit i2psnark, iMule, I2Phex), StealthNet, Freenet, MUTE, ANts P2P oder Gnunet, siehe weitergehend Liste der Filesharing-Dienste.
Peer-to-Peer-Netzwerke können Anonymizer nicht ohne weiteres benutzen, da die Anwendungen teilweise die IP-Adresse an andere Peers verschicken.[9] Andernfalls wäre der Benutzer nicht zu erreichen, da die Adresse des Ausgangsknotens im Tor-Netzwerk ja gerade keine Rückschlüsse über den Benutzer zulassen soll.
Auf sogenannten „Offshore-Servern“, die beispielsweise in den Bahamas, Belize, Malaysia oder Panama stehen, können Internetangebote aufgestellt werden, die anonyme Kommunikation ermöglichen. Ein größerer Anbieter aus Schweden (Stockholm) ist z.B. PasteHTML, der nach eigenen Angaben „Free anonymous web hosting“ anbietet.
Eine weitere Möglichkeit zum „anonymen“ Veröffentlichen, Herunterladen oder Tauschen von Daten im Internet bieten sogenannte Usenet-Anbieter. Der Zugang zu den Daten wird über die Usenet-Server des Anbieters bereitgestellt, welcher die „Newsgruppen“ anbietet. Für den Anbieter ist die Identität seiner Nutzer durch Zahlungsinformationen und IP-Adresse bekannt. Wenn nun einer Ihrer Kunden Daten im Usenet veröffentlichen möchte, wird dies bei manchen Anbietern unter Angabe der E-Mail-Adresse des Anbieters statt des Kundens gemacht, sodass der Kunde anonym bleibt. Der Abruf von Informationen ist genauso anonym wie das Abrufen einer Webseite, da nur der jeweilige Anbieter davon etwas mitbekommt. Derjenige, der die Daten im Usenet veröffentlicht hat, erfährt nicht, wer auf seine Daten zugreift. Der Anbieter ist damit ein Proxy, dem genau wie bei einem Webproxy vertraut werden muss.
Manche Telekommunikationsanbieter bieten SIM-Karten an, für die keine Identitätsprüfung erforderlich ist oder bei der falsche Angaben nicht überprüft werden. Über diese ist dann auch eine anonyme Internetnutzung möglich. Durch die relativ hohen Kosten von mindestens 24 Cent pro Megabyte wird diese Methode seltener angewandt. Allerdings kann man bei einigen Anbietern das Prepaid-Guthaben für eine Internet-Flatrate mit einem begrenzten Datenvolumen einlösen, was deutlich günstiger für längere Benutzung ist.[10] Theoretisch ist allerdings während der Internetnutzung eine Ortung des Einwahlgerätes möglich, die aber systembedingt höchstens 50 bis zu 100 Meter genau ist.[11]
Auch die Nutzung eines Internetcafés bietet die Möglichkeit eines anonymen Internetzugangs, sofern keine Identitätsprüfung durch System oder Betreiber vorgenommen wird. Sind Laufwerke für Wechseldatenträger vorhanden, so sind auch anonyme Downloads möglich. Die IP-Adresse eines Internetcafés lässt sich allerdings genauso zu einem Anschlussinhaber auflösen wie jede andere IP-Adresse auch.
Neben der Verwendung der IP-Adresse gibt es noch weitere Möglichkeiten, um Surfer im World Wide Web verfolgen zu können und damit auch Daten über sie speichern zu können.
Internetzugangsprovider, Proxybetreiber, Firmen- oder Universitätsnetzwerkbetreiber sowie Tor-Exit-Knoten können den unverschlüsselten Datenverkehr abhören. Aus diesen Daten kann unter Umständen auf die Identität des Benutzers geschlossen werden. Vermeiden kann ein Internetbenutzer dies, indem er einen vertrauenswürdigen Anbieter wählt oder auch Verschlüsselung verwendet.
Tracking-Cookies sind ein verbreitetes Mittel, einen Besucher einer Webseite zu „markieren“, um ihn später wiedererkennen zu können. Normale Cookies werden zum Beispiel bei praktischen allen Internetangeboten verwendet, bei denen der Besucher sich mit Benutzernamen und Passwort anmelden muss, um einen Nutzer für eine Sitzung identifizieren zu können. Auch Warenkörbe in Online-Shops werden meist mit Cookies realisiert. Tracking-Cookies werden allerdings auch dazu genutzt, das Surfverhalten eines Benutzers über einen längeren Zeitraum, auch ohne explizite Anmeldung durch den Benutzer und über mehrere Webangebote hinweg zu beobachten. Mit Collusion kann diese Nachverfolgung grafisch dargestellt werden.
Technisch gesehen sind Cookies kleine Textblöcke, die der Server an den Browser sendet und später wieder zurückbekommt und benutzen kann. Beim ersten Besuch bekommt der Benutzer ein Cookie mit einer eindeutigen Kennnummer und bei jedem weiteren Seitenaufruf kann der Server den Besucher daran wiedererkennen. Cookies werden vom Browser entweder dauerhaft oder für einen festgelegten Zeitraum gespeichert. Sie können keine ausführbaren Befehle enthalten und stellen deshalb kein direktes Sicherheitsrisiko dar.
Betreiber verschiedener Webseiten können zusammenarbeiten, um einen Besucher auch über verschiedene Seiten hinweg zu verfolgen. Meldet sich ein Benutzer bei einer Webseite B an und ruft danach eine Webseite A auf, in welche eine Webadresse (URL) der Webseite B eingebettet ist, so kann Webseite B auf die Cookies, welche die Anmeldedaten enthalten, zugreifen und sie dann an Webseite A übermitteln. Eine solche Einbettung einer Webadresse könnte beispielsweise ein Werbebanner oder eine Counter-Grafik sein. Ob die Seite B bei einer Einbettung von einer anderen Website auf die Cookies des Browsers zugreifen kann, ist allerdings abhängig von der Browser-Konfiguration.
Auch durch eine gezielt gesetzte Ausnahme für die Same-Origin-Policy kann eine Webseite A Informationen einer Webseite B abfragen.
Die am 5. Mai 2009 erlassene EU-Richtlinie 2009/136/EG, welche auch EU-Cookie-Richtlinie genannt wird, regelt den Einsatz und die Speicherung von Cookies.[12] Sie wurde aber von vielen Staaten Europas noch nicht umgesetzt oder die Behörden verfolgen Verstöße bewusst nicht. [13][14]
Alle Aufrufe von Webseiten mittels eines URI haben eine DNS-Anfrage zur Folge, die die IP-Adresse des angefragten Servers ermittelt. Verwendet ein Benutzer dazu den ihm von seinem Internet-Service-Provider (ISP) zugewiesenen DNS-Server, so kann dieser alle Anfragen mitlesen. Über die DNS-Anfragen können so Profile der aufgerufene Webseiten erstellt werden. Der ISP kann aber auch Webseiten zensieren indem er bestimmte Adressen nicht in IP-Adressen auflöst; diese sind dann nicht erreichbar. Anonyme, unzensierte DNS-Namensauflösung ist eine wichtige Voraussetzung für eine effektive Anonymisierung und gegen die Zensur. Anonyme Namensauflösung heißt, einen anonymen, unzensierten DNS-Server zu benutzen um die gewünschte Webadresse zu erreichen.
Zahlreiche sogenannte HTTP-Header geben Aufschluss über den benutzten Browsertyp, das Betriebssystem (User-Agent), die zuvor besuchte Webseite (Referrer) und die beim Verlassen der Seite aufgerufene nächste Webseite. Der Server braucht nur noch die im Aufruf enthaltenen Daten auszuwerten.
Skripte, die den Browser veranlassen, Daten zu versenden, werden für Fälle eingesetzt, bei denen Cookies regelmäßig gelöscht werden und HTTP-Header alleine nicht zur Identifizierung genügen. Es handelt sich in der Regel um JavaScript-Code, der versucht, möglichst viele Informationen vom Browser abzufragen und an den Server zu schicken. Damit können Informationen über die verwendete Bildschirmauflösung, Farbtiefe, installierte Plugins usw. herausgefunden werden.
Die EFF-Anwendung Panopticlick sammelt anonymisierte Daten, um einzuschätzen, wie leicht der Surfer in der Menge erkannt werden kann.[15] Cookies, die verfallen oder ausgeschaltet sein können, oder IP-Adressen, die wechseln können, benötigt der Dienst dazu nicht. Er wertet die HTTP-Anfrage-Header aus, welche aus Browserkennung und akzeptierte MIME-Typen besteht, sowie, mittels JavaScript, Informationen über installierte Plug-ins, Schriftarten, die Bildschirmgröße und die Zeitzone. Daneben fließen auch noch Daten über Standard- und „Supercookies“ (Web Storage, Flash-Cookies, HTML5 storage, IE-userData) in das Ranking ein. Dies ermöglicht in vielen Fällen die Erstellung eines eindeutigen virtuellen Fingerabdrucks. Der Informationsgehalt dieses Fingerabdrucks kann durch verschiedene Maßnahmen zwar verringert werden, allerdings sind diese Maßnahmen meist nicht ideal, da sie den Komfort einschränken, wie beispielsweise die Ausschaltung von JavaScript.[16]
Werden Standard- und „Supercookies“ kombiniert so spricht man von sogenannten „Evercookies“, die eine Profilbildung ermöglichen und sich nur schwer für den Benutzer entfernen lassen.
Daher fordern beispielsweise Nutzer des Mozilla Firefox, sowohl den HTTP-Fingerabdruck [17] als auch den JavaScript-Fingerabdruck zu verringern.[18]
Durch Ortung seines Mobiltelefons kann ein Internetnutzer, der während der Internetsitzung sein Mobiltelefon angeschaltet hat, ermittelt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht durch Videoüberwachung, ggf. auch durch Fernsteuerung einer im Gerät eingebauten Webcam, um Bilder des Internetnutzers zu erhalten, anhand derer er ggf. identifiziert werden kann. Falls das Mobiltelefon einen Zugang zum Internet ermöglicht, besitzt es eine IP-Adresse. In diesem Fall gelten die bereits oben erwähnten Möglichkeiten.
Anonymität im Netz ist ein politisch kontroverses Thema, da sie sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt. Es existieren eine Reihe von Anwendungsfällen, in denen sich die Offenlegung personenbezogener Daten positiv auf die Internetnutzung auswirkt.
Hier wären unter anderem folgende zu nennen:
Andererseits können Persönlichkeitsprofile intime Daten über den Internetnutzer enthalten, die vielfältige Möglichkeiten zum Missbrauch bieten. Informationen wie beispielsweise soziale Kontakte, politische Einstellung, persönliches Weltbild, Informationen über finanzielle Probleme oder gar Angaben über gesundheitliche Probleme möchte der Anwender möglichst vertraulich halten. Ein Teil dieser Informationen bezieht sich auf dessen Recherchen im Internet, welche in seinen Profilen berücksichtigt werden. Er verzichtet hierbei auf die Zurechenbarkeit seiner Informationen an seiner Person, um sich selbst vor Missbrauch zu schützen. Ohne die möglichen Anonymitätsmaßnahmen, wie z. B. wechselnde IP-Adressen oder verfallende Cookies, können diese einfach über jeden Nutzer gesammelt werden.
Vor allem im E-Commerce gibt es Geschäftsbereiche, in denen der Nutzer von seiner Anonymität im Internet profitiert. Im Gegensatz zum Einzelhandel erfolgt die Interaktion im Internet nicht mit einem realen Menschen sondern mit einem Warensystem. Der Anwender ist somit nicht gezwungen, einen anderen Menschen Einblick in seinen privaten Bereich zu geben, sondern interagiert mit einem elektronischen System. Dieser Faktor wirkt sich zum Beispiel auf folgende Geschäftsbereiche positiv aus:
Durch die Nutzung von Anonymisierungdiensten wie Proxy-Server oder die Einwahl in ein VPN ist es dem Endanwender möglich Lizenz-Sperren von Webcontent zu umgehen. Es ist ihm somit möglich, auf für ihn gesperrte Inhalte wieder zuzugreifen.
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