Bei den Anschlägen in Mumbai am 26. November 2008 kam es in der indischen Metropole Mumbai innerhalb kurzer Zeit zu 17 Explosionen, Angriffen mit Schnellfeuerwaffen und zu Geiselnahmen an zehn verschiedenen Stellen der Stadt durch eine Gruppe von etwa zehn Angreifern, die sich in mehrere Gruppen aufgeteilt hatten. Sie wurden nach heftigen Gefechten durch die Polizei im Laufe des 27., 28. und 29. November festgenommen oder erschossen. Nach Angaben der indischen Behörden hat es dabei mindestens 239 Verletzte und 174 Tote[1] gegeben.
Am 26. November, einem Mittwoch, wurden in Mumbai am späten Abend nach 21:15 Uhr Ortszeit (Indian Standard Time; entspricht 11:45 p.m. ET) eine Reihe von Anschlägen durchgeführt. Mehrere mit Schnellfeuergewehren, Handgranaten und Sprengstoff bewaffnete kleine Gruppen der Attentäter führten an etwa zehn Orten im südlichsten Teil Mumbais Anschläge unterschiedlicher Art durch. So wurde am Hauptbahnhof (21:24 Uhr) von zwei schwarz gekleideten Männern wahllos in die Menge der Pendler geschossen, ebenso in den Empfangshallen von zwei großen Hotels auf die dortigen Gäste und Personal. In den Hotels sowie anderen Stellen der Innenstadt wurden viele Geiseln genommen.
Im Einzelnen wurden das Leopold Cafe (bekanntes Touristenrestaurant; 21:15 Uhr; vier oder fünf Täter, acht Tote), eine jüdische Einrichtung im Nariman House (Chabad Centre Geiselnahme, 21:20 Uhr), der Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus (zwei Täter, CST, 21:24 Uhr), das Hotel Hilton Trident Oberoi ⊙18.92722222222272.820555555556 (Geiselnahme, 21:35 Uhr) und das Hotel Taj Mahal Palace & Tower ⊙18.92166666666772.833333333333, das Krankenhaus Cama Albless Hospital (Frauen- und Kinderklinik,[2] Geiselnahme; 22:15 Uhr, dieselben Täter, die bereits den Bahnhof überfallen hatten) angegriffen. Dort wurden drei Polizeibeamte und zwei Wachleute erschossen. Die Täter nutzten die Gelegenheit und stahlen das Polizeifahrzeug, mit dem die Polizisten dort angekommen waren. Sie schossen im Fahren in die Menge und töteten mindestens einen Menschen – ein IBN-Kameramann filmte den Angriff. Die Fahrt endete an einer Straßensperre, wo ein Täter erschossen wurde, ein anderer wurde verhaftet (22:50 Uhr). Um 21:55 Uhr explodierte ein Taxi bei Ville Parle (drei Tote).
Die Täter, die das Nariman House, einen Bürokomplex, zum Teil besetzten, warfen kurz vorher eine Handgranate auf eine nahegelegene Tankstelle, verfehlten aber das Ziel.
Zwischen 22:15 und 22:30 Uhr begannen Attentäter auf Uniformierte zu feuern, die vor dem „Taj Mahal“-Hotel Position bezogen hatten. Nach Mitternacht Ortszeit brannte es nach einer Detonation im Taj-Mahal-Hauptgebäude. Im Hotel wurden mehrere Dutzend Geiseln von diesen bewaffneten Männern festgehalten.
Später wurden am Ufer der Stadt zwei Schnellboote gefunden, die von der Angreifergruppe verwendet worden sein könnten. Zu der Nachricht von einem verlassen vorgefundenen Schiff mit einem Toten an Bord, mit dem die Gruppe ihre Waffen an die Stadt herantransportiert haben könnte, gab es keine Bestätigung.
Am Donnerstag, den 27. November führten im Laufe der Nacht Polizei-Spezialeinheiten und Militärs in den beiden Hotels Kommandoaktionen durch. Dadurch konnten wiederholt Touristen-Gruppen ins Freie gebracht werden. Um 8 Uhr Ortszeit war im Oberoi-Trident-Hotel eine Granatenexplosion zu hören, der weitere folgten. Spezialtruppen der Polizei stürmten die beiden Luxushotels, in denen sich einige Angreifer verschanzt hatten.
Am 28. November kamen bei der Befreiung des Chabad-Centres zwei Terroristen ums Leben.[3] Im „Taj Mahal“ verschanzte sich weiterhin mindestens einer der Terroristen mit zwei Geiseln. Anderen Berichten zufolge hätten sich dort noch mehrere der Täter aufgehalten.
Am 29. November, Samstag, wurde als letzter Tatort das Taj Palace nach einer gründlichen Durchsuchung um 8 Uhr durch die Polizei als gesichert bezeichnet.
Nach Angaben von Augenzeugen wurden die Geiseln gezielt nach ihrer US-amerikanischen oder britischen Staatsangehörigkeit unter den zufällig Anwesenden ausgewählt. Das Nariman-Gebäude, in dem sich ein jüdisches Gemeindezentrum befindet, sei ebenso als eines der Ziele ausgesucht und dort das Rabbiner-Ehepaar Holtzberg ermordet worden.[4] Zu den Opfern im Taj Palace-Hotel zählt unter anderem Ralph Burkei, der bei der Flucht vor den Angreifern tödlich verunglückte. Der Chef der Anti-Terror-Einheit (Mumbai ATS), Hemant Karkare, wurde bei dem Einsatz an der Cama-Klinik ermordet.[5] Diesem wurde bereits am 15. September 2008 in einer Ankündigung eines Anschlags auf Mumbai namentlich gedroht. Die Zahl der Todesopfer wird offiziell am 30. November auf 174, die der verletzten Personen mit etwa 239 von etwas höheren Zahlen am Vortag korrigiert. Der Großteil der Todesopfer sind indischer Nationalität – darunter 17 der eingesetzten Polizeibeamten – und 18 Ausländer (deren Zahl wird zum Teil abweichend angegeben).
Zunächst hieß es, die Laschkar e-Taiba stehe hinter den Ereignissen, doch stritt diese Organisation eine Beteiligung ab. Nach einer E-Mail bekannte sich bei mehreren indischen Medien eine Gruppe namens Deccan Mujahideen für die Taten verantwortlich. Sie war bislang nicht bekannt[6] und ist seither auch nicht mehr in Erscheinung getreten.
Die britische Tageszeitung The Independent berichtete, dass es sich bei den Angreifern um junge, südasiatische Männer handele, die in der E-Mail Hindi schreiben und einzelne Urdu-Begriffe verwenden.[7]
Bereits am 15. September berichtete die indische Zeitung Deccan Herald von einer per E-Mail an indische Medien versandte Anschlagdrohung einer islamistischen Gruppe namens Indian Mujahideen, jene Gruppe, die sich zu einer mehrmonatigen Anschlagserie in Delhi, Ahmedabad, Bengaluru und Jaipur mit über 130 Toten bekannt hatte. In ihrer Drohung bezog sie sich auf Razzien der Anti-Terror-Einheit Mumbai ATS in Ansarnagar, Mograpada in Andheri, bei denen Moslems misshandelt worden seien und macht diese für einen kommenden Anschlag in Mumbai verantwortlich. Sie würden nur noch auf den richtigen Zeitpunkt zur Ausführung eines Anschlags in Mumbai warten, dessen Einwohner schon mal gewarnt sein sollten.[8]
Nur einer der etwa zehn Täter, Ajmal Kasab, ein 21-Jähriger aus Faridkot, einem Dorf in Pakistan, konnte festgenommen werden. Der Prozess gegen Kasab begann im April 2009. Er legte in seiner Verhandlung ein umfassendes Geständnis ab und erklärte sich der bezichtigten Taten schuldig.[9] Am 3. Mai 2010 wurde Kasab der maßgeblichen Beteiligung an den Anschlägen für schuldig befunden. Er habe gemeinsam mit einem Komplizen im Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus 58 Menschen getötet und 104 verletzt.[10] Als Strafmaß wurde am 6. Mai die Todesstrafe verhängt, die aber noch vom Obersten Gericht Mumbais bestätigt werden muss.[11]
Einer der Drahtzieher, David Coleman Headly, wurde im Oktober 2009 auf dem Weg nach Pakistan festgenommen. Headly war nicht direkt an der Ausführung der Anschläge beteiligt, kundschaftete aber auf seinen Reisen nach Mumbai mögliche Ziele aus. Interessant ist darüber hinaus seine Rolle als Informant der amerikanischen Drogenbehörde D.E.A., die nicht auf Warnungen seiner Radikalisierung reagierte.[12]
Am 30. November und 1. Dezember 2010 nahm die spanische Polizei in Barcelona sieben Personen (sechs Pakistaner und einen Nigerianer) fest die verdächtigt werden Geld und Pässe für den Anschlag organisiert zu haben. Außerdem wurden in der gleichen Operation in Thailand zwei Pakistaner und ein Thailänder festgenommen.[13]
Nach Kritik am Krisenmanagement trat der Innenminister Shivraj Patil zurück, das Amt übernahm der bisherige Finanzminister P. Chidambaram.[14] Auf Drängen seiner Partei stellte auch der Chief Minister Maharashtras Vilasrao Deshmukh sein Amt zur Verfügung.
Die in dem Bundesstaat Goa vor allem bei Touristen beliebten Goa-Partys am Strand, wurden zeitweise aus Angst vor weiteren Anschlägen untersagt.[15]
Der Verkauf von SIM-Karten wurde, insbesondere für Ausländer, deutlich erschwert, da sich die Attentäter unter anderem mit Hilfe solcher Chip-Karten anonym miteinander ausgetauscht hatten. In Kaschmir wurde der Einsatz von SIM-Karten im Jahr 2009 gänzlich verboten.[16]Research In Motion, der Anbieter des Mobiltelefons Blackberry, räumte den indischen Behörden die Möglichkeit zum Mitlesen privater E-Mails ein, nachdem diese dem Unternehmen mit einem Verkaufsverbot des Geräts gedroht hatten.[17]
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