Unter Antiamerikanismus wird im Allgemeinen eine „ablehnende Haltung gegenüber der Politik und Kultur der USA“ [1] verstanden. Das Random House Unabridged Dictionary definiert Antiamerikanismus als „den Vereinigten Staaten von Amerika, ihrer Bevölkerung, ihren Prinzipien oder ihrer Politik entgegengestellt oder feindlich gesinnt.“ [2]
Obschon der Begriff des Antiamerikanismus erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgekommen ist (eine Untersuchung über den Antiamerikanismus in Frankreich nennt 1948 als erste dokumentierte Verwendung[3]), wurden Kultur und Politik der Vereinigten Staaten seit ihrem Bestehen immer wieder grundsätzlich kritisiert oder angegriffen. Da dies jedoch aus unterschiedlichen Anlässen und mit unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergründen geschah und geschieht, kann nicht von einem einheitlichen antiamerikanischen Weltbild gesprochen werden, das von Gegnern der Vereinigten Staaten vertreten würde.[4]
Verschiedene Stimmen vertreten die Ansicht, der Antiamerikanismus müsse als Auswuchs des Neids gegenüber der Rolle der Vereinigten Staaten als vorherrschende Weltmacht gesehen werden. Timothy Garton Ash beschreibt das Leitmotiv des Antiamerikanismus als „mit Neid durchsetzter Groll“;[5] der Historiker Dan Diner spricht vom „projektiven Vorwurf an die USA, für alle Übel der Welt ursächlich zu sein“ und einer „Überdosis an jener im Antiamerikanismus sich verschränkenden und nur schwer zu goutierenden Mischung von Neid und Angst“. Auch in Ländern mit ausgeprägtem Antiamerikanismus besteht große Nachfrage nach Einwanderungsvisa für die Vereinigten Staaten; eine gegengesetzte Strömung der Emigration aus den Vereinigten Staaten ist jedoch nicht erkennbar.[6]
Dem Soziologen Andrei S. Markovits zufolge besteht eine enge Verbindung zwischen europäischem Antiamerikanismus und dem Antisemitismus: beide verhielten sich, bildlich gesprochen, zueinander wie „Zwillingsbrüder“[7], denn „Amerika und die Juden waren der europäischen Rechten und den Konservativen immer als Repräsentanten einer unaufhaltsamen Moderne suspekt und verhaßt.“[8] Aber auch bei weiten Teilen der politischen Linken gehe der „neue, auf Israelfeindschaft gründende Antisemitismus Hand in Hand mit ihrem Antiamerikanismus“ [9] Wurde von der Linken lange Zeit Israel als unterdrückerischer Statthalter einer imperialistischen USA im Nahen Osten verstanden, habe sich inzwischen in zahlreichen Diskursen gar das Sprechen über eine angebliche jüdisch-israelische Einflussnahme auf die US-Administration etabliert.
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