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Unter der Bezeichnung Angewandte Wissenschaft werden wissenschaftliche Disziplinen verstanden, die neben ihrer Grundlagenforschung einen bedeutenden Schwerpunkt im Praxisbezug haben wie die Schulpädagogik, die Jugendpsychologie, die Ingenieurswissenschaft oder die Humanmedizin. Dabei ist der etablierte Begriff insofern problematisch, als er nur einen Teilbereich des Aufgabenfeldes, die Anwendung der theoretischen Erkenntnisse, wiedergibt.
Das Selbstverständnis eines Faches als angewandte Wissenschaft ist kulturgeschichtlich determiniert. Indem sich die Ingenieurwissenschaften ausdrücklich mit den angewandten Wissenschaften verbunden sehen, grenzen sie sich von den meist als Grundlagenfächer verstandenen Disziplinen Mathematik und Physik ab. Innerhalb dieser Grundlagenfächer gibt es aber auch Arbeitsrichtungen, die sich als angewandte Mathematik beziehungsweise angewandte Physik verstehen. Auf interdisziplinäre Fragestellungen sind die angewandte Linguistik und die angewandte Informatik ausgerichtet. Wissenschaftsbereiche wie die Medizin oder die Jurisprudenz zählen mit ihren praxisbezogenen Disziplinen auch zu den Angewandten Wissenschaften, ohne sich als solche zu etikettieren.
Fachhochschulen im deutschen Sprachraum dürfen seit den 1990er Jahren ihren Namen mit einem englischen oder französischen Untertitel, etwa University of Applied Sciences (Universität für angewandte Wissenschaften) ergänzen. Verbunden mit der Umstellung auf die internationalen Bachelor- und Master-Studiengänge wurden damit aus den Fachhochschulen (FH) ganz offiziell Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Diese Bezeichnung macht zugleich deutlich, dass sich die Fachhochschulen/HAW dezidiert auf anwendungsnahe Studiengänge und anwendungsbezogene Forschung fokussieren.
Im allgemeinen Sprachgebrauch dient der Ausdruck angewandte Wissenschaft – bzw. angewandte wissenschaftliche Disziplin – der Unterscheidung zu der ausschließlich theoretischen Wissenschaft, der reinen Grundlagenforschung. Unter Anwendungsforschung bzw angewandter Forschung und Entwicklung werden alle Tätigkeiten im Bereich der Forschung verstanden, die den Hauptzweck haben, neues Wissen zu generieren bzw. vorhandenes Wissen neu zu kombinieren bis hin zur konkreten methodischen Problemlösungen in Technik und Wirtschaft (Sektor Forschung und Entwicklung). Die wissenschaftliche Ausgangsfragestellung weist dabei eine unmittelbare Nähe zur Praxis auf. Das neu gewonnene Wissen fließt sofort wieder in die Praxis zurück und kommt damit mittelbar oder unmittelbar einem Nutzungsbereich zugute. Dabei bilden Fragestellungen der Praxis und des Alltags auch neue Fachrichtungen (wie die Agrarwissenschaften zu Land- und Forstwirtschaft), interdisziplinäre Sammel- und Schnittgebiete (wie Lebenswissenschaften) oder gänzlich neue Anwendungen ehemals eher theoretisch oder taxonomisch orientierter Zweige (etwa Geoinformation in den Geowissenschaften, Raumfahrtwissenschaft als Ableger auch der Astronomie).
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