Sonntag, 27. Mai 2012

Themen


Anycast

Anycast ist eine Adressierungsart in Computernetzen, bei der man über eine Adresse einen einzelnen Rechner aus einer ganzen Gruppe von Rechnern ansprechen kann. Es antwortet derjenige, der über die kürzeste Route erreichbar ist.

Funktionsweise

Realisiert wird Anycast durch eine Verteilung mehrerer gleichartiger Server auf räumlich getrennte IP-Netze. In der Praxis wird oft auf jedem Kontinent oder in jedem Land einer Region mindestens ein Server installiert. Jeder dieser Rechner erhält dieselbe IP-Adresse und propagiert eine entsprechende Route über ein Routing-Protokoll (im Internet BGP). Bei Ausfall oder Unerreichbarkeit verschwindet die Route und alle folgenden Pakete werden zu einem anderen Server geleitet. Der gewünschte Dienst kann somit auch bei Ausfall eines oder mehrerer Server erbracht werden. Damit erhöht sich die Verfügbarkeit. Zur Administration muss ein Server auch direkt angesprochen werden können. Anycast-Server besitzen daher in fast allen Fällen zusätzlich eine Unicast-Adresse.

Aus Sicht eines Clients besteht zwischen Unicast und Anycast kein Unterschied. Der Client sendet ein IP-Paket an eine „normale“ IP-Adresse und erhält von dieser eine Antwort. Welcher Server angesprochen wird, bestimmt allein das Routing. Bei instabilem Routing können aufeinanderfolgende IP-Pakete zu unterschiedlichen Servern geleitet werden. Daher wird Anycast vorzugsweise bei verbindungslosen Protokollen wie UDP eingesetzt. In stabilen Umgebungen kann Anycast aber auch bei TCP verwendet werden.

Praxis

Wichtigste Vorteile von Anycast sind Lastverteilung und kürzere Zugriffszeiten. Hinzu kommen eine nahezu völlige Transparenz (der Anwender merkt gar nicht, dass er mit einem Anycast-Server kommuniziert) sowie eine hervorragende Skalierbarkeit (es können jederzeit Server hinzugenommen oder entfernt werden). Da alle beteiligten Server stets identische Daten bereitstellen müssen, ist die interne Synchronisation aufwendig. Außerdem wird im Störfall die Fehlersuche erschwert, da oft nicht ohne weitere Analyse ersichtlich ist, welcher Server verantwortlich ist.

Anycast wird beispielsweise bei einigen der Root-Nameserver und Top-Level-Domain-Server sowie bei dem IPv6-in-IPv4-Tunnelmechanismus 6to4 eingesetzt. Dank der Anycast-Lastverteilung konnten 2006 und 2007 mehrere massive Denial-of-Service-Angriffe auf die zentralen Root-Nameserver abgewehrt werden.[1]

Einzelnachweise

  1. ICANN Factsheet: Root server attack on 6 February 2007

Weblinks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite wurde zuletzt am 10. April 2012 um 06:38 Uhr geändert.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Anycast aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

TOP



TOP