Aschkenasim (hebräisch אַשְׁכֲּנָזִים, Plural von Aschkenasi), oder Jehude Aschkenas (יְהוּדֵי אַשְׁכֲּנָז), deutsch aschkenasische Juden, selten auch Aschkenasen, ist die Bezeichnung für diejenigen Juden weltweit, die sich als Nachfahren der Juden verstehen, die teilweise bereits seit der Antike im Rheinland, im Norden Frankreichs und Italiens, in England und Mittel-, später auch in Osteuropa ansässig waren. Aschkenasische Juden verbinden gemeinsame religiöse Traditionen, die sie von den sephardischen Juden unterscheiden, und früher eine gemeinsame Sprache, das Jiddische. Ab dem 16. Jahrhundert teilte sich das aschkenasische Judentum in ein west- und osteuropäisches Judentum. Aschkenas (hebräisch אַשְׁכֲּנָז) ist eine biblische geographische Bezeichnung und wurde seit dem Mittelalter in einigen Quellen für Deutschland verwendet.[1]
Die Zahl der aschkenasischen Juden im 11. Jahrhundert wird auf 20 000 geschätzt,[2] Anfang des 21. Jahrhunderts bildeten sie mit rund 8.5 Millionen die Mehrheit der Juden weltweit.[3]
Die Bezeichnung Aschkenas wurde aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur auf Deutschland angewandt. In der hebräischen Bibel trägt in Genesis 10,3 und 1 Chronik 1,6 ein Sohn Gomers, Enkel Japhets und Urenkel des Noach diesen Namen. Sein Volk wurde in der Nähe des Berges Ararat verortet. In Jeremia 51,27 ruft der Prophet Aschkenas und sein Volk auf, gegen Babylon zu ziehen und es zu zerstören.
Mit dem in der Bibel im Zusammenhang mit Mannäern und Urartu erwähnten Volk bzw. Königreich der Aschkenas sind jedoch nicht Juden, sondern vermutlich Skythen gemeint. Die Form Aschkenas beruht nach dieser These auf einem Schreibfehler, der auf eine Verwechslung der ähnlichen hebräischen Buchstaben Waw für u mit Nun zurückgeht. Hinter dem biblischen Aschkenas steht die assyrische Form (A)sch-ku-zaa bzw. (I)sch-ku-zaa, was dem griechischen Skythai entspricht[4]. Da die Skythen Nachbarn und Verbündete der Mannäer, später auch der Assyrer waren und wiederholt das Reich Urartu (Ararat) angriffen, hat diese These auch die Geographie für sich. Andererseits ist die Annahme eines Schreibfehlers notwendig. Dies führte zu einer anderen Identifikation mit den in griechischen Quellen genannten Askanioi, d.h. Phrygern. Dabei ist allerdings der Wortbestandteil -as problematisch, welcher als Gentilizium (Herkunftsadjektiv) der lykischen Sprache erklärt wird[5].
Die ältere Forschung nahm teilweise an, dass die Aschkenasim von Juden abstammten, die nach Ende des Jüdischen Krieges um 70 n. Chr von der römischen Regierung in Mitteleuropa, vor allem entlang des Rheins angesiedelt wurden.
Die älteste nachweisbare jüdische Gemeinde war die Gemeinde von Köln, die seit dem Jahr 321 belegt ist.
Sie behielten im Laufe der Völkerwanderungszeit und des Mittelalters ihre Religion und Kultur bei, nahmen aber die deutsche Sprache auf, abgewandelt mit zahlreichen hebräischen Begriffen (Judäo-Deutsch), die in der hebräischen Schrift geschrieben wurde.
Die jüdischen Gemeinden der drei Städte am Rhein Speyer, Worms und Mainz bildeten im 11. bis 13. Jahrhundert den Bund der SCHUM (hebräisch שו״ם), ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben ihrer hebräischen, auf das Latein zurückgehenden Namen: Shin (ש) für Spira, Waw (ו) für Warmaisa und Mem (ם) für Magenza.
Schon im Zuge des ersten Kreuzzuges kam es zur gezielten Verfolgung des Stadtjudentums durch marodierende Kreuzfahrerbanden. Später vor allem während der Pestepidemie von 1349 kam es im französischen und deutschen Sprachraum zu zahlreichen Übergriffen (Pogromen) gegen die jüdischen Gemeinden der Schum-Städte. Einige Überlebende flohen, vor allem nach Polen-Litauen, wo sie willkommen waren und beim Aufbau der Wirtschaft mitwirkten. In diesem Umfeld entwickelte sich Jiddisch, eine linguistisch vorwiegend auf dem Mittelhochdeutschen aufbauende Sprache mit hebräischen, aramäischen und slawischen Elementen.
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