Aschura (arabisch عاشوراء, DMG ʿāšūrāʾ von aschara / عَشَرَة / ʿašara /‚zehn‘), teils auch Ashura, wird der zehnte Tag des islamischen Monats Muharram genannt, des ersten Monats im islamischen Kalender. An diesem Tag gedenken die Schiiten des Todes von Imam Husain in Kerbela. Auch für die Aleviten ist Aschura ein bedeutender Tag.
Der Monat Muharrem (in dem der 10. Tag als „Aschura-Tag“ bezeichnet wird) hat im Islam eine bedeutsame Stellung. Er ist einer der vier heiligen Monate, in denen unter anderem jegliche Form der Auseinandersetzung untersagt ist und jeder zum Frieden aufgerufen wird. Zudem wird vom Propheten Muhammed überliefert, dass viele prophezeite Ereignisse am 10. Muharrem eintraten.
Zum Beispiel überquerte der Prophet Moses das Rote Meer an diesem Tag, oder die Wunden von Prophet Hiob, dem Geduldigen, wurden am Aschura-Tag geheilt. Des Weiteren strandete der Prophet Noah nach der Sintflut an diesem Tag mit seiner Arche auf dem Berg Cudi (in der heutigen Türkei, türk. Agri). Sie wollten ein Festessen kochen, um diesen Anlass (die Erlösung von der Sintflut) zu feiern. Da sie jedoch nur noch wenig Nahrungsmittel hatten, haben sie alles, was sie noch hatten, zusammengetan und ein Festessen gekocht (Aschura-Suppe), das sich durch die Gnade Gottes vermehrte, so dass jeder satt wurde.
Obwohl Jahrhunderte vergangen sind, wird am 10. Muharrem fast in jedem muslimischen Haushalt die Aschura-Suppe gekocht. Somit erinnert man sich an die Geschichten der Propheten und der damaligen Menschen. Dadurch wird die Tradition der Aschura aufrechterhalten. Gleichzeitig wird der Dialog unter den Menschen und zwischen den Kulturen gefördert.
Meist bezeichnet Aschura den letzten Tag der jährlich zehn Tage dauernden schiitischen Trauer- und Bußrituale (Schiitische Passionsspiele) zu Ehren des Martyriums des dritten Imams Husain ibn ʿAlī, eines Sohnes Alis und Fatimas, der Tochter des Propheten Mohammed.
Die Aschura-Riten bilden den Höhepunkt der Passionsfeiern im islamischen Monat Muharram. Während Aschura gedenken die Schiiten öffentlich der Schlacht von Kerbela im Jahr 680 im heutigen Irak. In dieser Schlacht wurden am 10. Muharram Husain ibn Ali sowie fast alle männlichen Verwandten getötet. Die Rituale des Aschura enthalten Erzählungen (Rouza-chwani), Trauerprozessionen in Trauerkleidung und Selbstgeißelung (Sinazani, Tatbir) oder auch die kultische Inszenierung des Martyriums Husains (Ta'ziya). Die öffentliche Trauer ermöglicht es den Gläubigen, am Leiden Husains teilzuhaben und dessen Schicksal in Erinnerung zu rufen. Im Laufe der Rituale kommt es teilweise zu Verletzungen, die durch die Ausübung der Sinazani verursacht werden.
Nach 12-tägigem Fasten wird eine Süßspeise (Aşure) gekocht und als Symbol der Dankbarkeit unter Bekannten, Verwandten und Nachbarn verteilt und gemeinsam gegessen. Aleviten bringen mit Aşure ihren Dank zum Ausdruck, dass Zein Al Abidin, der Sohn von Husain ibn Ali (und somit Urenkel von Mohammed) aufgrund seiner Krankheit die Schlacht von Kerbela überlebte.
Selbstgeißelungen wie bei den Schiiten werden von den Aleviten abgelehnt. Die Schiiten gedenken am zehnten Tag des Monats, während die Aleviten nach 12-tägigem Fasten (also am dreizehnten Tag) feiern. Hierdurch ergibt sich eine Verschiebung des Datums: so wurde bei den Aleviten im Jahre 2008 am 22. Januar gefeiert, während die Schiiten des Tages am 19. Januar gedachten.
Aschura wurde schon in Mekka gefeiert, in dem man an diesem Tag fastete. In einer Überlieferung von Aischa wird gesagt: „Aschura war ein Tag, an dem die Koreischiten fasteten. Auch der Prophet Gottes Muhammed fastete an diesem Tag. Nach der Hidschra nach Madina hat er weiterhin gefastet und dies auch empfohlen. Aber nachdem das Fasten im Ramadan Pflicht geworden war, hat er nicht mehr gefastet. So haben einige Muslime gefastet und andere wiederum nicht“ (Sahih al-Bukhari, Saum: 69).
Aschura ist auch bei den Sunniten ein Fastentag, der vermutlich in Medina durch die Übernahme des jüdischen Jom Kippur von den dort lebenden Juden entstand[1] – allerdings gilt er nur als Sunna (also als nicht bindend). In manchen sunnitischen Gegenden, etwa in Marokko, ist er auch ein Freudentag.
Das freiwillige Fasten wird im Allgemeinen mit folgendem Hadith begründet: „Salim berichtete, dass sein Vater sagte: ‚Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: Am Tage der Aschura kann jeder fasten, der fasten will.‘“
In der jüngeren Geschichte Irans wurden die Aschura-Feierlichkeiten mehrfach für politische Protestveranstaltungen benutzt. Im Rückgriff auf die historischen Ereignisse der Schlacht von Kerbela wird dabei die herrschende Regierung mit dem Kalifen Yazid verglichen, während dem iranischen Volk die Rolle der Gefolgsleute Hosseins zufällt, die gegen die herrschende Unterdrückung ankämpfen.
Am 3. Juni 1963 griff der schiitische Geistliche Ruhollah Chomeini während der Aschura-Feierlichkeiten Schah Mohammad Reza Pahlavi anlässlich dessen Reformprogramms der Weißen Revolution in einer Rede in Qoms Faizieh Schule persönlich an, indem er eine Rede „gegen den Tyrannen unserer Zeit“ hielt:
Nach dieser Rede wurde Chomeini am 5. Juni 1963 verhaftet. In der Folge kam es noch am selben Tag zu gewalttätigen Demonstrationen, bei denen 32 Demonstranten zu Tode kamen. Führende iranische Politiker erklärten später, dass die Proteste im Juni 1963 die Geburtsstunde der islamischen Revolution gewesen sei.[3]
Die sogenannten Muharram-Proteste des Jahres 1978 gipfelten am 2. Dezember 1978, dem Tag der Aschurafeierlichkeiten in einer Massendemonstration mit über zwei Millionen Teilnehmern rund um den Teheraner Freiheitsturm. Die aufgebrachte Menge forderte die Abdankung des Schahs und die Rückkehr Chomeinis aus dem französischen Exil in den Iran. Am 16. Januar 1979 verließ der Schah den Iran. Chomeini kehrte am 1. Februar 1979 in den Iran zurück und wurde von Millionen Iranern begeistert empfangen. Die Islamische Revolution war in ihre entscheidende Phase getreten.
Am 26. Dezember 2009, am Vorabend des Aschura-Festes, kam es vom frühen Morgen bis in die Nacht zu Demonstrationen in allen größeren Städten Irans gegen die Regierung Irans. In Irans Hauptstadt Teheran spielten sich brutale Szenen ab. Den ganzen Tag über lieferten sich regierungskritische Demonstranten und Basidsch-Milizen erbitterte Gefechte, bei denen es zum Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas kam. Berichte belegen dass die Polizei bzw. die Basij-Milizien mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen haben wobei viele Demonstranten ums Leben kamen.[4] Die Demonstranten riefen unter anderem „Tod dem Diktator“ und „Habt keine Angst, wir halten alle zusammen“.[5] Der ehemalige Präsidenten Khatami musste seine Ansprache in einer Moschee im Norden Teherans aus Sicherheitsgründen nach wenigen Minuten abbrechen. Erstmals waren auch Rufe nach einem Ende des Velayat-e faqih zu hören.
Tags darauf eskalierte die Situation weiter und es wurde von mindestens acht Todesopfern berichtet.[6] Demonstrationen und teilweise gewalttätige Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften wurden aus 21 Städten Irans berichtet. Ziel der Protestaktionen war nun nicht mehr eine Reform des bestehenden Systems sondern ein Regimewechsel. In Sprechchören, die am Tag des Aschura-Festes am 27. Dezember 2009 in den Straßen zu hören waren, riefen Demonstranten: „Wir werden kämpfen, wir werden sterben, wir werden unser Land zurückerobern.“[7]
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Regierung, Justiz und Polizei reagierten am Tag nach dem Aschura-Fest mit einer großen Verhaftungswelle. Mehr als 300 Personen aus dem politischen Umfeld von Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karroubi, den Anführern der Oppositionsbewegung, wurden verhaftet, darunter auch Ebrahim Yazdi, der Generalsekretär der Iranischen Freiheitsbewegung und die Medizinprofessorin Noushin Ebadi, Schwester der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi. Der Geistliche Abbas Waes Tabasi, Vertreter des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei, dem Nachfolger Chomeinis, bezeichnete laut staatlichem iranischen Fernsehen diejenigen, die hinter den derzeitigen Protestaktionen steckten, als „Feinde Gottes“ {mohareb ba choda), die nach den Gesetzen der Scharia hingerichtet werden müssten. Der schiitische Geistliche und Oppositionspolitiker Mehdi Karroubi erklärte: „Dieser Staat ist weder eine Republik noch islamisch.“
Der 10. Muharram fällt auf folgende Tage des gregorianischen Kalenders
Wie bei islamischen Festen allgemein üblich, gehört der Vorabend mit zum Fest, da die Tage mit Sonnenuntergang beginnen.
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