Ein Bagger ist eine Baumaschine zum Lösen und Bewegen von Boden und Fels, insbesondere zum Ausheben und Wiederverfüllen von Erdvertiefungen wie etwa Baugruben. Auch zur Bewegung von Schütt- und anderen Gütern und bei der Gewinnung von Kohle und Erzen im Tagebau werden Bagger eingesetzt.
Der Begriff Bagger kommt aus dem Niederländischen (vgl. Baggeren) und bezeichnet dort ursprünglich einen Sand- oder Schlammräumer (einen bei der Hafenboden-freilegenden Tätigkeit beschäftigten Arbeiter)[1]
Die ersten Bagger waren allesamt Seilbagger, deren Ausleger und Löffel oder Schürfkübel in der Regel mit einer zweiseitigen Seilkonstruktion bewegt wird. Auf solchen Konstruktionen basieren auch die bisher größten Schwenkbagger im Bergbau. Da diese nur sehr schwer zu steuern sind, haben sich mittlerweile allgemein Hydraulikbagger durchgesetzt, deren linear bewegliche Hydraulikzylinder eine sehr viel präzisere Lenkung ermöglichen.
Ein Standbagger zeichnet sich in der Regel durch einen um 360° drehbaren Aufbau mit einem Ausleger aus, an dessen Ende ein Anbaugerät montiert werden kann. Es gibt zweigeteilte Ausleger, die Verstellausleger genannt werden, und Monoblockausleger. Die Ausleger und die Anbaugeräte werden durch Hydraulik bewegt. Daher wird er auch Hydraulikbagger genannt. Darüber hinaus gibt es auch Seilbagger, Schaufelradbagger, Schürf- bzw. Löffelbagger, Saugbagger u.v.m.
Als spezielle Variante sind Zweiwegebagger in der Lage, auch auf den Gleisen von Eisenbahnen zu fahren. Weiterhin gibt es Schreitbagger mit zwei Rädern und zwei Stützen speziell für unwegsames Gelände.
Im Unterschied zum Radlader ist ein Standbagger durch seinen weit heb- und senkbaren Ausleger in der Lage, auch deutlich unterhalb seiner eigenen Standebene zu arbeiten, und wird dadurch bevorzugt zum Ausheben von Baugruben u. Ä. eingesetzt. Eine Kombination der beiden stellt der Baggerlader dar.
Bagger haben fast immer nur einen Fahrersitz. Es wird nur die Fahrerlaubnisklasse L benötigt, da deren bauartbestimmte Höchstgeschwindigkeit in der Regel nicht höher als 20 km/h ist.
Es gibt folgende Anbaugeräte:
Zwischen den oben genannten Anbaugeräten und dem Baggerstiel ist meist eine Schnellwechseleinrichtung eingebaut (auf dem Foto des Raupenbaggers gut zu sehen, rot lackiert). Damit lassen sich die Anbaugeräte in kürzester Zeit vom Baggerfahrer wechseln, ohne dass er sein Führerhaus verlassen muss.
Für spezielle Anwendungszwecke wie z. B. den Deichbau oder allgemein die Erstellung von Böschungsprofilen werden Bagger mit besonders langen oder Teleskopauslegern eingesetzt, die durch eine vergrößerte Reichweite bessere und genauere Flächenbearbeitungen erlauben.
Ein Longfrontbagger ist eine besondere Maschinengattung, die in der Regel zum Abbruch von höheren Gebäuden eingesetzt wird.
Zu unterscheiden ist der Bagger von den Long-Reach Baggern, die für andere Aufgabengebiete entwickelt sind.
Ein Longfrontbagger verfügt standardmäßig über einen Longfrontausleger, der prinzipiell aus drei Teilen besteht. Zwei lange Auslegerteile sind mit einem kurzen Mittelstück verbunden und so flexibel und universell steuerbar. Generell ist auch eine normale Tieflöffelausrüstung verfügbar, die mit dem Longfrontausleger ausgetauscht werden kann.
Longfrontbagger können Gebäude mit einer Höhe von bis zu 60 m abbrechen, ein Novum auf diesem Gebiet ist ein Teleskoplongfrontbagger einer holländischen Abbruchfirma mit 62 m Reichhöhe.
Wichtige Hersteller von Baggern (alphabetisch sortiert) sind:
Nicht mehr existente Hersteller sind:
Die größten Bagger sind Schaufelradbagger. Das 1978 von Krupp Industrietechnik gebaute Modell „288“ arbeitet zurzeit im Tagebau Garzweiler (RWE Power) und ist seit seiner Inbetriebnahme bis heute der größte Bagger der Welt. Er hat ein Dienstgewicht von 12.840 t, eine Höhe von 96 m und eine Länge von 215 m.
Die nächste Größenordnung sind Schürfkübelbagger mit elektrischem Seilantrieb und Schreitwerk. Der Big Muskie [2] arbeitete in den 1970ern und 1980ern in den USA. Er hatte ein Dienstgewicht von 13.500 t und einen Schaufelinhalt von 166 m³.
Der größte Hochlöffelbagger war der seilgetriebene Marion 6360 mit Kettenlaufwerk, genannt Capitain, von Marion Power Shovel in den USA. Das Dienstgewicht betrug 12.700 t und die Schaufel fasste etwa 138 m³. Er wurde 1992 verschrottet. Der nächstgrößere Hochlöffelbagger namens Big Brutus kann noch betrachtet werden.
Der größte Hydraulik-Bagger der Welt ist der Bucyrus RH 400 (ehemals Orenstein & Koppel) mit 980 t Einsatzgewicht und einer Motorleistung von 3360 kW (etwa 4500 PS). Das Grabgefäß in der Ladeschaufelversion fasst 52 m³ (SAE 2:1). Produziert wird er in Deutschland, im Bucyrus-Werk in Dortmund-Dorstfeld.
Als Anhaltspunkt für den Baustellenlärm eines typischen Baggers wurden in einem WHO-Bericht 90 dB in 10 m Entfernung, d. h. etwa 32 Sone angegeben.
Es gibt voll funktionsfähige, funkferngesteurte Baggermodelle, die kleinere Erdarbeiten verrichten können. Wie die großen Bagger verfügen sie über eine Hydraulik.
In einschlägigen Fernsehsendungen wie Wetten, dass..?, gab es immer wieder interessante Wetten, die mit Bagger durchführt wurden; z. B. einen Turm besteigen, ein Feuerzeug anzünden oder Tennis spielen.
150-Pf-Briefmarke der Dauermarkenserie Industrie und Technik der Deutschen Bundespost (12. Juni 1979)
190-Pf-Briefmarke der Dauermarkenserie Industrie und Technik der Deutschen Bundespost (15. Juli 1982)
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bagger aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |