34.94611111111169.265
Koordinaten: 34° 56′ 46″ N, 69° 15′ 54″ O
Die Bagram Air Base, innerhalb der US-Armee Bagram Airfield genannt, ist das Hauptquartier der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Afghanistan. Der ehemalige sowjetische Luftwaffenstützpunkt ist auch gleichzeitig der wichtigste Militärflugplatz der US-Streitkräfte in diesem Land.[1] Innerhalb des Stützpunktes befindet sich außerdem das Militärgefängnis Bagram, welches das primäre Internierungslager der US-Armee in Afghanistan ist – des Terrors verdächtigte Personen werden dort, ähnlich wie in den Gefangenenlagern der Guantanamo Bay Naval Base, ohne Anklage festgehalten.[2]
Die Basis befindet sich etwa 11 km südöstlich von Charikar in der Provinz Parwan, sowie etwa 75 km nordöstlich von der Hauptstadt Kabul entfernt in der Region Bagram. Wenige Kilometer vom Stützpunkt entfernt befinden sich eine Reihe von historischen Stätten wie etwa die historische Stadt Kapisa, die während der Herrschaft des Kushana-Herrschers Kanishka Sommerhauptstadt seines Reiches war. Weiterhin vermutet man in der Region um Bagram oder um Charikar die antike Stadt Alexandria ad Caucasum, die von Alexander dem Großen während seines Eroberungsfeldzuges gegründet wurde.
Der Militärflugplatz wurde in den 1950er Jahren mit sowjetischer Hilfe gebaut.[3] Während der sowjetischen Besatzungszeit war der Stützpunkt einer der Haupt-Operationsbasen des sowjetischen Heeres in Afghanistan.[4] Damals umfasste die Basis drei große Flugzeughangars, einen Kontrollturm und eine Vielzahl von weiteren Gebäuden.[5] Die Start- und Landebahn war 3003 m lang, das Vorfeld des Flugplatzes hatte eine Fläche von 130.000 m².
Nach dem Abzug der Sowjetunion diente er der damaligen afghanischen Luftwaffe als Stützpunkt, bis es den Taliban-Milizen gelang, weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Ende der neunziger Jahre kämpften auf dem Gelände Taliban-Einheiten gegen Einheiten der Nationalen Islamischen Vereinigten Front zur Rettung Afghanistans, besser bekannt als Nordallianz. Im damaligen Bürgerkrieg verlief die Kriegsfront zeitweise in der Gegend. Bei diesen Kämpfen wurden viele Gebäude der Basis zerstört oder stark beschädigt. Auch viele der damals auf dem Gelände noch vorhandenen Flugzeuge, die überwiegend russischer Bauart waren, wurden dabei zerstört. Im Oktober und November 2001 bombardierten die Vereinigten Staaten verbleibende militärische Ziele auf dem Gelände. Dies geschah im Rahmen der damals groß angelegten Luftangriffe der USA auf die Stellungen der Taliban.[4]
Nach der Invasion im Jahr 2001 übernahmen die Amerikaner die schwer beschädigte Basis. Deren Start- und Landebahn hatte die fast 20-jährigen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region überstanden und war noch benutzbar. Das Gelände der Basis war in den Jahren zuvor von sowjetischen und afghanischen Truppen stark vermint worden.[4] Die Landschaft war außerdem übersät mit Blindgängern, sogenannte Unexploded Explosive Ordnance.[6]
Anfangs waren die Soldaten überwiegend in Zelten untergebracht. Bis Ende 2003 ersetzte die Armee die Zelte durch Holzbaracken, in denen jeweils acht Soldaten einquartiert waren.[7]
Das sich innerhalb der Basis befindliche Internierungslager wurde im Jahr 2002 als provisorische Einrichtung eröffnet.[2][8]
Laut einem Satellitenfoto hatte der Stützpunkt im Jahr 2004 bereits die Größe einer Kleinstadt erreicht. Damals bestand die Basis neben den Hangars und einigen Hallen vor allem aus temporären Bauten, also überwiegend aus Holzbaracken und Containerbauten.[9] Anfang 2005 wurde dann mit dem Bau von langfristig haltbaren gemauerten Unterkünften begonnen.[10]
Seit dem 2. November 2006 erfolgt die medizinische Versorgung der Basis im Bagram Airfield Hospital, auch Craig Joint-Theater Hospital [11] genannt. Dieses aus betonierten Gebäuden und transportablen modularen Einheiten aufgebaute Krankenhaus, verfügte bei dessen Eröffnung über etwa 50 Patientenbetten und unter anderem über drei Operationssäle.[12]
Ende des Jahres 2006 war die Inbetriebnahme einer, um 68 Mio. US-Dollar gebauten, zweiten Start- und Landebahn.[13] Sie wurde parallel zur bestehenden Bahn gebaut [14] und ist mit einer Länge von 3500 m um knapp 500 m länger als die andere.[15] In einen im Jahr 2009 in Betrieb genommenen neuen Tower wurden 50 Mio. US-Dollar investiert.[16][17]
Laut einer Luftaufnahme vom März 2009 wurde die Basis zwischenzeitlich nochmals massiv ausgebaut, so wurden auf dem Gelände südöstlich der beiden Landebahnen etliche neue Gebäude hochgezogen und ein Teil der Luftfahrzeuge, nämlich die Kampfflugzeuge sowie einige Hubschrauber, dort stationiert.[18] Die Zahl des US-Personals auf dem über 24 Quadratkilometer großen Gelände, hat sich in den letzten beiden Jahren auf etwa 20.000 verdoppelt. Bauarbeiten im Wert von 200 Mio. US$ sind geplant oder laufen gegenwärtig.[19]
Nach Koran-Verbrennungen auf dem Stützpunkt kam es zu landesweiten Unruhen im Februar 2012.
Der Stützpunkt hat mittlerweile die Dimension einer Kleinstadt erreicht. Laut Berichten – unter anderem von einer amerikanischen Militärzeitung – beherbergt die Basis inklusive zivilem Unterstützungspersonal insgesamt bereits etwa 20.000 Personen.[20][21] Entlang der etwa 2,5 km langen Hauptstraße der Basis, dem sogenannten Disney Drive, säumen sich Geschäfte und Lokalitäten wie beispielsweise Burger King, Pizza Hut oder Dairy Queen.[22]
Die Basis ist für die Region auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. So arbeiten viele Bewohner des nahe gelegenen afghanischen Dorfes auf dem Stützpunkt.[7][10] Nach Angaben der US-Armee müssen diese einheimischen Arbeiter fünf Sicherheitskontrollen passieren, um in die Basis zu gelangen.[7]
Die Basis wurde immer wieder Ziel von Anschlägen. Sie wurden sowohl in Form von Selbstmordattentaten beziehungsweise Autobomben überwiegend vor der Einfahrt des Stützpunktes als auch in Form von direkten Raketenangriffen verübt.[23][24][25] Bei dem bislang folgenschwersten, der im Jahr 2007 zum Zeitpunkt eines Besuches des damaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney durchgeführt wurde, starben 23 Menschen.[23]
Auf dem Stützpunkt sind mehrere tausend Soldaten unterschiedlicher Einheiten stationiert. Überwiegend handelt es sich dabei um Truppen der USA. Auch Soldaten anderer Länder, die im Rahmen des ISAF-Einsatzes operieren, nutzen diese Basis.[26] Die meisten Soldaten gehören zu Einheiten der U.S. Army und der U.S. Air Force, auch Einheiten der U.S. Navy sind präsent.[6] Sie ist das Hauptquartier der 455th Air Expeditionary Wing der United States Air Force. Etwa 1300 Mann dieser Einheit sind auf der Basis stationiert. Auch die Combined Joint Task Force-101 (CJTF-101) ist auf dem Stützpunkt.[27] Neben weiteren Militäreinheiten beherbergt die Basis auch ein Provincial Reconstruction Team der ISAF.
Der Militärflugplatz der Basis – der den ICAO-Code OAIX hat[28] – verzeichnet mehr militärische Flugbewegungen als jeder andere Flughafen in Afghanistan.[1] Die meisten in Afghanistan gebrauchten Güter werden jedoch aus Kosten- und Kapazitätsgründen mit Lastwagen in das Land transportiert.[29]
Auf dem Stützpunkt stationierte Luftfahrzeuge sind unzählige Transporthubschrauber des Typs HH-60 Pave Hawk, der eine spezielle Black Hawk Modifikation ist, sowie auch größere CH-47 Chinook Modelle. Daneben sind eine Staffel Erdkampfflugzeuge des Typs A-10 Thunderbolt II, sowie einige Kampfjets vom Typ F-15E Strike Eagle in Bagram stationiert.[9][30] Unbemannte Drohnen vom Typ MQ-9 Reaper sind dort ebenfalls im Einsatz.[31] Der 455th Air Expeditionary Wing verwendet weiters C-130 Hercules Transportflugzeuge auf dem Stützpunkt.[9][30] Die Basis wird auch regelmäßig von anderen schweren Transportflugzeugen, wie etwa der C-17 Globemaster III, angeflogen. Die größten für die Start- und Landebahn zulässigen Maschinen sind vom Typ C-5 Galaxy und Boeing 747.[13]
→ Hauptartikel: Militärgefängnis Bagram
Innerhalb der Bagram Air Base befindet sich das primäre Internierungslager der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Afghanistan.[2] Dort werden rund 600 tatsächliche oder mutmaßliche Terroristen als Kriegsgefangene gefangen gehalten und verhört – ohne eines Verbrechens angeklagt zu werden.[33]
Die New York Times berichtete wiederholt von Misshandlungen und Folter in diesem Lager. Im Dezember 2002 sind zwei Häftlinge nach tagelangen Misshandlungen und Folter durch US-Militärs gestorben.[32] Die Zustände im Lager sollen wesentlich schlechter als in Guantánamo sein.[2] Es sind nur wenige Details bekannt, da das Militär das Lager von der Öffentlichkeit völlig abschottet.[34]
Die Gefangenen haben keinen Zugang zu Anwälten[33] und nach Ansicht der US-Regierung kein Recht ihre Inhaftierung vor einem Gericht anzufechten.[35]
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bagram_Air_Base aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |