Die Bandidos sind ein Motorradclub (Rockerclub) und wurden 1966 in Houston, Texas, durch Donald Eugene Chambers gegründet. Chambers wählte einen mexikanischen Banditen („Bandido“) mit großer Machete und einem Revolver als Aufnäher (Center Patch) für die Farben des Clubs. Die gewählten Farben rot und gold werden auf die Insignien der US Marines zurückgeführt, deren Vietnam-Veteranen den Club einst gründeten.
Nachdem der Vorsitz von Chambers beendet war, wurde Ronnie Hodge zum Präsidenten ernannt. Unter der Aufsicht von Hodge verbreitete sich der Club international.
Die Expansion nach Europa erfolgte 1989 mit einem ersten Ortsverband („Chapter“) in Marseille, Frankreich. In den Jahren danach folgte Skandinavien und 1997 Luxemburg. Im Jahr 2000 wurde das erste Chapter in Italien gegründet, mittlerweile gibt es dort fünf weitere Chapter.
In Deutschland ist die Gruppe seit dem Beitritt des gelben Ghostriders MC sowie der Road Eagle MC Nomads und den Destroyers München im Jahr 1999 vertreten. Es kamen 17 deutsche Ortsverbände hinzu, die zunächst jeweils als Probe-Chapter galten, erkennbar am „Probationary“-Schriftzug. Der Wechsel der deutschen Clubs zu den international vertretenen Bandidos erfolgte kurz nach dem überraschenden Übertritt des damals größten deutschen Motorradclubs Bones MC zu den vormals verfeindeten Hells Angels. Diese Probezeit dauerte etwas mehr als ein halbes Jahr. Im Juni 2000 tauschten die Bandidos aus Deutschland den „Probationary“-Schriftzug mit dem Segen der Amerikaner und des Europa-Vorstands offiziell gegen den „Germany“-Schriftzug aus. Aktuell (Stand März 2012) sind in Deutschland 71 Chapter polizeilich bekannt.[1]
Wegen der nachgewiesenen Nähe einzelner Mitglieder zur organisierten Kriminalität wird der Bandidos MC in den Verfassungsschutzberichten derjenigen Bundesländer aufgeführt, in denen die Verfassungsschutzbehörde die organisierte Kriminalität beobachtet. Außerdem fanden die Bandidos im Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2006 deswegen Erwähnung, weil sie ihr früheres Clubhaus in Mannheim-Rheinau im Frühjahr 2005 für insgesamt acht rechtsextreme Konzerte vermietet hatten.[2]
Laut Bundeskriminalamt gab es im Jahr 2010 neun OK-Ermittlungsverfahren mit Bezug zu den Bandidos.[3]
Am 29. April 2010 wurde das Probationary Chapter Neumünster (Schleswig-Holstein) vom dortigen Innenminister, Klaus Schlie (CDU), verboten. [4]
Am 26. April 2012 verbot NRW-Innenminister Ralf Jäger das Chapter Aachen und die Unterstützerclubs Chicanos MC Chapter Aachen, die Chicanos MC Chapter Alsdorf, die Chicanos MC Chapter Düren, den Club X-Team MC Aachen und die Diablos MC Heinsberg.[5] Gleichzeitig gab es Razzien im Clubhaus in Alsdorf und in mehr als 30 Wohnungen und Geschäftsräume in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz. Dabei waren auch Spezialeinheiten im Einsatz. [6]
Häufig gibt es Auseinandersetzungen der Bandidos mit den Hells Angels.[7][8] Die Presse spricht in diesem Zusammenhang oft von einem „Rockerkrieg“.
Im ersten Halbjahr 2008 wurde vor dem Landgericht Münster ein Prozess gegen Mitglieder der Bandidos geführt, weil sie in Ibbenbüren ein Mitglied der Hells Angels erschossen haben sollen.[9] Wegen der bekannten Feindschaft zwischen beiden Gruppen kam es am ersten Verhandlungstag zu einem Großaufgebot der Polizei mit Personenkontrollen. Nach dem ersten Verhandlungstag kam es zu einer Schlägerei zwischen ca. 40 Mitgliedern beider Gruppen.[10] Am 10. Juni 2008 wurde das Urteil am Landgericht Münster bekanntgegeben. Das Urteil lautete für beide Angeklagten lebenslänglich wegen gemeinschaftlichen heimtückischen Mordes. Die Richter sahen die Täterschaft der beiden Angeklagten angesichts der vorliegenden Indizien als erwiesen an.[11] Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Die Polizei sicherte die Urteilsverkündung mit ca. 1000 Polizisten.
Im November 2008 wurde vor dem Landgericht Cottbus ein Fall verhandelt, bei dem ein Bandidos-Mitglied wegen Drogenhandels und eines Reizgasangriffs auf ein Mitglied der Hells Angels zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.[12] Im Dezember 2008 waren vor dem Landgericht Hannover mehrere Mitglieder der Hells Angels wegen eines Angriffs auf die Bandidos angeklagt.[13]
Zu Pfingsten 2010 wurde auf einer öffentlichen Pressekonferenz in Hannover von den beiden rivalisierenden Clubs festgelegt, dass von nun an eine Koexistenz möglich sein soll und der Streit beigelegt wird. Die Gewerkschaft der Polizei sowie Politiker auf Bundesebene halten diese Aussagen für eine Taktik, kriminelle Machenschaften zu überblenden und von weiteren kriminellen Handlungen, wie Menschen- und Drogenhandel, abzulenken.
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