Montag, 28. Mai 2012

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Bayerisches Oberstes Landesgericht

Gerichtsgebäude in der Schleißheimer Str. 139

Das Bayerische Oberste Landesgericht (BayObLG) war ein Gericht des Freistaates Bayern auf dem Gebiet des Zivil- und Strafrechts. Es war aufgrund der vorbehaltlichen Errichtungsvorschriften für die einzelnen Länder (§§ 8 ff. EGGVG) als traditionelle Einrichtung des Freistaats Bayern erhalten geblieben (Art. 10 ff. BayAGGVG). Sein Sitz war München. Es wurde zum 30. Juni 2006 aufgelöst.

Geschichte

Nachdem Kaiser Ferdinand II. 1620 dem Kurfürstentum Bayern das Privilegium de non appellando (durch das andernorts die Oberlandesgerichte entstanden) verliehen hatte, wurde am 17. April 1625 das Revisorium eingerichtet, das für Bayern an die Stelle des Reichskammergerichtes als letzte Instanz trat. Das Revisorium des Königreichs Bayern wurde 1809 durch das Oberappellationsgericht in München abgelöst.

Wenige Jahre nach Gründung des Deutschen Reiches wurden 1879 mit der Aufhebung des obersten Gerichtshofes die Revisionsangelegenheiten an das neu errichtete BayObLG gegeben. Als das Bürgerliche Gesetzbuch im Jahr 1900 in Kraft trat, wurde jedoch die Revisionsinstanz in Zivilsachen dem Reichsgericht in Leipzig übertragen. Als Ausgleich wurden die Revisionen in Strafsachen an das BayObLG abgegeben.

Am 1. April 1935 wurde das BayObLG durch die nationalsozialistischen Machthaber aufgelöst. Mit dem Kontrollratsgesetz 124 wurde es zum 1. Juli 1948 wiedererrichtet.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber kündigte in seiner Regierungserklärung vom 6. November 2003 an, seine Regierung werde das Bayerische Oberste Landesgericht zur Kosteneinsparung abschaffen und dessen Aufgaben den drei in Bayern bestehenden Oberlandesgerichten übertragen. Daraufhin beschloss der bayerische Landtag am 20. Oktober 2004, das Gericht zum 30. Juni 2006 abzuschaffen. Die Verfahren, die bisher in die Zuständigkeit des Bayerischen Obersten Landesgerichts fielen, verteilen sich heute auf das Oberlandesgericht München (Zivilsachen aus dem OLG-Bezirk München, Beschwerdeverfahren gegen Entscheidungen der Vergabekammern Nord- und Südbayern, Strafsachen aus dem OLG-Bezirk München), das Oberlandesgericht Bamberg (Zivil- und Strafsachen aus dem OLG-Bezirk Bamberg und Rechtsbeschwerden nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz und dem Wirtschaftsstrafgesetz aus ganz Bayern) sowie auf das Oberlandesgericht Nürnberg (Zivil- und Strafsachen aus dem OLG-Bezirk Nürnberg).

Zuständigkeit

In den Zivilsachen entschied das BayObLG

In den Straf- und Bußgeldsachen entschied das BayObLG

Außerdem war das BayObLG zentrales Beschwerdegericht gegen die Entscheidungen der Vergabekammern Bayerns (Vergabekammer Nordbayern mit Sitz in Ansbach und Vergabekammer Südbayern mit Sitz in München.

Vgl. hierzu auch Art. 11 des bayerischen Ausführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetz vom 23. Juni 1981.

Liste der Präsidenten

Name (Lebenszeit) Amtszeit
Präsidenten des Oberappellationsgerichts
Johann Kaspar Alois Graf von Larosée 1. Jan. 1809 - 16. Sep. 1823
Heinrich Alois Graf von Reigersberg (1770-1865) 1. Jan. 1809 - 16. Aug. 1810
Karl Maria Rupert Graf von Arco 1823 - 1832
Konstantin Ludwig Freiherr von Welden (1771-1842) 27. Juli 1832 - 31. Okt. 1837
August Graf von Rechberg und Rothenlöwen (1783-1846) 1837 - 30. Okt. 1844
Carl Anselm Freiherr von Gumppenberg (1791-1863) 1. Nov. 1844 - 31. Dez. 1854
Friedrich Freiherr von Wulffen (1790-1858) 1. Feb. 1855 - 10. Apr. 1858
Karl Bartholomäus Ritter von Lehner (1786-1877) 1. Nov. 1858 - 2. Juni 1866
Karl Joseph Freiherr von Kleinschrod (1797-1866) 29. 6. 1866 - 24. 9. 1866
Dr. Karl Friedrich Ritter von Heintz (1802-1868) 17.10. 1866 - 16. 8. 1868
Dr. Ludwig Ritter von Neumayer (1810-1895) 16.12. 1868 - 30. 9. 1879
Präsidenten des Obersten Landgerichts
Dr. Ludwig Ritter von Neumayer (1810-1895) 1.10. 1879 - 30.9. 1884
Dr. Karl Ritter von Schebler (1818-1891) 1.10. 1884 - 29. 7. 1891
Dr. Gottfried Ritter von Schmitt (1827-1908) 1.11. 1891 - 16.10. 1899
Wilhelm Ritter von Heller (1838-1909) 16.10. 1899 - 10.11. 1909
Heinrich Ritter von Thelemann (1851-1923) 1. 2. 1910 - 10. 2. 1912
Dr. Wilhelm Ritter von Haiß (1852-1927) 1. 4. 1912 - 31. 3. 1919
Dr. Karl Ritter von Unzner (1865-1929) 1. 4. 1919 - 1. 6. 1929
Dr. Gustav Müller (1871-1943) 1. 7. 1929 - 31. 3. 1935
Präsidenten des Bayerischen Obersten Landgerichts
Dr. Anton Konrad (1883-1955) 1. 1. 1951 - 31. 3. 1954
Dr. Franz Gipser (1890-1955) 1. 4. 1954 - 5.10. 1955
Dr. Adolf Keltsch (1897-1975) 1. 3. 1956 - 31. 3. 1962
Dr. Walter Rösch (1903-1977) 1. 7. 1962 - 31. 8. 1968
Ludwig Schäfer (*1912) 1. 9. 1968 - 30. 6. 1977
Dr. Wolfgang Schier (*1918) 1. 8. 1977 - 28. 2. 1983
Prof. Dr. Walter Odersky (*1931) 1. 8. 1983 - 31. 12. 1987
Dr. Gerhard Herbst (*1928) 1. 1. 1988 - 30. 06. 2006

Literatur

  • Gerhard Herbst (Hrsg.): Das Bayerische Oberste Landesgericht – Geschichte und Gegenwart. München 1996. ISBN 3-406-37537-5
  • Konrad Kruis: Das Bayerische Oberste Landesgericht und die föderale Gliederung der Rechtspflege. In: Neue Juristische Wochenschrift (NJW) 2004, S. 640
  • Günter Hirsch: Die Auflösung des Bayerischen Obersten Landesgerichts, in: NJW 2006, S. 3255–3257

Siehe auch

Weblinks

48.16411.564
Koordinaten:
48° 9′ 50,4″ N, 11° 33′ 50,4″ O

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Diese Seite wurde zuletzt am 14. April 2012 um 16:12 Uhr geändert.

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