Begabtenförderung ist die Unterstützung von Lernenden, die als überdurchschnittlich begabt identifiziert wurden. Ziel ist es, die Entwicklung der Potenziale dieser Lernenden anzuregen und bestmöglich zu begleiten.
Begabtenförderung ist Teil der Begabungsförderung. Während sich Begabtenförderung auf eine bestimmte Gruppe von Lernenden konzentriert, beschäftigt sich Begabungsförderung mit allen Lernenden, bei denen noch nicht entwickeltes Potenzial vermutet werden kann.
Gelegentlich wird der Begriff der Begabtenförderung rein monetär ausgelegt und als Förderung von besonders leistungsstarken Lernenden (meist in Form von Zuschüssen bzw. Stipendien) verstanden.
Die Begabtenförderung in Deutschland besteht hauptsächlich in staatlich geförderten Studienzuschüssen, die von Begabtenförderwerken und Stiftungen an besonders leistungsstarke Studenten vergeben werden, meist in Form von Stipendien. Seit Sommer 2011 hat der Bund das Deutschlandstipendium aufgelegt, das den Hochschulen ermöglicht mit Bundesmitteln und hälftig eingeworbenen Privatmitteln von ihnen ausgewählte Studierende jeder Nationalität mit einem Stipendium von monatlich 300 € zu fördern.
Die zwölf großen Förderwerke mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind:
Ein weiteres Programm in der Begabtenförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist das Aufstiegsstipendium, eine Studienförderung für Fachkräfte mit einer Berufsausbildung.
Der Freistaat Bayern hat mit dem Stipendium für besonders Begabte seit 1948 ein eigenes Stipendienprogramm.
Auch zahlreiche private Stiftungen engagieren sich im Bereich der Begabtenförderung. Eine der größten privaten Begabtenförderungswerke ist mit 4 Millionen Euro Stammkapital das Reemtsma Begabtenförderungswerk.[1]
Auch für Schüler gibt es Möglichkeiten der Begabtenförderung, vor allem Wettbewerbe, Hochbegabten- und Spezialschulen und spezialisierte Ferienlager. Es gibt verschiedene Wettbewerbe für begabte Schüler: Jugend forscht, Bundeswettbewerb Fremdsprachen, Bundeswettbewerb Mathematik, Mathematikolympiade, Chemieolympiade, Physikolympiade, Biologieolympiade, Philosophieolympiade (letztere nur für Oberstufenschüler in NRW), Bundeswettbewerb Informatik, Jugend musiziert, Jugend debattiert, Adam-Ries-Wettbewerb.
Einige Gymnasien bieten ab der 6. Klasse besondere Hochbegabtenklassen an. Es gibt einige staatliche Internatsschulen für Hochbegabte: In Hessen das Oberstufengymnasium Schloss Hansenberg, in Sachsen das Sankt Afra zu Meißen, in Baden-Württemberg das Landesgymnasium in Schwäbisch Gmünd und in Sachsen-Anhalt die Landesschule Pforta.
Des Weiteren gibt es zahlreiche Schulen mit fachspezifischer Hochbegabtenförderung (teilweise in Spezialschulteilen oder Spezialklassen):
Verschiedene Organisationen bieten Ferienlager zur Förderung begabter Schüler an. Dazu gehören:
In der DDR gab es verschiedene Einrichtungen, in denen begabte Schüler gefördert wurden.
Zu den bekanntesten und ältesten Einrichtungen zählen die Russischschulen, zu denen später Schulen mit anderen Erweiterungen hinzukamen. Spezialschulen für die mathematisch-naturwissenschaftlich begabten Schüler gab es in allen Bezirken der DDR. Die meisten sind heute Gymnasien mit einem speziellen Profil, beispielsweise das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Berlin oder das Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig. Einige „überlebten“ als Spezialschulteile, z.B. am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erfurt. Des Weiteren gab es an den Erweiterten Oberschulen Spezialklassen.
Mit der Gründung der Spezialklassen für Chemie wurde im Jahr 1964 erstmals an einer Hochschule der DDR (wie bis dahin meist nur in den USA üblich), mit der Ausbildung hochbegabter Schüler begonnen, die schon vor dem Abitur auch in den Forschungsbetrieb der Hochschule eingebunden wurden. Mitte der 1960er Jahre entstanden weitere Spezialklassen für Mathematik und Physik an den Universitäten Berlin, Halle und Rostock sowie den Technischen Hochschulen Karl-Marx-Stadt und Magdeburg. Diese Spezialklassen unterstanden dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen und nicht (wie z.B. die Spezialschulen) dem Ministerium für Volksbildung.
Besonders mathematische und naturwissenschaftliche Begabungen wurden auch außerhalb des Unterrichts intensiv in Arbeitsgemeinschaften, Klubs und Korrespondenzzirkeln gefördert und über Schul-, Kreis- und Bezirksolympiaden ermittelt.
Eine besondere Form stellten die Stationen Junger Naturforscher und Techniker dar, an denen sich Begabte in Mathematik und Bereichen der Naturwissenschaften fortbilden konnten. In den 1970er Jahren wurden Mathematische Schülergesellschaften gegründet, in denen begabte Schüler durch universitäre Mathematiker gefördert wurden. Nach der Wende wurden solche Einrichtungen aus Kostengründen nach und nach bis auf einige wenige geschlossen. Durch die Angleichung des DDR-Schulsystems an das der BRD kam es zu einem Verlust vieler Einrichtungen der Begabungsförderung (z.B. Schließung der Spezialklassen für Chemie).
Grundsätzlich kann zwischen Förderansätzen innerhalb der Organisation Schule und außerschulischen Förderangeboten unterschieden werden.
Dabei werden Schüler nach ihren Interessen, Stärken und Begabungen unterrichtet. Möglichkeiten hierfür bieten u. a. folgende Ansätze:
Zielsetzung ist dabei die Möglichkeit zu beschleunigtem Lernen:
Darunter werden fachlich vertiefende oder zusätzliche Angebote verstanden. Beispiele hierfür sind
Weiters gibt es einige Schulen wie z. B. das BG/BRG Keimgasse Mödling, in denen Modellklassen für besonders begabte Kinder eingerichtet wurden. Dabei handelt es sich meist um „Schnellzugklassen“, d. h. die Inhalte des Lehrplans werden in kürzerer Zeit behandelt. Darüber hinaus wurden in manchen Schulen ganze Schulzweige der Begabungs- und Begabtenförderung gewidmet. Dies ist z. B. im Wiedner Gymnasium in Wien der Fall. In dieser Schule wird in Form eines Schulversuchs ein Oberstufenzug als Sir-Karl-Popper-Schule für besonders Begabte geführt. Im berufsbildenden Bereich gibt es z. B. an der Vienna Business School HAK Wien Schönborngasse für interessierte und begabte Schüler das Angebot der HAK Plus.
Im außerschulischen Bereich stellen einige Museen, Sportvereine, Musikvereine etc. auch für besonders begabte Kinder und Jugendliche interessante Angebote bereit.
Weiters haben besonders begabte und interessierte Schüler z. B. die Möglichkeit, im Rahmen des Programms Schüler an die Unis als außerordentliche Hörer Lehrveranstaltungen an Hochschulen zu besuchen, die ihnen bei einem späteren Studium voll angerechnet werden.
Schüler höherer Schulen können auch an Olympiaden und Wettbewerben in den Bereichen Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Technik, Neue Medien sowie Musik und Sport teilnehmen und so Spezialinteressen vertiefen.
In den Bundesländern gibt es zahlreiche Vereine zur Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher, die Förderangebote bereitstellen. Es werden weiters häufig in den großen Ferien Sommerakademien und während des Schuljahres Pull-Out-Kurse organisiert. Einige Beispiele für Initiativen in den Bundesländern:
In Oberösterreich gibt es den Verein Stiftung Talente[10] der vom Land OÖ, sowie von Wirtschaft und Industrie tatkräftig unterstützt wird. Der Verein veranstaltet jährlich 3 Sommerakademien, einige Olympiaden und zahlreiche Projekte. Der Landesschulrat für OÖ hat die Talenteakademie Schloss Traunsee eingerichtet, wo während des Schuljahres sogenannte "Pull-out"- Kurse im Ausmaß von 3 bis 5 Tagen für hochbegabte Schüler von (ECHA-)Lehrern abgehalten werden.
In Kärnten kooperiert der Verein inizia[11] eng mit dem Landesschulrat und hält auch Kontakt zum Bildungsministerium.
Der Landesschulrat für NÖ veranstaltet gemeinsam mit dem Verein zur Förderung begabter und hochbegabter Schüler aus NÖ Intensivkurse im Ausmaß einer Schulwoche im neugebildeten Talentezentrum Schloss Drosendorf. Speziell ausgebildete Lehrpersonen erarbeiten mit ausgewählten Schüler spezielle Themen, die auch nach dem Kurs im Rahmen von e-Learning-Paketen zur Verfügung stehen.
Diese finden in mehreren Bundesländern statt:
Neben diesem Modell für die Oberstufe etabliert sich im Augenblick auch Future kids, ein Sommercamp für Schüler der Unterstufe.
Fördermaßnahmen für begabte Studierende umfassen Möglichkeiten der Akzeleration, Enrichment sowie finanzielle Unterstützung. Von Standort zu Standort sind die folgenden Initiativen unterschiedlich ausgeprägt.
Derzeit gibt es in Österreich ein Begabtenförderungswerk (Pro Scientia), das ca. 120 Studierende fördert.
Auf tertiärer Bildungsebene wird oft auf eine gewisse Abstufung zwischen den Universitäten hingewiesen. So werden die Eidgenössischen Technischen Hochschulen als intellektuell anspruchsvoller erachtet als die entsprechenden Studiengänge an den regulären, kantonalen Universitäten, oder die Hochschule St. Gallen als besonders anspruchsvoll bei den Wirtschafts- und Gesellschaftsstudiengängen.
Daneben erlangt die Schweizerische Studienstiftung zunehmend an Bedeutung.
In den Vereinigten Staaten, wo es keine Differenzierung in Gymnasien, Real- und Hauptschulen gibt und wo auch behinderte Kinder integrativ beschult werden, sind Lehrer in weitaus größerem Maße als etwa in Deutschland darauf eingestellt, Schüler mit ganz unterschiedlichen Leistungen in ein- und derselben Klasse zu unterrichten. Amerikanische Lehrer haben vielfältige Freiräume, begabte Kinder mit anspruchsvolleren Aufgaben arbeiten zu lassen, als das Curriculum eigentlich vorsieht. Eine besondere Herausforderung für hochbegabte Kinder sind auch die vielen Wettbewerbe, an denen amerikanische Schüler teilnehmen können.
An vielen Schulen bestehen darüber hinaus Enrichment-Programme, in die Kinder mit hohem IQ von Klassenstufe 2 an aufgenommen werden können. Diese Kinder werden stundenweise aus dem Klassenverband herausgenommen und in kleinen Gruppen von einem Speziallehrer (Enrichment Teacher) unterrichtet. Eine weit verbreitete Alternative zum Educational Enrichment ist das Überspringen von Klassenstufen (Educational Acceleration, Grade Skipping), das in den USA jedoch viele Kritiker hat, weil die betroffenen Kinder einem Lernumfeld mit älteren Mitschülern zwar akademisch gewachsen sein mögen, nicht jedoch sozial und emotional. Viele Familien bevorzugen für ihre hochbegabten Kinder auch eine Privatschule oder lassen sie von der Schulpflicht befreien und erteilen ihnen Hausunterricht.
Die Bildungspolitik ist in den USA eine Angelegenheit der Bundesstaaten, sodass auf nationaler Ebene bis heute nur ein einziges Gesetz zur Hochbegabtenförderung – der 1988 in Kraft getretene und seitdem mehrfach novellierte Jacob Javits Gifted and Talented Students Education Act – besteht, das sich jedoch auf die Vorgabe allgemeiner Richtlinien beschränkt. Im Jahr 2002 hatten 37 der amerikanischen Bundesstaaten eigene Gesetze zur Begabtenförderung, auf deren Grundlage dort eine große Bandbreite von Programmen und Spezialschulen besteht, darunter z. B. das Education Program for Gifted Youth der Stanford University, das Center for Talented Youth der Johns Hopkins University und das Highly Gifted Magnet-Programm in Los Angeles.[13]
Bei den Altersgenossen ist das Ansehen hochbegabter Schüler im Allgemeinen sehr hoch. Dies gilt besonders für weiße Kinder; afroamerikanische Kinder empfinden Schulerfolg gelegentlich als Stigma. Das deutsche Schimpfwort „Streber“ hat im Englischen jedoch keine Entsprechung.
Hochbegabte Schüler, insbesondere hochbegabte Highschoolschüler, können in den USA spezielle Ferienlager besuchen, die z. B. von Universitäten veranstaltet werden.[14]
Für Instrumentalschüler – besonders für solche, die ihren Unterricht an einer Musikschule oder in einem Kulturzentrum erhalten – stehen in den USA private Stipendien (Scholarships) zur Verfügung, die oftmals bereits im Grundschulalter in Anspruch genommen werden können.
Begabtenförderung wird in den USA auch von den Hochschulen durchgeführt, die in einem harten Wettbewerb um die besten Studenten diese mit zum Teil sehr gut ausgestatteten Stipendien zu sich locken. Daneben gibt es eine Vielzahl an privaten und staatlichen Stiftungen, sowie auch Ministerien, die zum Teil wegen der hohen Studiengebühren die Förderung in Kooperation mit der jeweiligen Hochschule durchführen. Historisch wird die Begabtenförderung in den USA durch die ausgeprägte, zum Teil auch durch die amerikanische Steuergesetzgebung angeregte, philanthropische Spendenbereitschaft begünstigt. Wegen der multiethnischen Gesellschaftsstruktur gibt es in den USA zusätzlich eine Vielzahl von Programmen, die spezifisch ethnische Minderheiten fördern.
Die wichtigsten unabhängigen Stipendienvergeber für College-Studenten (undergraduate students) sind:
Die wichtigsten Stipendienvergeber für Personen mit einem Bachelorabschluss (graduate students) sind:
Besonders das Stipendium der National Science Foundation ist beträchtlich höher dotiert als vergleichbare Stipendien aus Deutschland und ist in der Lage, zusätzlich einen Großteil der erheblichen Studiengebühren an amerikanischen Privatuniversitäten abzudecken.
Manche Colleges bieten ein Early-Entrance-Programm an, d.h. Zugang für Begabte lange vor Beendigung der regulären Schulzeit.
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