Bernd Rabehl (* 30. Juli 1938 in Rathenow) ist ein deutscher Autor und war eines der bekanntesten Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS). Inzwischen vertritt Rabehl nationalistische und rechtsextreme Positionen.
Über Kindheit und Jugend Bernd Rabehls im Nationalsozialismus und in der beginnenden DDR sind bislang kaum Quellen verfügbar gemacht worden. In dem selbstverfassten Biogramm zu seiner Dissertation Marx und Lenin (1973) schrieb er, die „antifaschistische Grundschule, die Mitgliedschaft in der FDJ, die Oberschule“ und die erzwungene „Tätigkeit als Hilfsarbeiter“ hätten nachhaltigen Einfluss auf seine Erziehung gehabt.
Die Journalistin und Fotografin Bärbel C. Richter, Redakteurin und Gestalterin von Rabehls Blog, zeichnet folgendes Bild Rabehls:
„Bernd Rabehl war immer ein Wanderer zwischen den Gegensätzen – und eine Spielernatur dazu. Beides war ihm buchstäblich in die Wiege gelegt. Mitten im Krieg, 1944, lässt die Mutter sich scheiden. Der Vater, Stabsfeldwebel im Sanitätsdienst und Glücksspieler, setzt sich beizeiten nach Westen ab. Die Familie bleibt zurück im brandenburgischen Rathenow. Eine Entscheidung, die den politischen Werdegang Rabehls entscheidend prägen wird.[1]“
In einem Interview für secret TV mit dem häufig wegen geschichtsrevisionistischer Film-Produktionen kritisierten Michael Vogt erinnerte sich 2007 Rabehl an frühe Prägungen zur „nationalen Frage“. Er zitiert in dem Interview ein Lied von Bertolt Brecht, das zu seiner FDJ-Zeit gesungen wurde: „Adenauer, Adenauer zeig Deine Hand, für 30 Silberlinge verkaufst Du unser Land.“[2]
1960 nahm er für zwei Semester ein Studium der Agronomie an der Humboldt-Universität zu Berlin auf, ging jedoch noch vor dem Mauerbau nach West-Berlin und begann an der Freien Universität Berlin Soziologie und Philosophie zu studieren. Als Fluchthelfer schleuste er – so sagen es später von ihm selbst verfasste Lebensläufe – nach dem Mauerbau Freunde und Bekannte aus der DDR. Damit wie auch mit seinen politischen Schriften handelte er sich ein langjähriges Einreiseverbot in den Ostblock ein.
Der Mauerbau 1961 war ein entscheidendes Ereignis nicht nur für Rabehls Haltung zum Osten, sondern auch für seine Haltung zum Westen. In einem 1968 publizierten Aufsatz schrieb er, dass „die gutgläubigen Studenten und die Arbeiterjugend“ – darunter Rudi Dutschke und er selbst – versucht hätten, die Mauer zu stürmen. „Sie fälschten Pässe, gruben Tunnel, zerschnitten Zäune oder malten ihre Parolen von der Freiheit an den Zement … Die Ernüchterung folgte schnell und zog die Erkenntnis nach sich, dass der Mauerbau mit Zustimmung der USA stattgefunden hatte.“ Die Vereinigten Staaten von Amerika hätten sich mit dieser Bestätigung der Verabredungen von Teheran, Jalta und Potsdam gleichzeitig darauf festgelegt, „ungestört die Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt zu zerschlagen“. Auch die Haltung der bundesdeutschen Politiker zum Mauerbau habe erkennen lassen, „dass sie nicht zur ‚entscheidenden Tat‘ bereit waren“, das Mittel des Krieges sei ihnen „durch die innerkapitalistische Machtaufteilung nach dem Zweiten Weltkrieg verwehrt“ gewesen.[3]
Rabehl war in den sechziger Jahren ein enger Freund und Wegbegleiter Dutschkes. 1962 stießen sie gemeinsam zur Gruppe „Subversive Aktion“, die von Dieter Kunzelmann und anderen in München gegründet worden war. Die Gruppe hatte Außenstellen in Tübingen, Stuttgart, Frankfurt am Main und in West-Berlin. Sie machte mit künstlerisch-provokatorischen Aktionen auf sich aufmerksam.
Im Rückblick (1988) schilderte Rabehl seine eigene Situation und die Dutschkes in dieser Gruppe so:
„Wir lesen jetzt hier im Westen erst einmal die Kritiken an der DDR, weil wir noch zu sehr DDR’ler sind. Wir lesen Trotzki, wir lesen Bakunin, wir lesen Carola Stern; kurzum alle Sachen, die sich mit der Frage auseinandersetzen, was das eigentlich für eine Gesellschaft ist, aus der wir kommen. Und gleichzeitig bemühen wir uns, den Westen kennenzulernen. So treffen sich also ästhetisch-künstlerische Eklektiker mit politisch-entwurzelten Eklektikern. Denn Eklektiker waren wir auch, d. h., wir hatten keine feste Weltanschauung, wir haben uns nur Bruchstücke genommen. Und wir diskutieren jetzt darüber, was eigentlich zu machen ist oder ob nichts zu machen ist.[4]“
1965 trat Rabehl zusammen mit Dutschke dem SDS bei. Wie Reinhard Strecker in einem Interview zeigte, führte der Einfluss von Dutschke, Rabehl und weiteren Personen im SDS dazu, dass dessen Initiativen, die NS-Vergangenheit der Bundesrepublik aufzuarbeiten, mehr oder minder aufgegeben wurden.[5]
1967/68 war Rabehl im Bundesvorstand des SDS tätig. Intern ließ er bereits 1967 ein Papier zirkulieren, in dem er die Übertragung des so genannten „Befreiungsnationalismus“ Frantz Fanons auf die deutschen Verhältnisse vorschlug. In diesem Papier hieß es:
„Die marxistische Linke muß Ansätze des Nationalismus weitertreiben, gerade auf den neuralgischen Punkt, daß Deutschland geteilt wurde durch den Bundesgenossen USA, der diese Teilung ab Teheran sanktionierte. […] Der Nationalismus in dieser Form ist eine Art Sammlung, schafft ein Bündnis zwischen den einzelnen Sozialisten, die dadurch politisch wirksam werden können.“[6]
1969/70 war Rabehl einer der Initiatoren der sogenannten Ruhrkampagne. Dies war zunächst nur ein Lesezirkel, der das Ruhrgebiet für die revolutionären Studenten erobern wollte, allerdings wollte man erst ein Lenin- und Stalin-Lektüreprogramm absolvieren, vor Ort Erkundigungen einziehen und eine Orts- und Klassenanalyse anfertigen. In diesem Kontext entstand Rabehls Schrift über die DKP. Die Ruhrkampagne kam nie im Ruhrgebiet an. Ein Teil der Aktivisten gründeten später die KPD/ML; Rabehl gehörte nicht zu ihnen.[7]
1973 schloss Rabehl seine Dissertation ab. Dutschkes Witwe Gretchen Dutschke-Klotz berichtet in der Biografie über ihren Mann, es sei über die Arbeit zu einem schweren Konflikt zwischen ihm und Rabehl gekommen. Dutschke habe darauf bestanden, Rabehl habe von ihm für seine Dissertation die Idee der Analyse der Sowjetunion als zeitgenössische „asiatische Produktionsweise“ mehr oder minder abgeschrieben. Rabehl bestreitet das.[8]
In den 1970er Jahren war Rabehl Mitglied der Redaktionskonferenz der Zeitschrift Probleme des Klassenkampfs und des Rotbuchkollektivs. Zwischen 1973 und 1984 arbeitete er zunächst als Mitarbeiter und Dozent am Soziologischen Institut der Freien Universität Berlin. Danach war er mehrere Jahre als Gastprofessor an der Bundesuniversität von Campina Grande (Brasilien) tätig. Neben zahlreichen Artikeln veröffentlichte er mehrere Monographien zu Marxismus und Arbeiterbewegung. Nach seiner Rückkehr lehrte er wieder am Soziologischen Institut und forschte zugleich am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung (ZI 6 bzw. ZISOWIFO), zuletzt am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Zusammen mit Siegward Lönnendonker und Jochen Staadt veröffentlichte er in diesem Zusammenhang im, von der VolkswagenStiftung geförderten, „SDS-Projekt“ Beiträge zu einer Geschichte des SDS. Rabehl beschrieb in den Beiträgen zu diesem Projekt den SDS vor allem als „Provokationselite“. Er stellte auch die Verschiedenheit der Interessen von Flüchtlingen aus der DDR und Westlern im SDS heraus. Rudi Dutschkes Hauptinteresse habe demnach nicht, wie bei den Westlern, dem „Internationalismus“, sondern der „Deutschen Frage“ gegolten. Deutschland sei für Dutschke und andere „DDR-Abhauer“ im SDS ein von den Besatzungsmächten in Unfreiheit gehaltenes Land gewesen. Nach dem Zusammenbruch der DDR arbeitete Rabehl im Forschungsverbund SED-Staat unter anderem zur Einflussnahme des MfS auf den SDS.
Ende 1998 hielt Bernd Rabehl in München eine Rede vor der Burschenschaft Danubia. Dort warnte er unter anderem vor einer kulturellen „Überfremdung“ Deutschlands, die bereits jetzt bürgerkriegsähnliche Zustände und den Terrorismus in Deutschland und Europa befördere. Darüber hinaus behauptete er in seinem Vortrag, dass die „Antifa-Linke“ und „bestimmte Medien im In- und Ausland“ dieses Thema tabuisierten:
„Dieses Problem der Überfremdung und der Auflösung einer nationalen oder städtischen Kultur soll in Deutschland nicht thematisiert werden. Die Antifa-Linke steht hier bewußt in einem Bündnis mit bestimmten Medien im In- und Ausland, die deutsche Kulturintelligenz einzubinden, bestimmte Fragen nicht zu stellen. Würde dieses Anliegen einer Tabuisierung der ‚deutschen Frage‘ im Zusammenhang von Zuwanderung und ‚Überfremdung‘ aufgehen, wären auch die herrschenden Machteliten handlungsunfähig, die auf die Kritik und die Stimmungen im Lande angewiesen sind. Bei dieser Unbeweglichkeit in der nationalen Frage würden Extrempositionen irgendwann wie ein Rettungsanker wirken: etwa die Massenarbeitslosigkeit und die innere Zerrissenheit des Landes über eine Diktatur zu lösen.[9]“
Über Horst Mahler gelangte die Rede an die Wochenzeitung Junge Freiheit und wurde dort mit etlichen inhaltlichen Änderungen veröffentlicht, ohne dass von Seiten der Zeitung auf diese Veränderungen hingewiesen worden wäre. Rabehl kritisierte in einem Brief an die Redaktion die unautorisierte Veröffentlichung. Die wesentlichen Inhalte des Redetextes selbst bestritt er nicht. In der Folge schrieb er weiterhin zu verschiedenen Themen in der Jungen Freiheit. Nach der Publikation der Rede wurde Rabehl „völkischer Nationalismus“ und „sekundärer Antisemitismus“ vorgeworfen. Er wies dies als „Denunziation“ zurück. Die in der Rede enthaltene nationalrevolutionäre Deutung der Revolte von 1968 und insbesondere der Person Dutschkes wurde von Kollegen, Freunden und Antifa-Linken als rechtsradikales „coming out“ von Rabehl interpretiert.
Die Berliner Zeitung berichtete, Rabehl habe bei einer Diskussion mit SDS-Veteranen gesagt, er habe selbst festgestellt, dass der Text der Nazi-Sprache sehr nahe käme. Die Zeitung zitierte Rabehl mit den Worten: „Oh, das ist ja LTI-Sprache, die Sprache des Dritten Reichs.“ Er wolle jedoch, so die Berliner Zeitung, von diesem Text inhaltlich nichts zurücknehmen.[10]
Nach dem Vortrag vor der Burschenschaft Danubia radikalisierte Rabehl seine Anschauungen zusehends. Insbesondere rückte eine angebliche „Auschwitz-Keule“ immer mehr ins Zentrum seiner Überlegungen. In einem Interview mit der Jungen Freiheit bezeichnete Rabehl das „Antisemitismus-Tabu“ als das „Meistertabu“ der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft, das insbesondere vom Staat Israel gegen Europa und Nordamerika eingesetzt würde, um Kritiker mundtot zu machen, aber auch von den Regierungen Nordamerikas und Europas verwendet würde, um Opponenten in den eigenen Ländern zum Schweigen zu bringen. Wörtlich sagte Rabehl:
„Mittels des Antisemitismus-Tabus lässt sich der Gegner am leichtesten stigmatisieren, isolieren und gesellschaftlich vernichten. Die sogenannte Auschwitz-Keule ist die Superwaffe im Arsenal der politisch korrekten Linken in Europa und Nordamerika. Dazu gesellt sich leider die Instrumentalisierung des Antisemitismus-Tabus durch den Staat Israel.[11]“
Rabehl sah und sieht sich absichtlich missverstanden. Man wolle ihn, so formulierte er es in mehreren Veröffentlichungen, zerstören. In einem Essay zu Rudi Dutschke deutete er die heftige Kritik, der er sich seit seinem Vortrag vor der Burschenschaft Danubia ausgesetzt sah, als üble Kampagne, an der sich „Spitzel und Zuträger von MfS und HVA“ sowie „Profiteure und Parasiten aus dem Kulturbetrieb“ beteiligten. „Die Regie“, so schreibt Rabehl, „verwies nicht auf Antifa-Sekten, sondern auf ausländische Geheimdienste.“[12]
Nachdem ihn die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung ohne Anhörung von seiner Funktion als Vertrauensdozent entbunden hatte – den Anstoß dazu hatte ein offener Brief des Politologen Andrei S. Markovits in der gewerkschaftsnahen Zeitschrift Express[13] gegeben –, verließ er 2000 den DGB und schloss sich später dem Deutschen Handels- und Industrieangestellten-Verband (DHV) im CGB an. Aus diesem wurde er 2005 ausgeschlossen.[14]
In einem Interview mit der NPD-Zeitung Deutsche Stimme vom März 2005 sagte Bernd Rabehl zu der Kritik, dass er sich, ähnlich wie Horst Mahler, von einem linksradikalen Kritiker der Bundesrepublik zu einem rechtsradikalen Opponenten entwickelt habe: „In letzter Konsequenz bin ich meinem Denken von damals treu geblieben, nur dass sich inzwischen die politischen Positionen verschoben haben. Was früher als ‚links‘ angesehen wurde, gilt heute als ‚rechts‘.“ Rabehl wiederholte in dem Interview außerdem viele seiner Thesen aus der Danubia-Rede.
Das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin versuchte ihm als Reaktion auf dieses Interview die Lehrbefugnis zu entziehen. Die NPD kritisierte diesen Versuch sofort. In einer Presseerklärung der Partei vom 18. Mai 2005 hieß es, man sähe nach „den Kampagnen gegen den Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, den Brigadegeneral Reinhard Günzel und den ehemaligen stellvertretenden Bundeskanzler Jürgen Möllemann“ in den „Drohungen“ gegen Bernd Rabehl „ein weiteres besorgniserregendes Zeichen für die dramatische Krise der Meinungs- und Gewissensfreiheit in Deutschland.“
Der Geschäftsführer des Otto-Suhr-Instituts, Bodo Zeuner, begründete dagegen diesen Versuch in einem von der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel teilweise wiedergegebenen Brief vom 20. Mai 2005 an Rabehl. Darin schrieb er, dass Rabehl „rechtsextreme und völkisch-nationalistische Thesen zur angeblichen Überfremdung, zu angeblichen Verschwörungen internationaler Geheimdienste und Geheimgesellschaften, zur angeblich planmäßigen Zerstörung einer deutschen nationalen Identität und Kultur“ übernehme. Wer wie Rabehl über völkisch-nationalistische Konzeptionen nachdenke und die wissenschaftlichen Kenntnisse über den Zusammenhang dieses Denkens mit der mörderischen NS-Herrschaft nicht reflektiere, betreibe „keine Politikwissenschaft auf dem ethischen und kognitiven Standard, den der FB Politik- und Sozialwissenschaften von seinen Dozenten verlangen muss und zu Recht verlangt.“
Am 8. Juni 2005 verteidigte Rabehl seine politischen Positionen während eines Vortrages vor der Fraktion der NPD im Sächsischen Landtag und am 9. Juni 2005 auf einer Pressekonferenz mit der NPD-Landtagsfraktion. Als sich der Entzug der Lehrbefugnis als juristisch unmöglich herausstellte, beschloss das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, Rabehl keine Lehraufträge mehr zu erteilen und ihn nicht mehr an Prüfungen teilnehmen zu lassen. Die Rechtsabteilung der Universität erwirkte jedoch, Lehrveranstaltungen Rabehls wieder zuzulassen. Sie fanden dann allerdings außerhalb des prüfungsrelevanten Kanons statt.
2006 war Rabehl bei der DVU-Fraktion im Landtag Brandenburg zu Gast und trat auf einer Fraktionssitzung auf. Sein Thema waren Theorie und Praxis der 68er. Bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft 2007 kandidierte Rabehl auf dem 6. Listenplatz der rechtskonservativen Liste Bremen muß leben von Joachim Siegerist erfolglos für die Bremische Bürgerschaft.
2005/06 wirkte Rabehl auch als Interviewpartner an einem Film anlässlich des 60. Jahrestages der Nürnberger Prozesse mit. Der Film wurde von Michael Vogt produziert. In einem Interview, das der DVD als Bonusmaterial beigegeben ist, äußert sich Rabehl zu den Nürnberger Prozessen. Hier hätten „Killer über Killer zu Gericht“ gesessen. Der Prozess sei lediglich eine „Farce“ gewesen.[15] In den anderen Interviews zu diesem Film kommen mit Alfred de Zayas, Franz W. Seidler und Alexander von Stahl durchweg Publizisten zu Wort, die für ihre geschichtsrevisionistischen Thesen bezüglich Deutschland bekannt sind.
Rabehl trat seit 2005 bei verschiedenen Veranstaltungen der NPD auf. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurde er von den jeweiligen Landtagsfraktionen der Partei auch als Sachverständiger für Fragen der Landesverfassung benannt. Befragt, was diese Auftritte bei der NPD zu bedeuten hätten, sagte er gegenüber Spiegel Online, er plane eine wissenschaftliche Arbeit über die NPD und wolle sich auf diese Weise seinem Forschungsobjekt nähern. Den Titel dieser Arbeit gab Rabehl mit Die Faschismusjäger, der „europäische Faschismus“ und die NPD an. Einen Aufsatz Rabehls mit diesem Titel publizierte die NPD-Landtagsfraktion Sachsen 2005.[16] Wie weit Rabehl sich inzwischen mit der NPD identifiziert, wurde am 10. Januar 2009 deutlich. Rabehl hielt beim Neujahrsempfang der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen eine der Festreden. Er kritisierte dort das internationale Finanzsystem und konstatierte den Untergang der deutschen Sprache und Kultur, des Bildungssystems und der deutschen Stadt.[17]
Rabehl tritt jedoch auch bei rechtslastigen Organisationen in anderen europäischen Ländern auf. Am 8. Februar 2009 referierte er zum Beispiel vor der Ortsgruppe Langenthal der Partei National Orientierter Schweizer (PNOS), die 2001 vom Schweizer Bundesamt der Polizei als rechtsextreme Organisation eingestuft wurde, mittlerweile jedoch als Gruppierung der Neuen Rechten gilt. Rabehl führte in seinem Vortrag aus, so referiert es die Website der Organisation, dass es „natürlich ein erklärtes Ziel der Herrscher“ sei, „jene Kräfte gegeneinander aufzuhetzen, die sich gegen die US-amerikanische Hegemonie zur Wehr setzten. Eine Querfront, so Rabehl, wäre einzig und allein in der Lage, überhaupt etwas zu bewegen.“[18]
NPD und DVU hatten ursprünglich die Zusage von Rabehl, dass er bereit wäre, als ihr gemeinsamer Kandidat für das Bundespräsidentenamt zu kandidieren. Rabehl zog seine Zusage jedoch kurz vor der am 8. März 2009 geplanten Nominierung zurück.[19]Holger Apfel, damals stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD, erläuterte in einem Internetforum, Rabehl habe seine ursprüngliche Zusage zur Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Die in verschiedenen Medien veröffentlichten politischen Begründungen Rabehls, in denen er grundlegende Differenzen zu NPD und DVU hervorhob und erklärte, er wolle nicht in einer „Marionettenrolle“ auftreten, seien nachgeschoben, Rabehl habe offenbar der Mut verlassen. Noch am 6. März habe Rabehl der NPD einen Beitrag zugesandt, der auf einer für seine Kandidatur vorbereiteten Internetseite veröffentlicht werden sollte.
In dem Beitrag für die geplante Internetseite, den Holger Apfel zugänglich machte, schrieb Rabehl:
„Als DVU und NPD auf mich zutraten, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren, zögerte ich lange Zeit. Ich fürchtete Schikanen und Medienkampagnen. Nach 1989 zeigt sich diese Republik unfrei, rücksichtslos und gewalttätig. Das Recht auf freie Meinung wird nicht gewahrt und mancher Verweis auf den Verlust von Recht und Gerechtigkeit in diesem Land wird mit dem Faschismusvorwurf gekontert. Um mich nicht in die Sprachlosigkeit oder in einen stummen Opportunismus zu flüchten, nahm ich schließlich das Angebot der beiden Außenseiterparteien an. Außerdem war wichtig, dass ein ehemaliger ‚Ostler‘ sich für dieses Amt bewarb.[20]“
Trotz seines Rückzuges von der Kandidatur zum Bundespräsidentenamt hat Rabehl sich offenbar mit NPD und DVU nicht überworfen. Die DVU veröffentlicht in ihrer National-Zeitung mehrere Aufsätze von ihm.[21] Die NPD äußerte Verständnis für seinen Rückzug. Rabehl, der bislang auf die Frage nach den Gründen seiner Auftritte bei DVU und NPD immer geantwortet hatte, er wolle schließlich genau kennen, was er erforsche, bezeichnet in seinem Beitrag für die National-Zeitung vom 17. April 2009 die Zusammenarbeit mit NPD und DVU und die dann letztlich doch zurückgezogene Kandidatur für das Bundespräsidentenamt nun ausdrücklich als „Experiment“.[22]
Bernd Rabehl ist pensioniert und lebt als freier Autor in Berlin. Er unterhält ein eigenes Blog.[23] Rabehl macht aus seiner politischen Orientierung keinen Hehl. Einem Reporter der Zeit erklärte er 2011: „Ich bin rechts, weil es keine Linke mehr gibt.“[24]
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