Bernhard Bueb (* 24. Oktober 1938 in Moshi, Britisch-Ostafrika, heute Tansania) ist ein deutscher Theologe und Pädagoge. Er lebt in Überlingen am Bodensee.
Bueb kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern, die in der früheren deutschen Kolonie Kaffeeplantagen besaßen, aus Ostafrika nach Deutschland. Er besuchte die Grundschule in Stuttgart und das Gymnasium in Schwäbisch Hall bis zur 11. Klasse. Nach seinem Abitur am jesuitisch geleiteten Kolleg St. Blasien folgte der Dienst bei der Bundeswehr, den er als Fahnenjunker beendete. Hiernach studierte er Philosophie und katholische Theologie in München und Saarbrücken, wo er 1968 über das Thema Nietzsches Kritik der praktischen Vernunft bei Hermann Krings promovierte. Es folgte eine Assistenzstelle bei dem Pädagogen Heinrich Roth an der Universität Göttingen, ab 1971 bei Hartmut von Hentig an der Universität Bielefeld.
Bueb war von 1972 bis 1974 an der Odenwaldschule unter deren Leiter Gerold Becker als Lehrer und Erzieher tätig. Danach leitete Bueb das Internat Schule Schloss Salem bis 2005. Außerdem war er von 1980 bis 1999 Mitglied des Vorstandes der Studienstiftung des deutschen Volkes. Zudem ist Bueb Mitglied des Kuratoriums der Privatschule Schloss Neubeuern, des Stiftungsrates des Landschulheims am Solling in Holzminden und Mitglied des Verwaltungsrats des deutschen Stiftungszentrums in Essen.
Im Jahr 2005 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Im Jahr 2008 wurde er Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Frankfurter Zukunftsrats. Zusammen mit etwa 30 Wissenschaftlern und anderen Personen des öffentlichen Lebens setzt er sich nach eigenem Selbstverständnis dafür ein, der Politik nachhaltige Denkanstöße und Konzepte vorzustellen. Bueb leitet im Zukunftsrat den Bereich Erziehung und Bildung.[1]
Zu den Vorwürfen gegen den verstorbenen ehem. Schulleiter Gerold Becker (gegen ihn gab es ein Verfahren als Hauptbeschuldigter in mehreren Fällen sexuellen Missbrauchs) gab Bueb in einem Interview mit dem Stern im März 2010 an, er könne die Vorwürfe, „nicht in Einklang mit der Person bringen, die [er] ausschließlich als Freund und fürsorglichen Pädagogen kenne.“[2]
| Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Hilf bitte der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
Bueb leitete die Schule von 1974 bis 2005. In dieser Zeit hat er Salem zu einer rechtlich unabhängigen Institution gemacht. Durch eine offensive Stipendienpolitik hat er die Schülerzusammensetzung verändert, das internationale Baccalaureat eingeführt und durch den Bau einer Zweigschule die Zahl der Schüler von 450 auf 650 erhöht. Während seiner Zeit in Salem war Bueb nicht unumstritten. Die von ihm durchgesetzten verdachtsunabhängigen Alkoholtests und Urinproben bei Schülern verurteilten Salemer Lehrer laut der Wochenzeitschrift Der Spiegel als „entwürdigende Einschränkung der persönlichen Freiheit“.[3] In der Wochenzeitung Die Zeit wurden ehemalige Schüler der Schule zu Bueb befragt, eine Mehrzahl davon bewertet die Disziplinierungsmaßnahmen in Salem rückblickend positiv.[4]
2006 veröffentlichte Bueb das Erziehungsbuch Lob der Disziplin – Eine Streitschrift. Es wurde von Abdrucken und Interviews in zahlreichen Medien, unter anderem in der FAZ, dem Spiegel und der NZZ begleitet. In der Boulevardzeitung Bild publizierte Bueb daraufhin eine mehrteilige Erziehungsserie. Er fasst in diesem Buch seine Erkenntnisse als Pädagoge zusammen. Er plädiert für eine ausgewogene Erziehung zwischen „Führen und Wachsenlassen, Disziplin und Liebe, Kontrolle und Vertrauen.“[5] Die Streitschrift ist ein Appell an die Erwachsenen, mehr Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen und „wieder Mut zur Erziehung“ aufzubringen.[6] Sie fordert dazu auf, die Begriffe Autorität und Disziplin wieder in der pädagogischen Kultur zu etablieren. Bueb hält Ordnung, Selbstüberwindung und Gehorsam für wichtige Stützen junger Menschen auf dem Weg zu innerer Freiheit. Entlasse man Kinder und Jugendliche zu früh in eine nicht altersgemäße Unabhängigkeit, überfordere man sie. Auch sei dies schädlich für den Erwerb von Freiheit, denn Freiheit bedeute Selbstbestimmung und sei „eine spät erworbene Tugend, die viel Disziplin erfordert“. Bis Kinder und Jugendliche diese Selbstdisziplin erwerben, müsse man ihnen Orientierung und Führung geben und auch bereit sein, zu strafen.[7] Kinder sollten ab dem dritten Lebensmonat tagsüber im Rahmen einer verpflichtenden Gemeinschaftserziehung ihren „überbetreuenden Müttern entzogen werden, die es viel zu gut meinen und die Kinder zu lauter Egoisten erziehen.“ Denn ohne Gemeinschaft mit anderen Kindern erlebten sie „keine Eifersucht, keinen Neid, sie müssen nicht teilen, sie erfahren keine Ungerechtigkeit, deshalb bleibt auch Gerechtigkeit für sie ein Fremdwort.“[3] Weiterhin plädiert Bueb für verpflichtende Ganztagsschulen, um Schüler aller Schichten im nachschulischen Spiel das Glück der Anstrengung sowie Eingebundensein in Autorität und Mannschaftsgeist erfahren zu lassen. Aufgabe des Pädagogen sei es darüber hinaus, bei der Suche nach den außerschulischen Begabungen Hilfe zu leisten.
Während Bueb in den Massenmedien teilweise auf Zustimmung stieß, lehnen Vertreter der Erziehungswissenschaft und der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands (DL) seine Thesen ab.[8][9][10]Frank-Olaf Radtke kritisiert seine Methoden als Schwarze Pädagogik.[11] Der Entwicklungspsychologe und Kindertherapeut Wolfgang Bergmann bezeichnet die Thesen des Buches schlicht als „Dämlichkeiten“[12] und als in weiten Teilen „ungehemmt totalitär“.[13] Einzelne Medienvertreter sehen gar Übereinstimmungen des Erziehungskonzepts Buebs mit rechtsextremen Bildungsidealen.[14][15]
Bergmann sowie der Rolf Arnold kommen zu dem Schluss, Bueb lobe die Disziplin, meine in Wahrheit aber Disziplinierung durch Bestrafung. Diese jedoch führe gerade nicht zu Verantwortungsbewusstsein und positiv verändertem Sozialverhalten.[16][17] In einem im Februar 2007 erschienenen und von Micha Brumlik herausgegebenen Sammelband haben Wissenschaftler verschiedener Disziplinen eine umfassende Kritik an Buebs Thesen formuliert.[18] Die Frankfurter (damals Bielefelder) Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, eine der Autorinnen des Sammelbandes, wirft dem ehemaligen Internatsleiter vor, das liberale Gesellschaftsmodell generell in Frage zu stellen und dogmatisch ein autoritäres Weltbild zu verkünden.[19] Der Hirnforscher Manfred Spitzer schreibt in dem gleichen Buch: „Sehr vieles, was in Buebs Streitschrift steht, kann ich aus meiner Erfahrung als Vater und (Universitäts-)Lehrer nur unterstreichen“, betont jedoch zugleich die wissenschaftliche Unbedeutsamkeit von Erfahrungswerten.[20] Spitzer fährt fort: „Es ist Buebs Verdienst, die Diskussion darüber wiederbelebt zu haben, was Kinder und Jugendliche brauchen, um zu Erwachsenen zu werden, die ihr Leben meistern können. Disziplin gehört sicher dazu.“ Gleichwohl verwirft er Buebs „Rezept der ‚knallharten‘ Disziplin.“[21]
In seinem umfänglich diskutierten zweiten, 2008 erschienenen Buch fordert Bueb ein radikales Umdenken in der Bildungsdebatte.[22] Er sieht die Bildungsmisere als Ergebnis fehlender Führung durch die Schulleiter und Lehrer und nicht nur als Resultat mangelnder Strukturänderungen oder fehlender Reformen. Deshalb fordert er, die Lehrer in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Bislang seien Lehrer Randfiguren aller Bildungsdebatten gewesen.[3] An ihnen liege es aber, ob die Schule das Selbstwertgefühl von Kindern stärken und ihnen so Bildung zugänglich machen könne. Bueb plädiert für Ganztagsschulen, die Abschaffung des Beamtenstatus zwecks Kündbarkeit von Lehrern, Coachingkurse als laufende Fortbildung der Lehrer und Erzieher und die Bewertung von Lehrern unter anderem durch ihre Schüler. Außerdem verlangt er mehr Autonomie für Schulleiter. Schulen sollten staatlich finanziert, aber privat geführt werden, um sich ideal auf ihre Schüler einstellen zu können.[23] Zum Führen gehöre auch das Kontrollieren der Lehrer durch den Schulleiter: „Führen heißt leiten, planen, koordinieren, delegieren und kontrollieren.“[24]
Bernhard Bueb wurde 2009 über die Liste der FDP in den Gemeinderat seines Wohnortes Überlingen gewählt. Er ist jedoch seit Ende der 1990er Jahre kein Parteimitglied der Freien Demokraten mehr.[25]
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bernhard_Bueb aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |