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Folgendes muss noch verbessert werden: Wikifizieren, siehe Diskussion --Crazy1880 17:32, 25. Mai 2010 (CEST)
Unter Bildungsbenachteiligung wird verstanden, dass eine Gruppe von Kindern oder Erwachsenen im Bildungssystem systematisch weniger Möglichkeiten hat, ein Bildungsziel zu erreichen, als andere. Meist geht es beim Gebrauch dieses Begriffes um die geringeren Chancen von Menschen unterschiedlichen Geschlechts oder mit weniger persönlichen, sozialen, finanziellen und kulturellen Ressourcen beim Erwerb von Bildung, die trotz formaler Chancengleichheit vorhanden ist. Von Bildungsbenachteiligung spricht man unabhängig davon, ob die Ursache durch vorsätzliche oder bewusste Diskriminierung zustande kommt oder nicht. Entscheidend sind statistisch belegbare Nachteile dieser Gruppen beim Erreichen von Bildungszielen.
Mit Bildung und dem Ausbau des Bildungssystems war in der Vergangenheit häufig die Hoffnung verbunden, soziale Ungleichheiten abzubauen. Dass Chancengleichheit nicht wirklich hergestellt wurde, haben die französischen Soziologen Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron schon in den 1960er Jahren gezeigt.[1]
Angehörige der sogenannten "unteren" sozialen Schichten:
Bernstein verglich Sprachstichproben von Personen aus der Mittelschicht und der Arbeiterklasse. Auch bei Konstanthaltung der Intelligenz zeigten sich Unterschiede in Satzlänge, Wortlänge und Pausenlänge. Die Sätze von Arbeitern waren kürzer, sie benutzten kürzere Wörter und ließen kürzere Pausen zwischen zwei Wörtern (vermutlich, weil der kleinere Wortschatz weniger Auswahlmöglichkeiten bietet und somit die Wortwahl beschleunigt)[4].
Arbeiter reden weniger über Raum, Zeit und kausale Kontingenz – das beinhaltet Diskussionen über mögliche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge von Geschehnissen in der Lebenswelt der Arbeiter. Die Sprache der Arbeiter ist sozio-zentriert, das heißt, dass sie über die Dinge reden, die für soziale Gruppen, denen sie angehören, relevant sind. Akademiker dagegen reden eher über abstrakte Dinge ohne persönlichen Bezug.[4] Auffällig ist, dass diese Unterschiede im frühen Kindesalter noch nicht so ausgeprägt sind. Sie werden jedoch im Verlauf der Entwicklung immer ausgeprägter, und am ausgeprägtesten sind sie im Erwachsenenalter.[5]
Auch konnte gezeigt werden, dass ein Wort für Personen aus verschiedenen Schichten verschiedene Bedeutungen haben kann. Oerter untersuchte PH-Studenten und stellte fest, dass sie – je nachdem, welcher Schicht ihre Eltern angehörten − unter einem Wort ganz verschiedenes verstanden. Ein großer Unterschied bestand hier zwischen zwei Gruppen:
Studenten aus diesen zwei Herkunftsgruppen stellen sich ganz unterschiedliche Dinge unter einem Wort vor. Am größten waren die Unterschiede beim Wort „tüchtig“. Beim Wort „tüchtig“ dachten Handwerkerkinder in der Regel an Eigenschaften, die mit Weltgewandtheit und Dominanz zu tun haben. Angestellten- und Beamtenkinder dagegen dachten an Eigenschaften, die mit körperlicher Leistungsfähigkeit und Charakterfestigkeit zu tun hatten. Folgende Antworten wurden am häufigsten auf die Frage, was tüchtig bedeutet gegeben:
| Studenten wurden gefragt: „Was bedeutet ‚tüchtig‘?“ | ||
|---|---|---|
| Kinder von Handwerkern* sagten | Kinder von Angestellten und Beamten sagten | |
| Sie sagten: „‚Tüchtig‘ bedeutet…“ | * freundlich * höflich * gesellig * geschickt im Umgang mit anderen Menschen * draufgängerisch * sich durchsetzend * ehrgeizig | * kräftig * robust * gesund * ehrlich * ordnungsliebend * aufrecht |
| Rolf Oerter (1970): Moderne Entwicklungspsychologie. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer; S. 488
* Handwerkerkinder = Kinder von Handwerkern und Selbständigen ohne Abitur |
||
Bei Kindern aus allen sozialen Schichten zeigt sich im Verlauf der ersten 15 Monate die gleiche Entwicklung der Sprache, des Geistes und des Sozialverhalten. Es gibt einen kleinen Unterschied: Arbeiterkinder sind im Alter von 15 Monaten in ihrer motorischen Entwicklung etwas weiter. Die Gründe dafür sind nicht geklärt[6]. Oerter schlussfolgert: „Kinder aus allen Berufsschichten und sozialen Gruppenweisen wiesen im Mittel zu allen gemessenen Zeitpunkten innerhalb der ersten 15 Monate das gleiche Intelligenzniveau auf […]. Das Ergebnis ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass bereits mit sechs Jahren gravierende Gruppenunterschiede vorhanden sind.“ Im Alter von 24 Monaten zeigen sich bereits Unterschiede zu Gunsten der Kinder aus den Mittelschichten. Bei diesen kann nun ein größerer Wortschatz gemessen werden. Mit drei Jahren ist der Wortschatz von Mittelschichtskindern schon dreimal so groß, wie der von Kindern aus der Unterschicht.[7]
Oerter geht in seinem Buch Moderne Entwicklungspsychologie von der Annahme aus, dass Kinder aus der Unterschicht in ihrem Lernverhalten stärker auf Lob und Anerkennung reagierten als Kinder aus der Mittelschicht. Kinder der Mittelschicht hingegen hätten eine intrinsische Motivation und Freude an der Aufgabe selbst, weniger an der Anerkennung, so Oerter.[8].
Zudem käme es darauf an, wie ein Kind gelobt werde. Zigler und Kanzler berichten, dass Kinder aus der Arbeiterklasse eher auf personenbezogenes Lob, Akademikerkinder aber eher auf leistungsbezogenes Lob reagierten[9]. Als personenbezogenes Lob gelten z.B. „gut!“ (in der Originaluntersuchung: „good!“) und „ausgezeichnet!“ (Originaluntersuchung: „fine!“). Als leistungsbezogenes Lob gelten „richtig!“ („right!“) und „korrekt!“ („correct!“)[10].
Ruby Payne vertritt die These, dass das Aufwachsen in Armut wichtige Auswirkungen auf den Charakter habe. Um in der Armut zu überleben, müssten arme Kinder non-verbal sein und auf Sinneseindrücke sofort reagieren. In der Schule jedoch wäre dies ein Nachteil für sie. Die Schule sei eine Mittelklasseinstitution: hier sei es wichtig, Gedanken verbalisieren zu können, abstrahieren zu können und voraus zu planen – Fähigkeiten, die arme Kinder erst erlernen müssten.[11][12] Laut Walter Mischel haben arme Kinder weniger Selbstkontrolle und streben eher nach sofortiger Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Dies sei schlecht, da in der Mittelschichtsinstitution Schule Selbstkontrolle eine wichtige Rolle spiele.[13]
Donna Beegle ist der Meinung, dass arme Familien und wohlhabendere Familien in verschiedenen Kulturen leben. In armen Familien herrsche eine orale Kultur. Für Mitglieder der oralen Kultur sind Sinneserfahrungen wichtig. Charakteristika der oralen Kultur sind Spontaneität, Orientierung an der Gegenwart, Betonung von Emotionen und die Fähigkeit, das „große Ganze“ zu sehen. In wohlhabenden Familien dagegen herrsche die Schriftkultur. Hier werden Selbstdisziplin, die Fähigkeit zum Aushalten des Zahlungsaufschubes, die Fähigkeit, strategisch vorzugehen und zu planen, die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und Schritte zu ihrer Erreichung zu unternehmen, technische Fähigkeiten und analytische Fähigkeiten geschätzt.[14]
Angehörige unterer Bevölkerungsschichten haben aus verschiedenen Gründen Nachteile beim Erwerb von Bildung. Zu diesen gehören:
Die Chancen der Facharbeiterkinder sind in Städten mit über 300.000 Einwohnern am schlechtesten. Dort sind die Chancen des Kindes aus der oberen Dienstklasse auf den Gymnasialbesuch 14,36-mal so hoch wie die das Facharbeiterkindes und die Chancen eines Kindes aus der unteren Dienstklasse 7,57-mal so hoch wie die eines Facharbeiterkindes(ebd.). Man sieht also, dass die Chancen des Facharbeiterkindes in der Stadt besonders schlecht sind.[17]
„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, daß er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat.“
Umgangssprachlich wird dieses Phänomen auch mit den Sprichworten „Wer hat, dem wird gegeben“, „Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist“ oder auch „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“ wiedergegeben.
In Deutschland zeigen verschiedene Studien zur Bildungforschung, darunter ein Bericht des Bundesbildungsministeriums[23], dass Jungen bei gleichem Wissensstand und gleichen Leistungen häufig schlechtere Noten als Mädchen erhalten. Nach Ansicht des Institutes für Schulentwicklungsforschung kann die leichte Benachteiligung in den Fächer Deutsch und Sachkunde auf „ein stärkeres Wohlverhalten oder eine größere Angepasstheit“ der Mädchen zurückzuführen sein.[24] Eine Studie der GEW kommt hingegen zum Schluss, dass Jungen nicht benachteiligt werden: "Jungen sind als Gruppe in deutschen Bildungsinstitutionen gegenüber Mädchen nicht benachteiligt. Von einer simplen Bildungsbenachteiligung einer Geschlechtergruppe kann angesichts der Komplexität sozialer Verhältnisse und der Mehrdimensionalität von Bildung nicht gesprochen werden." Allenfalls könne von einer Benachteiligung aufgrund ungünstiger Männlichkeitskonstruktionen gesprochen werden: "Jungen sind insofern benachteiligt, als dass bestimmte gesellschaftliche Männlichkeitskonstruktionen sie in Konflikt mit bestimmten Anforderungen von Bildungsinstitutionen bringen. Insbesondere eine Orientierung an der Idee männlicher Hegemonialität mit ihren Überlegenheitsansprüchen und Widerständigkeit gegen Anpassung, vermeintlich männlichen Begabungen und Ablehnung von Fleißarbeit, Selbstvertrauen und mangelnde Erkenntnis von Hilfebedürftigkeit scheint (einige) Jungen darin zu behindern, in Bildungsinstitutionen formale Abschlüsse zu erwerben."[25]
Die Studie von Maaz/ Baeriswyl/ Trautwein 2011 zeigt geschlechtsspezfische Unterschiede in der Leistungsbewertung in der Grundschulzeit. Im Gegensatz zu Arbeiterkindern, die vierfach benachteiligt werden (primärer Startnachteil, separate und sich addierende Benachteiligungen in der Notenvergabe, der Gymnasialempfehlung und des Gymnasialübergangs) erzielen Jungen "nur" bei der Notenvergabe schlechtere Ergebnisse bei gleichen Leistungen. Daten der Untersuchung deuten darauf hin, dass Mädchen gewissenhafter im Unterricht seien und zumindest ein Teil der besseren Benotung hierdurch erklärt werden könne, wobei die gewonnen Daten auf Selbstzuschreibungen beruhen.[26]
In den USA zeigte Thomas Dee, dass das Geschlecht eines Lehrers signifikanten Einfluss auf den objektiv gemessenen und subjektiv bewerteten Lernerfolg von Schülern hat. Dee analysierte Daten von knapp 25.000 Schülern aus einer national repräsentativen Längsschnittstudie an amerikanischen Schulen. Demnach lernen Mädchen nicht nur schneller von Lehrerinnen und Jungen schneller von Lehrern. Auch ist zu erwarten, dass ein Junge von einer Lehrerin schlechtere Beurteilungen erhält als ein Mädchen bei gleicher objektiv gemessener Leistung (und andersherum). Diese Ergebnisse in Verbindung mit der Tatsache, dass der überwiegende Teil der Lehrkräfte weiblich ist zeigen, dass Jungen schulisch benachteiligt sind.[27] In einer neuseeländischen Längsschnittstudie zeigte sich, dass Jungen in den untersuchten gemischten Schulen in ihren Leistungen systematisch gegenüber Mädchen benachteiligt sind, und dass dieser Unterschied verschwindet, wenn Jungen und Mädchen getrenntgeschlechtliche Schulen besuchen.[28] Für Deutschland konnte eine Benachteiligung aufgrund einer vermeintlichen Feminisierung der Bildung nicht gezeigt werden.[25]
Siehe: Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland, Entwicklung der Bildungsbeteiligung in der Bundesrepublik Deutschland
Die Problematik des geringeren Zugangs von jungen Menschen mit „bildungsferner“ gegenüber „bildungsnaher Herkunft“ scheint strukturell ähnlich gelagert zu sein wie in der Bundesrepublik Deutschland. Laut der letzten Sozialerhebungsstudie überlagern sich die Effekte von Universitäten und Fachhochschulen. Einerseits steige die Rekrutierungsquote insgesamt, d.h., der Trend zu höherer Bildung ist ungebrochen und seit 2004 bereits auf einem höheren Niveau als vor Einführung der Studienbeiträge, welche zu einem Rückgang führte. Andererseits sei für den gesamten Hochschulsektor die Rekrutierungsquote bildungsnaher Schichten seit mehr als zehn Jahren konstant, während die entsprechende Quote bildungsferner Schichten geringfügig, aber stetig zunehme. Die Überrepräsentanz bildungsnaher Schichten konnte daher in den letzten 15 Jahren verringert werden. Hauptgrund hierfür sei die Expansion des FH-Sektors, dessen soziale Zusammensetzung ausgewogener sei als an den Universitäten. An den Fachhochschulen ist die Rekrutierungsquote der bildungsnahen Schichten doppelt so hoch, an den Universitäten dreimal so hoch wie die der bildungsfernen Schichten.[29]
In den USA existiert seit 1995 eine Gruppe mit dem Namen Workingclass Academics. Sie führt einmal jährlich die WCA-Tagung zum Thema Benachteiligung von Studierenden mit niedriger sozialer Herkunft durch. Im Jahr 2003 fand diese Tagung in Großbritannien statt. Arbeiterkinder, die trotz der Bildungsbenachteiligung aufsteigen, werden im englischen Sprachgebrauch auch als Straddler (von engl.: to straddle = spreizen) bezeichnet, da sie sich mit dem einem Bein in der Arbeiterklasse (blue collar = Blaukittel), mit dem anderen in einer höheren Schicht (white collar = Weißkittel) befinden. Hierzu gibt es in den USA viel autobiographische Literatur.
Um die soziale Benachteiligung zu bremsen, initiierte die Bush-Regierung die Kampagne No Child Left Behind Act. Kritisiert wird an diesem Gesetz jedoch, dass nun mehr Geld an private statt an öffentliche Schulen fließe. Im Rahmen des No Child Left Behind Act wurden auch die 21st Century Community Learning Centers gestartet. Die 21st Century Community Learning Centers bieten den Schülern von Grund- und Mittelschulen verschiedene Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung nach der Schule. Dazu gehören etwa Sport, Theater, aber auch Hausaufgabenbetreuung. Sie werden dort von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut. Oft gibt es ein gemeinsames Essen. Die Center sind an vier bis fünf Tagen pro Woche für jeweils drei Stunden nach der Schule geöffnet.
Außerdem gibt es in den USA schon seit einiger Zeit Career Academies. Unter einer Career Academy versteht man eine spezielle Klasse innerhalb einer staatlichen High-School, die besonders stark auf das College vorbereitet. Die akademischen Fähigkeiten werden hier besonders gefördert. Career Academies haben oft spezielle „Themen“ wie zum Beispiel Gesundheitswissenschaften oder Betriebswirtschaftslehre. Es konnte nachgewiesen werden, dass Schüler der Career Academies bessere Chancen im Leben haben.
In England gibt es eine scharfe Trennung zwischen privaten Schulen („independent schools“ genannt) und öffentlichen Schulen. In England gibt es über 2.500 private Schulen mit 615.000 Schülern.[30] Die privaten Schulen sind von verschiedener Qualität. Als die besten gelten die Rugby School, Winchester, Eton, Roedean and Harrow.
Gute Universitäten nehmen bevorzugt ehemalige Schüler privater Schulen auf. Im Jahr 2005 waren 43,9 Prozent der Studierenden, die Oxford aufnahm, und 38 Prozent von denen, die Cambridge aufnahm, auf einer so genannten independent boarding school, einem Eliteinternat, gewesen.[31] Die Schüler dieser Internate machen nur 7 % der englischen Bevölkerung aus.
84,5 Prozent aller englischen Richter wurden an privaten Schulen ausgebildet.
Viele Politiker sind auf privaten Schulen gewesen. Dies trifft zum Beispiel auf Clement Attlee, Hugh Gaitskell und Tony Blair zu.
Ehemalige Schüler von Eliteschulen bilden Netzwerke. Diese Schüler bezeichnen sich selbst als „Old Boys“ und versuchen, anderen „Old Boys“ Vorteile zu verschaffen.
Der Soziologie Pierre Bourdieu beklagte in Büchern wie Das Elend der Welt die Benachteiligung von Arbeiterkindern und Migranten in Frankreich. Auch die Lehrergewerkschaft SNALC weist immer wieder auf Bildungsbenachteiligung in Frankreich hin.
Bourdieu beklagt eine Bildungsinflation in Frankreich. Das Abitur habe an Wert verloren. Das Abitur des Literarischen Gymnasium (Série L Littéraire) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums (Série ES Économique et Sociale) würden an vielen Universitäten nicht mehr anerkannt. Schulen in schlechten Vierteln würden ihre Schüler schlechter auf die Aufnahmeprüfungen der Universitäten vorbereiten als Schulen in guten Vierteln. Die so genannten Grandes Ecoles sind Eliteuniversitäten in Frankreich. Sie werden fast nur von Kindern der Mittel- und Oberschicht besucht. Wenn Kinder aus der Arbeiterklasse auf die Universität gehen, müssen sie oft mit schlechteren Unis auskommen.[32]
Aufgrund des Kastenwesens sind in Indien die Bildungszugänge sehr unterschiedlich verteilt. Im Mai 2006 beschloss die Regierung, mittels einer Quotenregelung Angehörigen der niedrigen Kasten den Zugang zu Hochschulen zu erleichtern. Daraufhin kam es zu Protestveranstaltungen aus der Oberschicht.
In Japan spielen kostenpflichtige Nachhilfeschulen (Juku, eigentlich jap. 学習塾 gaku shūjuku) eine große Rolle. Trotzdem erreichen in diesem Land die meisten Arbeiterkinder das Abitur. Obwohl die Schulpflicht mit der Mittelschule endet, besuchen über 95 Prozent der Schüler die dreijährige Oberschule (高等学校 kōtōgakkō oder 高校 kōkō). Der Abschluss der Oberschule qualifiziert formal zum Eintritt in eine Universität und wird daher mit dem deutschen Abitur gleichgestellt. Der Hochschulzugang wird aber nicht durch den reinen Abschluss der Oberschule, sondern durch die Aufnahmeprüfung an einer Hochschule erworben. Außerdem gelten nur ein Teil der Oberschulen als weiterführende Schulen (shingakkō 進学校), diese werden allerdings statistisch nicht separat erfasst. Von den Absolventen der anderen Oberschulen wird ein Übertritt an eine Hochschule nicht erwartet, obwohl er theoretisch möglich ist. Allerdings gibt es keine Abiturprüfungen wie in Deutschland, sondern man erwirbt den Abschluss mehr oder weniger automatisch, wenn man regelmäßig am Unterricht teilnimmt und die Klassenarbeiten besteht. 92,7 Prozent der japanischen Bevölkerung erwerben das Abitur. Für das Bestehen der Aufnahmeprüfung an einer erstrebenswerten Universität, die auch nicht nur gute Berufs-, sondern auch Heiratschancen und soziales Ansehen verspricht, ist de facto weniger das formale Bestehen der Oberschule ausreichend, sondern es wird durch den vorhergehenden Besuch von bestimmten elitären Oberschulen oder von Oberschulen erleichtert, die zum Unterbau der entsprechenden Universität gehören. Die Burakumin in Japan haben jedoch nach wie vor schlechte Chancen.
Auch in Lateinamerika sind die Bildungsmöglichkeiten der Unterschicht gering. Nicaragua ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Die Lage der Bauern ist so prekär, dass sie oft kein Geld für die Schulbildung ihrer Kinder haben.[33]
Auch wer als Kind in den Elendsvierteln von Costa Ricas Hauptstadt San José aufwächst, hat kaum eine Zukunft. Viele der Kinder dort gehen nicht in die Schule.[34]
In Brasilien ist das öffentliche Schulwesen unterfinanziert und schlecht. Die Mittelschicht und die Oberschicht schicken ihre Kinder auf kostenpflichtige Schulen.[35]
Im Jahr 2002 gab es 800 Mio. Analphabeten. 70 Prozent davon leben in nur neun Staaten, die zum größten Teil in Afrika südlich der Sahara und Südostasien liegen.[36]
Die durchschnittliche Anzahl von Schuljahren, die ein Mensch laut aktuellen Zahlen der UNESCO in seinem Leben erhält, liegt bei 12 Jahren (nicht gewichtet nach Bevölkerungsgröße). Es besteht dabei kein Unterschied zwischen Frauen und Männern. In der Mehrheit der Länder ist die durchschnittliche Zahl von Schuljahren für Frauen höher als für Männer.[37]
→ Hauptartikel: Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland#Literatur
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