| Brügge | ||
|---|---|---|
|
|
||
| Staat | Belgien | |
| Region | Flandern | |
| Provinz | Westflandern | |
| Bezirk | Brügge | |
| Koordinaten | 51° 13′ N, 3° 13′ O51.2094444444443.222 Koordinaten: 51° 13′ N, 3° 13′ O |
|
| Fläche | 138,4 km² | |
| Einwohner (Stand) | 116.885 Einw. (1. Jan. 2011) | |
| Bevölkerungsdichte | 845 Einw./km² | |
| Höhe | 2 m | |
| Postleitzahl | 8000 (Brügge, Koolkerke) 8200 (Sint-Andries, Sint-Michiels) 8310 (Assebroek, Sint-Kruis) 8380 (Dudzele, Lissewege) | |
| Vorwahl | 050 | |
| Bürgermeister | Patrick Moenaert (CD&V) | |
| Adresse der Stadtverwaltung | Burg 12 8000 Brugge | |
| Webseite | www.brugge.be | |
Brügge (niederländisch Brugge, französisch Bruges) ist die Hauptstadt und mit 116.885 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) die größte Stadt der Provinz Westflandern in Belgien. Außerdem ist Brügge Bischofssitz der katholischen Kirche für das Bistum Brügge.
Der mittelalterliche Stadtkern wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Im Jahr 2002 war Brügge Europäische Kulturhauptstadt.
Brügge beherbergt das renommierte Europakolleg (College of Europe) und verfügt über einen wichtigen Seehafen im Teilort Zeebrügge.
Ein Ursprung aus einem westgermanischen Wort für "Brücke" ist wahrscheinlich[1]. Mehrere ähnliche Wörter werden in den alten Dokumenten in verschiedenen germanischen Sprachen erwähnt, z. B. altenglisch bryċġ > bridge, altsächsisch bruggia, althochdeutsch brucca, altnordisch bryggja, die wohl alle auf das germanische *bruʒjō zurückgehen.[2] "Die älteste Form der Brücke in germanischer Zeit war der Knüppeldamm oder Bohlenweg in sumpfigem Gelände. Die Flüsse wurden in Furten oder auf Fährbooten überquert, kleinere Gewässer auch auf bohlenbelegten Stegen."[3]
Bereits im 2. und 3. Jahrhundert befand sich auf dem Grundgebiet von Brügge eine gallo-römische Siedlung. Die Bewohner dieser Siedlung waren nicht nur Landwirte, sondern auch Händler, die Kontakte mit England und mit dem Rest von Gallien unterhielten. In der Mitte des 9. Jahrhunderts baute Balduin Eisenarm die Festung am heutigen Burgplatz aus, zum Schutz vor Angriffen der Normannen. Brügge erhielt 1128 das Stadtrecht.
1134 riss eine Sturmflut eine Fahrrinne in die Meeresbucht Zwin, so dass die Stadt danach direkten Zugang zur Nordsee hatte. Brügge konnte am internationalen Handel partizipieren, der die Wollproduzenten Englands mit den Weinproduzenten der Gascogne und den flandrischen Tuchmachern verband.
Die Stadt erhielt 1200 das Recht, einen eigenen jährlichen Markt abzuhalten. Bald kamen auch Händler vom Rhein und, als die Hanse zu expandieren begann, auch Kaufleute aus Lübeck und Hamburg in die Stadt. 1253 wurden ihnen von Gräfin Margarete von Flandern spezielle Privilegien wie niedrigere Zölle zugesichert. Die Hanse errichtete in Brügge – neben dem Stalhof in London und der Bryggen in Bergen – eines von drei Kontoren an der Nordsee, wobei Brügge als messeähnlicher Standort die größten Umsätze erzielte und so die Hanse mit Märkten außerhalb ihres eigenen Gebiets verband. Das Zentrum dieses Kontors, das Haus der Osterlinge, ist in Resten noch vorhanden.
Im 13. Jahrhundert gehörten neben der Hanse Händler aus Genua, Venedig und Florenz ebenso wie aus Süddeutschland, Kastilien, Portugal oder Schottland zu den regelmäßigen Besuchern der Stadt. Im Haus der Kaufmannsfamilie Van der Beurse entstand das erste „Börsengebäude“; die Bezeichnung Börse soll auf diesen Familiennamen zurückgehen. 1302 stärkt der für Flandern positive Ausgang der Sporenschlacht das bürgerliche Selbstverständnis der Städte Flanderns, auch in Brügge.
Der 1337 ausbrechende und bis 1457 andauernde Hundertjährige Krieg hatte aus der Sicht Flanderns vor allem einen wirtschaftlichen Hintergrund: den Kampf der großen Mächte um die Tuchindustrie Flanderns rund um den Weltmarkt in Brügge.
Im 15. Jahrhundert wurde Brügge von burgundischen Herzögen regiert, die die Stadt kulturell, architektonisch und wirtschaftlich zu hoher Blüte brachten. Gegen Ende des Mittelalters war Brügge die reichste Stadt Nordeuropas. Aus dieser Zeit existiert eine Stadtansicht als Hintergrund zu einem vom Meister der André-Madonna geschaffenen Marienbildnis. Zum Ende des 15. Jahrhunderts versandete der Zwin und schnitt der Stadt damit den direkten Zugang zum Meer ab, woraufhin sich auch der burgundische Hof aus der Stadt zurückzog. Kaiser Maximilian I. beschränkte die Rechte der Stadt, die führende Position der Stadt in Flandern wurde an Antwerpen abgegeben.
Die Stadt verarmte und kam von 1524 bis 1713 unter spanische Herrschaft. Die Hugenottenkriege trugen weiter zum Verfall bei. In der Stadt herrschte über Jahrhunderte Stillstand; nacheinander herrschten hier das Kaiserhaus Habsburg (1713 bis 1795), Frankreich (1795 bis 1815) und die Niederlande (bis 1830) über Brügge. Danach wurde Flandern und damit Brügge ein Teil des neuen Königreiches Belgien. An der im 19. Jahrhundert aufkommenden Industrialisierung hatte die Stadt praktisch keinen Anteil.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhielt Brügge einige Aufmerksamkeit als Kulturstadt, als der Schriftsteller Georges Rodenbach die Stadt in seinem Roman Bruges la Morte beschrieb. Als 1907 ein Anschluss an den Seehafen Zeebrügge geschaffen wurde, erhielt Brügge neue wirtschaftliche Perspektiven. Seit 1949 beherbergt Brügge das Europakolleg (College of Europe) als renommierte Europa-Hochschule, 1960 wurde die Stadt mit dem Europapreis für ihre hervorragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet. Heute profitiert Brügge von dem jahrhundertelangen Stillstand, da der mittelalterliche Stadtkern unverbaut erhalten geblieben ist und die Grundlage für den Tourismus bildet.
|
Die mittelalterliche Altstadt, die von Wallanlagen, auf denen sich Windmühlen befinden, und Kanälen umgeben ist, ist sehr gut erhalten, da sie nie durch Kriege oder großflächige Brände zerstört wurde. Die Stadt ist sowohl auf gepflasterten Straßen als auch per Bootstour erkundbar. Die Kanäle, die die Stadt durchziehen, nennen die Einheimischen Reien, nach dem im Mittelalter vollständig kanalisierten Flüsschen Reie. Sie dienten dem Warentransport zum Zwin.
Einige der Sehenswürdigkeiten sind:
Die städtische Museen in Brügge sind unterteilt in die Kategorien „Schöne Künste“ (vom 15. bis zum 21. Jahrhundert), „Bruggemuseum“ (Sammelname für elf historische Museen) und „Hospitaalmuseum“ (Hospitalmuseen).
Die zwei Museen der Schönen Künste sind das Groeningemuseum (mit der Kollektion der flämischen Primitiven und Gemälden und Skulpturen der Renaissance, des Barock, des Klassizismus und des Expressionismus) und das Arentshaus.
Bruggemuseum enthält das Archäologie-Museum, den Gentpoort, den Belfried, das Rathaus, das Brügger Freiamt, das Gruuthusemuseum, die Liebfrauenkirche, das Heimatmuseum, die Koelewei-Mühle, die Sint-Janshuis-Mühle und das Guido-Gezelle-Museum.
Die zwei Hospitalmuseen sind das Alte Sankt-Jans-Spital mit dem Memling in Sint-Jan - Hospital Museum (unter anderem mit Werken von Hans Memling) und „Unserer Lieben Frau zur Potterie“.
Privatmuseen in Brügge sind das Beginenhaus, das Brauereimuseum, das Diamantmuseum, das Schokoladenmuseum Choco-Story, das Englische Kloster, das Pommes-Frites-Museum, die Heilig-Blut-Basilika, der Hof Bladelin, die Jerusalemkirche, das Lampenmuseum Lumina Domestica, Museum-Gallery Xpo: Salvador Dalí, das Spitzenzentrum, die St.-Georgs-Schützengilde, die St.-Sebastian-Schützengilde, die St.-Salvator-Kathedrale, die St.-Trudo-Abtei, die Sternwarte Beisbroek und das Kloster Ter Doest in Lissewege.
Brügge hat verschiedene Theater und Konzertsäle. Die wichtigsten sind das für „Brügge 2002 – Europäische Kulturhauptstadt“ neugebaute Concertgebouw („Konzertgebäude“), die Stadsschouwburg, Biekorf, De Dijk, De Werf, der Magdalenazaal, Het Entrepot und der Joseph Ryelandtzaal.
Die drei Kinos in Brügge sind Cinema Lumière für nicht-kommerzielle Filme, Cinema Liberty, ein kleines kommerzielles Kino, und das Cineplex Kinepolis in Sint-Michiels.
Der Hafen von Brügge-Zeebrügge gilt als einer der modernsten und wichtigsten in Europa. Seine Hauptvorteile sind seine geographische Lage an der Nordsee mit der Straße von Dover, die Nähe zu England und sein Zugang mit großen Wassertiefen.
In Brügge befindet sich unter anderem das renommierte Europakolleg, ein unabhängiges postgraduales Hochschulinstitut für europäische Studien.
Beide spielen im Jan-Breydel-Stadion (30.000 Sitzplätze) in Sint-Andries.
Im Jahr 2000 war Brügge eine der acht Gastgeberstädte der Fußball-Europameisterschaft.
In Brügge befindet sich der Startpunkt für die Flandern-Rundfahrt.
Filme, die (überwiegend) in Brügge spielen (Auswahl):
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Brügge aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |