Cornelia Rauh (-Kühne) (* 1. März 1957 in Karlsruhe) ist eine deutsche Historikerin. Sie lehrt seit 2005 als Professorin für Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.
Cornelia Rauh studierte nach dem Abitur in Ettlingen Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft an den Universitäten Heidelberg, Bonn und Tübingen. 1982 legte sie das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (Sekundarstufe II) in den Fächern Geschichte und Germanistik ab und studierte 1983 bis 1985 im Aufbaustudium Kommunikationswissenschaft an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Sie promovierte 1989 zur Dr. phil. mit einer Dissertation zum Thema Fragmentierte Kleinstadtgesellschaft und Nationalsozialismus: Ettlingen 1918-1939 an der Historischen Fakultät der Universität Tübingen (Betreuer Bernhard Mann). Von 1988 bis 2001 war sie dort Wissenschaftliche Angestellte und später Assistentin am Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Dieter Langewiesche). Sie habilitierte bei Langewiesche mit einer Schrift zum Thema Zwischen „Weltfreihandel“ und „Autarkiewahn“ - Die Aluminium Industrie AG, ein Schweizer Multikonzern in Hitlers Europa und erhielt am 18. Juli 2001 die Venia legendi für das Fach „Neuere Geschichte“. 2001/2002 vertrat sie Langewiesche. 2003/2004 war Rauh Visiting Fellow am History Department der Princeton University, seit 1. April 2005 ist sie Professorin für Deutsche und Europäische Zeitgeschichte an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover in der Nachfolge von Adelheid von Saldern. 2010 lehnte sie den Ruf an die Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte, ab.
Cornelia Rauh ist Mitglied des Beirats der Stiftung „Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg“ und der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte. Sie hat zahlreiche Schriften zur Unternehmensgeschichte sowie zum Thema „Bürgertum und Bürgerlichkeit“ im 20. Jahrhundert verfasst. Aktuell beforscht sie ethnische Minderheiten sowie die Stadt im sozialen Wandel der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Wissenschaftliches Wirken
Rauh bevorzugt den mikrohistorischen Ansatz. Ihre Biographie des (NSDAP-)Funktionärs- und Unternehmers Fritz Kiehn ist als „historiographische Meisterleistung (und) geglücktes Beispiel für die Fruchtbarkeit interdisziplinärer historischer Forschung“[1] bzw. „ungewöhnlich einsichtsvolles und kluges Buch über die deutsche Normalität des 20. Jahrhunderts“[2] aufgenommen worden.
Ihre Habilitationsschrift erhielt 2003 den 1. Preis der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte 2003[3]. Sie belegt anhand der Schweizer Aluminium-Industrie, dass nicht die Schweizer „Neutralität“ im Zweiten Weltkrieg den Überfall der Wehrmacht auf das Land verhinderte, sondern die Tatsache, dass die Schweiz als Rüstungslieferant, zuverlässiger Transitpartner und funktionierender Devisenhandelsplatz für das NS-Regime wichtig war[4]. Rauhs aufgrund der staatlichen Durchdringung der Wirtschaft durch das NS-Regime „politische Unternehmensgeschichte“ zeigt, dass die Alusuisse mit fortschreitendem Kriegsverlauf zunehmend in den deutschen Rüstungsapparat integriert wurde. Die Arbeit gilt als „wichtiger Beitrag zur in der Schweiz selbst institutionell doch eher schwach verankerten Unternehmensgeschichtsschreibung“[5].
Zahlreiche Aufsätze zur Alltags- und Politischen Sozialgeschichte (besonders am Beispiel Ettlingens) im 20. Jahrhundert, zu Zwangsarbeit/Entnazifizierung, zur Unternehmensgeschichte, zum Wirtschaftsbürgertum und Bürgerlichkeit, zur nationalen Identitätsbildung und der Erinnerungsgeschichte im 20. Jahrhundert. Vollständige Übersicht auf Rauhs Homepage[6]
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