Sonntag, 27. Mai 2012

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Corrado Bafile

Santa Maria a Paganica, erdbebenzerstört 2009

Corrado Kardinal Bafile (* 4. Juli 1903 in L’Aquila, Italien; † 3. Februar 2005 in Rom) war Apostolischer Nuntius in Deutschland und später Kardinalpräfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren.

Leben

Corrado Bafile war das zwölfte und letzte Kind des Arztes Vincenzo Bafile und seiner Frau Maddalena geborene Tedeschini-D'Annibale[1]. Bafile studierte nach seiner Schulzeit an Universitäten in München und Rom zunächst Chemie (bei Richard Willstätter), dann Rechtswissenschaften, promovierte nach dem Abschluss seiner fachlichen Ausbildung in Rom zum Dr. iur. und praktizierte sechs Jahre lang in Rom und München als Anwalt, ehe er sich für die Aufgabe seines weltlichen Berufs entschied, in das Päpstliche Römische Priesterseminar in Rom eintrat und an der Päpstlichen Universität Gregoriana Katholische Theologie und Philosophie studierte.

Am 11. April 1936 empfing er in Rom die Priesterweihe. Danach setzte er seine Studien an der Päpstlichen Diplomatenkademie fort und erwarb 1944 am Päpstlichen Athenaeum Lateranense den Doktorgrad in Kanonischem Recht. Zunächst war er in der Verwaltung des Vatikanischen Staatssekretariats tätig. 1939 trat er in den diplomatischen Dienst des Vatikans ein. Während dieser Zeit war Bafile nebenamtlich seelsorgerisch tätig, u.a. auch in der Leitung der Legionäre Mariens in Italien. Am 1. November 1958 wurde Bafile erster der vier diensttuenden Wirklichen Geheimkämmerer im Vatikan.

Am 19. März 1960 wurde er durch Papst Johannes XXIII. zum Bischof geweiht und zum Titularerzbischof von Antiochia in Pisidien ernannt. Von 1960 bis 1975 war er als Nachfolger von Aloysius Muench als Apostolischer Nuntius diplomatischer Vertreter des Vatikans in der Bundesrepublik Deutschland. Als Doyen des bundesdeutschen diplomatischen Corps hatte er in Bonn vielfältige gesellschaftlich-repräsentative Aufgaben wahrzunehmen; mit Konrad Adenauer verband ihn persönliche Freundschaft. Wegen seines großen diplomatischen Einflusses und seines Geschicks bei der Durchsetzung konservativer Positionen nannte ihn die deutsche Boulevardpresse einen „Tiger in samtener Robe“. Ihm gelang der Abschluss eines Konkordats und mehrerer Verträge. Bafile wurde 1961 bzw. 1963 Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindungen K.St.V. Unitas-Breslau zu Köln im KV und K.D.St.V. Ripuaria Bonn im CV.

1975 kehrte er in den Vatikan zurück und übernahm dort leitende Funktionen (Pro-Präfekt der Heiligsprechungskongregation). Am 24. Mai 1976 wurde er von Papst Paul VI. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Santa Maria in Portico in das Kardinalskollegium aufgenommen. Von 1976 bis 1980 leitete er als Kardinalpräfekt die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Am 22. Juni 1987 wurde er zum Kardinalpriester pro hac vice erhoben.

Er starb im 102. Lebensjahr (ältestes Mitglied des Kardinalskollegiums) am 3. Februar 2005 in der Clinica Pio XI in Rom. Begraben wurde er vorübergehend in der Familiengruft in L’Aquila, soll aber später in die Pfarrkirche S. Maria Paganica, in L’Aquila überführt werden, in der er getauft wurde.

Einzelnachweise

  1. Walter Henkels: 99 Bonner Köpfe, Econ Verlag, Düsseldorf/Wien 1963, S.25

Weblinks

Vorgänger Amt Nachfolger
Luigi Kardinal Raimondi Prefekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse 1976–1980 Pietro Kardinal Palazzini
Bruno Bernhard Heim (geschäftsführend) Apostolischer Nuntius in Deutschland 1960–1975 Guido del Mestri
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