Elias von Cyon (Ilya Faddeyewitsch Tsion, Élie de Cyon) (* 25. März 1843 in Telšiai, im russischen Litauen; † 23. Oktober 1912 in Paris) war ein Physiologe und Schriftsteller.
Er studierte Medizin in Warschau, Kiew und Berlin. 1866 war er in Leipzig Assistent von Carl Ludwig, mit dem er die dämpfende Wirkung des Nervus vagus auf das Herz beschrieb. Auch mit Ernst Wilhelm von Brücke in Wien arbeitete er zusammen.[1]
1867 wurde er, als Nachfolger von Iwan Michailowitsch Setschenow, an der Universität Sankt Petersburg auf den Lehrstuhl für Anatomie und Physiologie berufen. Zu seinen Schülern zählte Iwan Petrowitsch Pawlow.
Zar Alexander II. schlug ihn zum Ritter und ernannte ihn zum Staatsrat. 1872 wurde er Mitglied der Petersburger medizinischen Akademie. In dieser Zeit gewann der Russische Nihilismus in Petersburg die Oberhand und es kam zu Studentenunruhen, in deren Folge er seine Lehrtätigkeit aufgab.
1875 emigrierte er nach Frankreich, wo er seine Forschung in Zusammenarbeit mit Claude Bernard fortsetzte.
Zeitweilig war er für die Zeitschriften Le Gauloise und Juliette Adams Nouvelle Revue tätig. Seine Verbindungen zu offiziösen politischen Stellen in Russland behielt er bei.
1880 ernannte Frankreich ihn zum Chevalier de la Légion d’honneur.
Zur Finanzierung einer Zeitung, die den deutsch-russischen Beziehungen zugute kommen sollte, war er 1884 an Gerson Bleichröder herangetreten, was dieser jedoch ablehnte. In den späten 1880ern Jahren wurde er als Freund, Agent und Parteigänger des einflussreichen nationalistischen und antideutschen Redaktors der »Moskauer Zeitung» Michael Katkow bekannt und wurde deshalb auch für deutschfeindlich gehalten. Er befürwortete die russisch-französische Allianz.
Im Februar 1887 berief Finanzminister Iwan Alexejewitsch Wischnegradski ihn nach Sankt Petersburg, wo er bei der Entwicklung der neuen Beziehungen zum Pariser Geldmarkt, insbesondere den Rothschilds, mithelfen sollte. Ab Mai war er im Finanzministerium Beamter für außerordentliche Missionen und sämtliche großen Geschäfte im Ausland gingen durch seine Hände. Die folgenden drei Jahre verstärkte sich auch die Beziehung zu Bleichröder. Die Franzosen legten seine Mission dahingehend aus, das Monopol der Berliner Anleihen an Russland zu brechen. In dieser Zeit stellte er fest, dass seine Korrespondenz auf „Verlangen von G.“ (vermutlich Außenminister Giers) untersucht wird.
Gegenüber Bleichröder trat er immer als Freund der russisch-deutschen Beziehungen auf. In Russland war er immer Verfechter einer französisch-russischen Entente. Bernhard von Bülow in Petersburg meinte, dass „jeder anständige und patriotische Russe Cyon für einen verlogene und bestechlichen Juden mit revolutionären Tendenzen halte“.
1889 war er in Beschuldigungen verwickelt, über Bleichröder und ihn habe Otto von Bismarck versucht, direkte Verbindung mit Georges Boulanger aufzunehmen.
1891 brach er mit Wischnegradski und griff in der Folge die Finanzabteilung scharf an.[2]
1895 lieferte er in der autobiografische gestalteten Geschichte Histoire de l'Entente franco-russe, 1886-1894 zu seiner Verteidigung eine eigene Darstellung der im Boulangerprozeß zur Sprache gekommenen Vorgänge; die Bekanntschaft mit Bleichröder stritt er nicht ab.[3]
Mit seiner Maitresse, der Schauspielerin Marie Legoult, hatte er ein Kind.
Ende der 1890er Jahre schrieb er eine Polemik gegen Wischnegradskis Nachfolger Sergei Juljewitsch Witte und verlor dadurch die russische Staatsbürgerschaft. Deutschland wies ihn wegen Angriffe auf Bismarck aus. Um 1895 verwehrte ihm auch Frankreich die französische Staatsbürgerschaft zu erneuern. Die Polizei mutmaßte, dass er aus dem Panamaskandal Erlöse erzielt hätte.
Er ließ sich schließlich in der Schweiz, in Territet bei Montreux am Genfersee nieder und fuhr gelegentlich heimlich nach Paris um seine Maitresse zu besuchen.
Wohl basierend auf einer Arbeit von Henri Rollin stellte der Historiker Norman Cohn die Hypothese auf, dass Cyon eine gegen Napoleon gerichtete Satire von Maurice Joly (Dialoge ..) gegen Witte umgetextet haben solle. Dieser Text soll 1897 durch Einbruch in Cyons Haus in Territet oder Beschlagnahme in Paris Pjotr Iwanowitsch Ratschkowski in die Hände gefallen sein, der ihn wiederum "korrigierte", und damit eine Vorlage für die Protokolle der Weisen von Zion geworden sein soll.[4][5]
wissenschaftliche:
geschichtliche, politische:
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