Montag, 28. Mai 2012

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Datsche

Datschen in der Umgebung von Sankt Petersburg bei Lomonossow

Eine Datsche (eingedeutscht aus russisch дача, Datscha hören?/i) ist ein Garten- oder Wochenendhaus, oft auch neben dem allgemeinen Freizeitwert unter dem Aspekt der Hobbygärtnerei.

Das Wort stammt aus dem Russischen und ist eines der wenigen russischen Wörter, die auch im Sprachgebrauch in der DDR verwendet wurden.

Russland

Leben auf der Datscha nahe Leningrad, 1981

Die ersten Datschen waren Gaben von Fürsten oder Zaren an treuen Vasallen. Das Wort bedeutete ursprünglich „eine vom Fürsten vergebene Schenkung eines Stückes Land“ und ist vom russischen Verb „dat“ („geben“) abgeleitet. In der Zeit nach der Oktoberrevolution, als die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden noch nicht geregelt waren, nahmen Stadtbewohner brachliegende Parzellen in Besitz und erschlossen sie als Zweitwohnsitz. Hier suchten sie neben der Erholung von der Enge der städtischen Kommunalwohnungen auch die Möglichkeit, eigenes Obst und Gemüse anzubauen.

Bis in die 1990er Jahre war der Zuschnitt der Datschen einheitlich geregelt und betrug 600 m² Land, das mit einem Sommerbungalow bebaut werden dürfte. Die Nutzungsformen der Datscha sind im heutigen Russland vielfältiger geworden. Statt Rückzugsort für Städter vor schlechter Luft und Sommerhitze, wird die Datscha immer mehr zur Allwetter-Residenz, die gelegentlich sogar ganzjährig bezogen wird.

In Russland befinden sich die Datschen bis zu 1.000 km vom Hauptwohnort entfernt. Im russischen Sprachgebrauch ist es nicht selten, bei Entfernung von 150 km noch „unweit von Moskau“ zu sagen, in der Regel betragen die Entfernungen aber 20-40 Kilometer.

Ostdeutschland

Das beengte Wohnen in den Plattenbauten der Städte des Ostblocks, die eingeschränkten Reisemöglichkeiten sowie die Versorgungsmängel an Obst und Gemüse machten die meist relativ großzügigen Datschen auf dem Land genauso populär wie kleinere Schrebergärten im urbanen Raum. Oft war die Datsche ein in Leichtbauweise improvisiertes Haus auf einem größeren Grundstück. Auf dieser Basis entstanden eine große Anzahl von Siedlungen, insbesondere an Ufern der zahlreichen Seen im Norden. Die dies ermöglichende liberale Haltung der Behörden hatte in erster Linie das Ziel, der Unzufriedenheit im Land entgegenzuwirken und ein DDR-Heimatgefühl zu erzeugen. Die DDR-Datschen waren meist innerhalb einer Stunde zu erreichen. Es wird geschätzt, dass es in der DDR etwa 3,4 Millionen Datschen gab – „die weltweit höchste Dichte an Gartengrundstücken“.[1]

Sonstige Verbreitung

Eine ähnliche Kultur hat sich in Norwegen um Oslo und Schweden um Stockholm sowie in Finnland in Form der Mökkis und in Tschechien mit der Chata entwickelt.

Literatur

  • Marina Rumjanzewa: Auf der Datscha. Eine kleine Kulturgeschichte und ein Lesebuch. Dörlemann Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-908777-35-9

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Datsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Rheinische Post vom 2. Oktober 2010, Grafik Seite A5. Die Grafik nennt vier Quellen für die dort aufgeführten zehn Zahlen; aus welcher der vier die Zahl stammt ist unbekannt
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