David Howell Petraeus ([pɨˈtreɪ.əs]; * 7. November 1952 in Cornwall-on-Hudson, Orange County, New York) ist seit September 2011 Direktor der CIA und ein ehemaliger General der United States Army.
Petraeus war unter anderem als Soldat seit 2002 über mehrere Jahre im Irakkrieg und bei der Besetzung des Irak seit 2003 an führender Position eingesetzt, zuletzt (Oktober 2008 bis Juni 2010) als Befehlshaber des den US-amerikanischen Streitkräften im Irak und Afghanistan übergeordneten US Central Command. Zudem war er von Juli 2010 bis Juli 2011 Kommandeur über die US Forces Afghanistan und die ISAF. In diesen Funktionen gilt er als führender Kopf hinter der Neuausrichtung der US-Streitkräfte zur Aufstandsbekämpfung hin,[1][2] die in der Veröffentlichung einer neuen Einsatzdoktrin mündete.
Petraeus wurde als Sohn einer niederländisch-amerikanischen Familie geboren. Sein Vater, Sixtus (1915-2008), war ein Kapitän, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten emigriert war. Seine Mutter war Miriam Sweet Howell (1912-1991). Nachdem Petraeus die Cornwall Central High School abgeschlossen hatte, ging er im Alter von 18 Jahren an die US Military Academy in West Point. Diese schloss er 1974 als Zehnter seines Jahrganges ab, erhielt am 5. Juni 1974 sein Offizierspatent und wurde danach zum Infanterieoffizier ausgebildet.[3] 1974 heiratete er Hollister „Holly“ Knowlton, Tochter des ehemaligen Generals William A. Knowlton, zu dieser Zeit Superintendent der Akademie, zwei Monate nach seinem Abschluss. Sie haben einen Sohn und eine Tochter.
Nach der Akademie wurde Petraeus im Mai 1975 als Zugführer eines Platoons sowie als Logistik- (S-4) und Personaloffizier (S-1) eingesetzt. Er wurde zum 509. US-Luftlandebataillon nach Vicenza in Italien versetzt und verließ dieses 1979 wieder, nachdem er am 8. August 1976 zum First Lieutenant und am 8. August 1978 zum Captain befördert worden war. Von 1979 bis 1982 diente Petraeus dann in verschiedenen Verwendungen in der 24. US-Infanteriedivision in Fort Stewart, Georgia. Vom Januar 1979 bis zum Juli desselben Jahres diente er als assistierender Operationsoffizier im Stab der 2. Brigade der Division und vom Juli 1979 bis zum Mai 1981 übernahm er dann den Posten des Kompaniechefs der A-Kompanie, 2. Bataillon, 19. US-Infanterieregiment der Division und diente danach als Operationsoffizier (S-3) desselben Bataillons. Vom Mai 1981 an diente er ein Jahr lang als Adjutant des Kommandeurs der 24. US-Infanteriedivision. Er verließ die Division im Mai 1982 und absolvierte bis zum Juni 1983 das Command and General Staff College in Fort Leavenworth, Kansas, das er als Bester seines Jahrganges und als Gewinner des George-C.-Marshall-Preises abschloss.
Vom Juni 1983 bis zum Juni 1985 studierte Petraeus an der Princeton University in New Jersey und wurde am 1. August 1985 zum Major befördert. Er schloss Princeton mit einem Master of Public Administration ab und arbeitete dann vom Juli 1985 bis zum Juni 1987 als Ausbilder und später als Assistenzprofessor für Internationale Beziehungen am Institut für Sozialwissenschaften an der US Military Academy in West Point.
1987 promovierte er zum Ph. D. in Internationalen Beziehungen an der Woodrow Wilson School of Public and International Affairs der Princeton University. Seine Doktorarbeit The American Military and the Lessons of Vietnam behandelt den Einfluss des Vietnamkrieges auf das militärische Denken, was den Einsatz von Truppen anbelangt.
Vom Juni 1987 bis zum Juni 1988 diente er als militärischer Assistent des Supreme Allied Commander Europe John R. Galvin im Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Belgien. Danach diente er weiter in Europa. Vom Juni 1988 bis Juni 1989 diente er als Operationsoffizier (S-3) des 2. Bataillons, 30. US-Infanterieregiment und danach bis August desselben Jahres als S-3 der 1. Brigade, 3. US-Infanteriedivision der 7. US-Armee in Deutschland.
Zurück in den Vereinigten Staaten diente er vom August 1989 bis zum August 1991 als Sekretär und ausführender Assistent des Chief of Staff of the Army Carl Vuono im Hauptquartier der US Army in Washington. Nach der Beförderung zum Lieutenant Colonel am 1. April 1991 wurde Petraeus nach Fort Campbell, Kentucky, versetzt und kommandierte dort vom August 1991 bis Juli 1993 das 3. Bataillon, 187. US-Infanterieregiment, 101. US-Luftlandedivision. Danach diente er vom Juli 1993 ein Jahr lang als Direktor für Operationen, Planungen, Ausbildung und Mobilisierung (G-3) der Division.
Zudem absolvierte er vom August 1994 bis Januar 1995 ein Forschungsstipendium an der Georgetown University, das im Januar 1995 durch einen Einsatz als Operationschef der UN-Truppen auf Haiti während der Operation Uphold Democracy verkürzt wurde. In dieser Verwendung wurde er dann am 1. September 1995 auch zum Colonel befördert und übernahm bereits im Juni 1995 für zwei Jahre das Kommando über die 1. Brigade der 82. US-Luftlandedivision in Fort Bragg, North Carolina.
Petraeus wurde zweimal im Dienst verwundet, einmal 1991 bei einer realistischen Übung und das andere Mal im Jahre 2000 bei einer harten Fallschirmlandung, bei der er sich das Becken brach.
Im Juni 1997 wurde er wieder ins Pentagon versetzt, wo er als ausführender Assistent des Direktors des Joint Staff diente und danach ab Oktober 1997 der Assistent des Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff Henry H. Shelton wurde. Im August 1999 kehrte Petraeus nach Fort Bragg zurück und diente zuerst als assistierender Divisionskommandeur für Operationen in der 82. US-Luftlandedivision sowie von August bis September 1999 zugleich als Kommandeur der Combined Joint Task Force Kuwait während der Operation Desert Spring. Während dieser Zeit wurde er auch am 1. Januar 2000 zum Brigadier General befördert und diente anschließend von Juli bis August 2000 vorübergehend als amtierender Kommandeur der Division.
Nach dieser Verwendung diente er vom August 2000 bis zum Juni 2001 unter Dan K. McNeill als Stabschef des übergeordneten XVIII. US-Luftlandekorps, ebenfalls in Fort Bragg. Während dieser Zeit hatte er den oben genannten Fallschirmsprung-Unfall.
Im Juni 2001 übernahm Petraeus unter dem Kommando von Lieutenant General John B. Sylvester für ein Jahr Aufgaben als assistierender Stabschef für Operationen der SFOR in Sarajewo, Bosnien und Herzegowina, während der Operation Joint Forge und diente zugleich als stellvertretender Kommandeur der US Joint Interagency Counter-Terrorism Task Force - Bosnia, die nach dem 11. September 2001 als Antiterrorkommando der US-Kräfte in Bosnien eingerichtet wurde.
Petraeus wurde am 1. Januar 2003 zum Major General befördert, kommandierte bereits vom Juli 2002 bis zum Mai 2004 die 101. US-Luftlandedivision. Er führte die ca. 18.000 Soldaten umfassende Division u.a. im Irakkrieg, der Operation Iraqi Freedom, bei der Einnahme Mosuls, und übernahm nach der Zerschlagung des Regimes von Saddam Hussein die schwierige Aufgabe die neuen irakischen Sicherheitskräfte aufzustellen und auszubilden. Er schickte seine 18 000 Soldaten unters Volk und kümmerte sich zügig um den Wiederaufbau, um die Herzen und Köpfe der Menschen zu gewinnen. Binnen zehn Monaten hatten seine Einheiten 4500 Projekte auf den Weg gebracht, die Schulen und Universitäten der Stadt waren wieder in Betrieb, und es gab ansatzweise wieder eine Polizei. Und er setzte auf Ausgleich mit den entmachteten Kadern der Baath-Partei. Mosul galt schon bald als Musterstadt. Für diese Aufgabe wurde er am 18. Mai 2004 zum Lieutenant General befördert und übernahm vom Juni 2004 bis zum September 2005 als Erster das Kommando über das Multi-National Security Transition Command Iraq. Zugleich leitete er vom Oktober 2004 bis zum September 2005 das NATO-Ausbildungskommando - Irak. Die Lage änderte sich dramatisch als die 101. Luftlandedivision im Februar 2004 abzog und die Militärführung nur noch einen halb so starken Truppenverband an die Stadt am Tigris entsandte. Mosul versank im Chaos, die von Petraeus aufgebaute Polizei löste sich auf unter dem Ansturm der Extremisten. Die Radikalen halten den Westteil der Stadt bis heute im Griff, während die Kurden im Osten versuchen, ihre Gebietsansprüche zu zementieren.[4] Mosul gilt 2008, aufgrund des überstürzten Abzuges der Truppen, als die gefährlichste Stadt im Irak. Aus diesem Fehler lernte der General und erfand die Surge Strategie. Er ließ die Truppen im Irak um 30.000 Mann aufstocken.
Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten übernahm er am 20. Oktober 2005 das Kommando über das US Army Combined Arms Center (CAC) in Fort Leavenworth, Kansas. Das CAC ist das Oberkommando für das Command and General Staff College, sowie 17 weiterer Schulen, Zentren und Ausbildungsprogramme der US Army. Während dieser Zeit war er u.a. - zusammen mit Lieutenant General James N. Mattis - für die Erstellung des Feldhandbuchs 3-24 zuständig.[5] Dieses Handbuch stellte die neue Richtlinie der US Army für die „Aufstandsbekämpfung“ (counterinsurgency) dar. Als im Dezember 2006 bekannt wurde, dass General John Abizaid im Frühjahr 2007 vom Posten des Befehlshabers des US Central Command, u.a. zuständig für den Nahen Osten, in den Ruhestand treten werde, galten Petraeus und George W. Casey, Jr. als aussichtsreichste Anwärter auf den Posten.[6]
Im Januar 2007 wurde dann bekannt, dass Petraeus, anders als vermutet, Casey auf den Posten des Kommandeurs der Multi-National Force Iraq folgen soll.[7][8] Diese Nominierung bestätigte das Armed Services Committee des US-Senats am 26. Januar 2007.[9] So übernahm Petraeus schließlich am 10. Februar 2007 das Kommando von Casey.[10] Bis zu seiner Übernahme des Kommandos schien die amerikanische Mission im Irak epochal gescheitert. Seit Sommer 2007 gehen Gewalt und Terror im Irak markant zurück.[11]
Durch den Rücktritt von Admiral William J. Fallon als Befehlshaber des US Central Command wurde ebendieser Posten im März 2008 unerwartet frei. Daraufhin wurde Petraeus im April als Fallons Nachfolger nominiert und im Juli vom US-Senat bestätigt.[12][13] Daher übernahm General Raymond T. Odierno am 16. September 2008 Petraeus' Posten als Kommandeur der Multi-National Force Iraq. Am 31. Oktober 2008 übernahm Petraeus schließlich von Interimskommandeur Martin Dempsey das Kommando von USCENTCOM auf der MacDill Air Force Base in Florida.
Am 25. Juni 2010 wurde Petraeus für den Posten des Kommandeurs der ISAF und somit als Nachfolger von General Stanley A. McChrystal nominiert, nachdem dieser aufgrund abschätziger Bemerkungen über die Obama-Regierung in einem Artikel der Zeitschrift Rolling Stone vom US-Präsidenten seines Amtes enthoben worden war. Der US-Senat bestätigte am 30. Juni einstimmig Petraeus’ Ernennung zum Kommandeur.[14] Daraufhin übernahm Petraeus am 2. Juli 2010 in Kabul das Kommando der ISAF. Am 18. Juli 2011 übergab Petraeus das ISAF-Kommando an seinen Nachfolger, US-Marines General John R. Allen.[15]
Am 27. April 2011 wurde bekannt, dass der bisherige US-Verteidigungsminister Robert Gates im Sommer 2011 zurücktreten wird. Nachfolger von Gates wurde zum Juli 2011 der bisherige CIA-Direktor Leon Panetta. Als Nachfolger stand bald Petraeus fest. Am 31. August 2011 wurde Petraeus daraufhin nach 37 Dienstjahren aus den Streitkräften verabschiedet[16] und am 6. September 2011 im Weißen Haus vereidigt.[17]
Seine Auszeichnungen umfassen u. a.:
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