| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel | Der Ghostwriter |
| Originaltitel | The Ghost Writer |
| Produktionsland | Frankreich,Deutschland,Vereinigtes Königreich |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| Länge | 128 Minuten |
| Altersfreigabe | FSK 12[1] |
| Stab | |
| Regie | Roman Polański |
| Drehbuch | Roman Polański,Robert HarrisRomanvorlage: Robert Harris |
| Produktion | Roman Polański,Alain Sarde,Robert Benmussa |
| Musik | Alexandre Desplat |
| Kamera | Paweł Edelman |
| Schnitt | Hervé de Luze |
| Besetzung | |
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Der Ghostwriter (The Ghost Writer) ist ein Politthriller von Regisseur Roman Polański, der auf dem Roman Ghost von Robert Harris basiert. Der Film feierte 2010 seine Welturaufführung auf der Berlinale 2010, wo er um einen Goldenen Bären konkurrierte. Im selben Jahr wurde die Produktion mit dem Europäischen Filmpreis prämiert.
Der Film beginnt mit einer Szene auf einer Fähre. Als die Fähre andockt, fahren alle Autos von Bord, bis auf eines. Dann wird eine Leiche an einem Strand gezeigt. Bei der Leiche handelt es sich um Mike McAra, den Ghostwriter von Adam Lang, einem ehemaligen britischen Premierminister. Es wird vermutet, dass er Selbstmord begangen hat, indem er von Bord der Fähre gesprungen ist, da in seinem Blut eine hohe Konzentration von Alkohol gefunden wird. Daraufhin erklärt sich ein erfolgreicher britischer Ghostwriter, „der Ghost“, bereit, die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang zu vollenden, die größte Chance im beruflichen Leben des Ghosts. Ihm wird ein Gehalt von 250.000 $ angeboten.
Der Ghostwriter fliegt in die USA, um dort mit Lang an seinen Memoiren zu arbeiten. Adam Lang ist wegen seiner Rolle im Irakkrieg unter Druck geraten. Er wird vom früheren britischen Außenminister und UN-Beauftragten Richard Rycart angeklagt, Terrorverdächtige entführt und gefoltert zu haben, und hat sich auf die Insel Martha’s Vineyard zurückgezogen. Zusammen mit einer kleinen Gefolgschaft, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, fühlt er sich im bunkerartigen Ferienhaus eines Mäzens vor einer Auslieferung sicher, da die Vereinigten Staaten von Amerika den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen. Die Gefolgschaft lebt unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Der Ghost lebt am Anfang in einem Hotel auf der Insel, muss aber relativ schnell auf das Anwesen des Mäzens ziehen, weil bekannt wird, dass Lang auf der Insel ist und das Hotel mit Journalisten überfüllt ist. Lang fliegt dann nach Washington D.C., um seine Unschuld zu beweisen.
Die USA sehen in McAras Manuskript eine Bedrohung der nationalen Sicherheit; das Manuskript darf daher das Haus nicht verlassen. Der Ghost stößt bald auf Ungereimtheiten in Langs Leben, als er McAras Zimmer ausräumen möchte. Er findet in einem Briefumschlag, der auf die Unterseite einer Schublade geklebt wurde, mehrere Bilder aus Langs Zeit an der Cambridge University. Der Ghost macht, während eines kleinen Ausflugs mit dem Fahrrad, die Bekanntschaft eines alten Inselbewohners, der von der Nacht erzählt, in der McAras Leiche angespült wurde. Der berichtet von Taschenlampen am Fundort und vertritt die These, die Leiche von McAra könne unmöglich dort angespült worden sein, weil dies die Strömung nicht erlaube. Auch Langs Frau Ruth zweifelt an der offiziellen Version der Geschichte. Der Ghost zieht nun wieder in das Hotel zurück und fährt McAras altes Auto, welches am Anfang des Films auf der Fähre stand. Im Navigationssystem ist noch eine Zieladresse eingespeichert. Der Ghost folgt dem Navigationssystem und gelangt zu Paul Emmett, dem Mann, den McAra vor seinem Tod besuchen wollte. Paul Emmett ist auch auf den Fotos aus Langs Jugend zu sehen und der Ghost befragt ihn zu diesen Fotos. Emmett reagiert relativ höflich, gibt ihm aber wenige Informationen und bittet den Ghost zu gehen. Nun wird auch das Leben des Ghosts bedroht, als er vom Besuch bei Paul Emmett zurück fährt. Er wird von einem schwarzen Auto verfolgt, kann es jedoch durch eine List abhängen. Als er jedoch mit der Fähre auf die Insel zurückkehren will, taucht das Auto wieder auf und die beiden Insassen beginnen nach dem Ghost zu suchen. Jedoch kann dieser rechtzeitig von dem Schiff fliehen und bleibt auf dem Festland zurück und mietet sich in einem Motel ein. In seinem Hotelzimmer ruft er Rycart an, woraufhin dieser sich mit ihm treffen will.
Er tauscht sich mit dem Kläger Richard Rycart aus, zu dem McAra bereits Kontakt hergestellt hatte. Während sich Rycart und der Ghost unterhalten, ruft Lang an und möchte sich mit ihm am Flugplatz treffen. Der Ghost konfrontiert Lang während des Fluges mit seinen Vermutungen, er, Lang, habe Verbindungen zur CIA, aber er streitet alles ab. Als sie dann das Flugzeug verlassen, wird Lang von einem ehemaligen Soldaten erschossen, dessen Sohn im Irak-Krieg getötet wurde.
Die Biographie wird trotzdem vollendet und veröffentlicht. Bei der Buchpräsentation entdeckt der Ghost, dass McAra im Manuskript eine Botschaft versteckt hat, nach der nicht Lang, sondern dessen Frau Ruth eine CIA-Agentin ist. Die Botschaft ist in den Anfängen jedes Kapitels versteckt. Nach Ruths Aussage hat sie ihren Mann stets beraten; tatsächlich also handelte nicht er als Politiker im Sinne der USA, sondern seine Frau hatte die Entscheidungen getroffen. In der letzten Szene verlässt der Ghost die Bücherpräsentation. Er ist nicht mehr im Bild, man hört jedoch ein Auto, einen Knall und sieht dann nur noch wie die Blätter des Manuskripts über die Straße wehen.
Regisseur Roman Polański sprach schon im Jahr 2007 mit Robert Harris über eine Verfilmung von dessen Roman Pompeji. Der Film, den ursprünglich Summit Entertainment produzieren sollte, wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2007 mit 100 Mio. Dollar als potenziell teuerster europäischer Film aller Zeiten vorgestellt. Polański zog sich aber 2008 aus dem Projekt zurück, da die angekündigten Autorenstreiks bei ihm zu Terminschwierigkeiten geführt hätten.
Polański widmete sich dann Ghost, dem aktuelleren Roman von Harris. Die beiden begannen mit dem Drehbuch, die Dreharbeiten sollten ursprünglich schon Anfang 2008 beginnen. Als Hauptfigur „The Ghost“ war zuerst Nicolas Cage vorgesehen, der schließlich durch Ewan McGregor ersetzt wurde.
Der Ghostwriter wurde von Februar bis Mai 2009[2] in den Babelsberger Studios (Potsdam), auf dem Flugplatz Strausberg bei Berlin, auf der Ostsee-Insel Usedom und auf den Nordsee-Inseln Rømø und Sylt gedreht; die Inseln dienten als Ersatz für die US-Insel Martha’s Vineyard.[3] Als Verlagsgebäude von Rhineheart Inc. diente die Charlottenstraße 47 in Berlin-Mitte, zwischen Gendarmenmarkt und Unter den Linden. Die Aufnahmen für die Zufahrt und Umgebung von Emmetts Haus entstanden auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.[4]
→ siehe hierzu: Roman Polańskis Festnahme
Am 26. September 2009 wurde Regisseur Polański bei der Einreise in die Schweiz am Flughafen Zürich wegen eines internationalen Haftbefehls von 2005 verhaftet. Da der Film sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Postproduktionsphase befand, mussten die Mitwirkenden ohne ihren Regisseur auskommen. Polańskis Haft wurde ab dem 4. Dezember 2009 durch elektronisch überwachten Hausarrest ersetzt; der Regisseur arbeitete nun von seinem Haus aus an der Postproduktion von Der Ghostwriter mit, indem ihm DVDs mit Ausschnitten der jeweiligen Versionen des Films geschickt wurden.
Der Film wurde von RP Films, France 2 Cinéma und Elfte Babelsberg Film produziert. Summit Entertainment ist der amerikanische, Kinowelt der deutsche Filmverleih.[5]
Der Ghostwriter kostete ca. 40 Millionen US-Dollar.[6]
Der Autor der Romanvorlage, Robert Harris, war mit dem ehemaligen Premierminister Tony Blair um 1997 befreundet. 2007 rechnete er jedoch mit ihm ab und obwohl die Charaktere im Film Adam Lang und Richard Rycart heißen, sind die Bezüge zu Blair und seinem ehemaligen und 2005 plötzlich verstorbenen Außenminister Robin Cook unverkennbar.[7][8]
Das Lexikon des Internationalen Films nennt den Film ein „virtuos zwischen Polit-Thriller und griechischer Tragödie angesiedeltes Krimi-Vexierspiel um die Mechanismen der Macht und den korrumpierenden Einfluss, den sie auf Menschen ausübt. Glänzend gespielt, überzeugend in der Spannungsdramaturgie, pointiert im Einsatz von Humor und Handlungsdetails.“[9]
Critic.de schreibt, dass „alles ist, wie es sein sollte.“ Die Besetzung von Pierce Brosnan als Ex-Premierminister sei „allein schon ein deutlicher Fingerzeig, zynischer als durch den vorletzten, großspurig-machohaften James Bond“ könne man Großbritannien nur sehr schwer repräsentieren. Brosnan brilliere hier. Ewan McGregors Darstellung eines namenlosen Ghostwriters werde jedoch „zunehmend steifer“. Dennoch sei der Film „Entertainment auf höchstem Niveau“, düster und sogar ein wenig humorvoll.[10]
In der Süddeutschen Zeitung ist zu lesen, dass die „Adam-Lang-Geschichte, die sich Harris in seiner Enttäuschung über Blair ausgedacht hat“, für Amerika kein Kompliment sei.[11]
Trotz der eindeutigen Parallelen zur Person Tony Blairs tat der Autor der Vorlage, Robert Harris, in den Augen von DIE WELT gut daran, diesen Hintergrund im Vorfeld des Kinostarts etwas zu marginalisieren, „denn Polanski und er haben keine Politbiographie gedreht, sondern einen Thriller, und einen erstklassigen dazu“.[12]
Der Spiegel schreibt, dass der Film „also als Kommentar in eigener Sache“ verstanden werden könne.[13]
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, dass das Beste die Schauplätze seien. Das Strandhaus biete zwar Aussicht auf menschenleere Strände und auf das graue Meer, versprühe aber den „Charme eines Hochsicherheittrakts“. Die Art, wie Polański erzähle, biete jedoch keinerlei Spannung.[14]
In der NZZ urteilt man: „The Ghost Writer ist Polanskis bester Film seit langem. In der schnörkellosen Inszenierung zeigt er sein ganzes handwerkliches Können und erweist dem Grossmeister des Suspense, Alfred Hitchcock, seine Reverenz.“[15]
Die Zeit schreibt, dass Adam Lang „paranoid und feindselig“ sei, zudem „in seiner kalten Einsamkeit vom Wunsch zerfressen, vor der Geschichte und den Toten doch noch Recht zu bekommen.“ Hier gelängen Regisseur Polański die besten Szenen. Der Rest des Films erfülle die „Gesetze des Thrillers“.[16]
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