Deutsch-Türken oder Deutschtürken ist ein umgangssprachlicher Begriff für deutsche Staatsbürger, die oder deren Vorfahren ihren Wohnsitz in der Türkei hatten. Oft sind allerdings mit dem Begriff Deutsch-Türken alle ethnischen Türken gemeint, die in Deutschland leben, und zwar unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Der Einbezug von Kurden und anderen Angehörigen nicht-türkischer Ethnien, die aus der Türkei zugewandert sind, in den Begriff Deutsch-Türken erfolgt entweder in Unkenntnis der ethnischen Identität der betreffenden (ehemaligen) türkischen Staatsbürger oder dann, wenn der Wortbestandteil „-türke“ allein auf die (ehemalige) Staatsangehörigkeit bezogen wird, wie etwa in einer Umfrage der Wochenzeitung „Die Zeit“ unter Deutschtürken.[1]
Der Begriff bezieht sich, so der Ansatz schon in frühen Verwendungen, normalerweise nicht auf eine (Doppel-)Staatsangehörigkeit oder einer doppelten ethnischen Zugehörigkeit (ein deutscher und ein türkischer Elternteil), sondern soll vielmehr die Tatsache widerspiegeln, dass Deutschland für die meisten dort lebenden Türkeistämmigen zum Lebensmittelpunkt geworden ist.[2]
Vergleicht man den Begriff mit analogen wie Deutsch- oder Anglo-Amerikaner, fällt auf, dass „Deutschtürke“ den Regeln folgend eigentlich einen türkischen Staatsbürger, der ursprünglich aus Deutschland kommt, bezeichnen müsste. Der Begriff wird daher von Sozialwissenschaftlern auch als zum Teil desintegrativ bewertet, da die Wortbildungsregeln der deutschen Sprache besagen, dass bei Zusammensetzungen von Wörtern das am Ende stehende Wort die wesentliche Bedeutung trägt und damit Deutschtürken selbst nach Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin in erster Linie als Türken wahrgenommen würden. Rund ein Drittel der 2007 in Deutschland lebenden Deutschtürken haben nie in der Türkei gelebt, eine große Anzahl weiterer sind bereits als Kinder eingewandert. Andere wiederum sind erst in der letzten Zeit aus der Türkei nach Deutschland gekommen.
Diplom-Pädagoge und Sachbuchrezensent Dr. Yalçın Yıldız sieht den Begriff ebenfalls als „per se problematisch“ an und weist darauf hin, dass sich an seiner vielfachen Nichthinterfragung Grenzen interkultureller Forschung aufzeigen.[3] Caroline Fetscher vom Tagesspiegel sieht den Begriff auch in erster Linie durch die deutsche Gesellschaft geprägt.[4] In vielen Fällen können dahinter auch politische Wertungen oder Absichten stehen.
Die deutsch-türkische Flagge (teilweise DeuTürk-Fahne genannt)[5] ist eine deutsche Trikolore in Schwarz-Rot-Gold mit den türkischen Symbolen Halbmond und Stern.
Die Flagge hat keinen offiziellen Status, wird aber immer wieder als Symbol für türkische Einwanderer und ihre Nachkommen in Deutschland verwendet,[6] um deren Verbundenheit sowohl mit ihren türkischen Wurzeln als auch mit ihrer neuen Heimat Deutschland darzustellen.[7]
Die Erfindung der Flagge beanspruchen Fevzi Ömer Han[7] und Behçet Algan aus Hamburg[5] für sich. Algan übergab sein Exemplar dem Hamburger Museum für Völkerkunde, wo sie 2006 in der Ausstellung Faszination Fußball gezeigt wurde.[8] Han erklärte: „Für mich und viele andere Türken ist Deutschland die zweite Heimat. Da die Türkei bei der WM nicht dabei ist, halten wir zu den Deutschen.“ Tatsächlich tauchte die Flagge vermehrt in verschiedenen deutschen Städten, wie München und Berlin, während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auf[9] und auch zwei Jahre später zeigten viele Fans sie bei der Fußball-Europameisterschaft 2008, als die Türkei und Deutschland aufeinandertrafen.[10][11] Hier wurde mit der Vereinigung deutscher und türkischer Symbole für ein friedliches Fußballspiel geworben. Verschiedene Medien, wie zum Beispiel die TAZ nahmen dieses auf,[12] verwenden sie aber auch unabhängig vom Fußball für deutsch-türkische Themen[13] und dies schon vor 2006. So wurde die Flagge bereits 1997 auf einem Cover einer Publikation der Zeit benutzt.[14] Das Sonderheft des Zeitmagazins Türken in Deutschland (Nr. 51/97) erhielt vom Art Directors Club eine Auszeichnung in der Kategorie „Zeitschriftengestaltung“.[15]
Da es keine festgelegten Vorgaben für die Flagge gibt, existieren verschiedene Varianten der Flagge. So können Halbmond und Stern auch goldfarben sein[6] oder auf einer roten Scheibe im Zentrum der Trikolore ruhen.[16] Eine weitere Form führt einen verbreiterten roten Streifen mit Halbmond und Stern.[17]
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Deutsch-Türken aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |