Die heutigen guten deutsch-französischen Beziehungen sind das Ergebnis der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie bedeuten eine Umkehr der Verhältnisse, die zunächst durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870–1871 und anschließend von der deutsch-französischen Erbfeindschaft gekennzeichnet waren.
Deutschland und Frankreich, die spätestens nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/1871 Erbfeinde wurden und im Ersten und Zweiten Weltkrieg gegeneinander kämpften, sind seit der Europa-Erklärung Jean Monnets und Robert Schumans am 9. Mai 1950 treibende Kräfte in der europäischen Integration.
Die vertrauensbildenden Maßnahmen in der EGKS (ab 1952) und den Europäischen Gemeinschaften (ab 1958) führten schließlich zum Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963, der die guten Beziehungen und die 'Freundschaft' zwischen Deutschland und Frankreich institutionalisierte. Die politische Ausgestaltung des Vertrages sieht regelmäßige Konsultationen der deutschen und französischen Regierung vor.
Seit dem Beginn der deutsch-französischen Kooperation, die von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle angestoßen wurde, haben sich jeweils "Paare" aus den Staats- bzw. Regierungschefs der beiden Länder gebildet, die zum Teil große Fortschritte für Europa sowie die deutsch-französischen Beziehungen durchgesetzt haben.
Da die Kontakte zwischen dem Kanzler Ludwig Erhard (1963–1966) bzw. Kurt Georg Kiesinger (1966–1969) und Präsident de Gaulle (1958–1969) sowie zwischen Kanzler Willy Brandt (1969–1974) und dem französischen Präsidenten Georges Pompidou (1969–1974) eher frostig blieben,[1] beschränkte sich die Zusammenarbeit hauptsächlich auf schulpolitische Maßnahmen (siehe unten).
Mit dem Amtsantritt von Helmut Schmidt (1974–1982) und Valéry Giscard d'Estaing (1974–1981) im Jahr 1974 wurden die deutsch-französischen Beziehungen wieder herzlicher und produktiver: Zusammen regten die beiden die Bildung des Europäischen Währungssystems sowie die Direktwahl des Europäischen Parlaments 1979 an.
Ähnlich verhielt es sich bei Helmut Kohl (1982–1998) und François Mitterrand (1981–1995), die 1984 gemeinsam das symbolträchtige Schlachtfeld von Verdun besuchten, auf dem beide Länder einst gegeneinander gekämpft hatten. Des Weiteren wirkten beide auf die Gründung des deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrats sowie des Wirtschafts- und Finanzrats hin und plädierten für eine einheitliche europäische Außen- und Sicherheitspolitik. Auch für die Entstehung des europäischen Binnenmarktes 1986 und der EU 1993 im Zusammenhang mit dem Vertrag von Maastricht haben Kohl und Mitterrand einen wichtigen Beitrag geleistet.
Der Regierungswechsel tat den intensiven Beziehungen beider Länder keinen Abbruch: Jacques Chirac (1995–2007) und Gerhard Schröder (1998–2005) führten das Begonnene fort. Die Treffen der beiden Staats- und Regierungschefs werden häufiger - die informellen sogenannten Blaesheim-Treffen finden seit 2001 alle sechs bis acht Wochen statt. Im Rahmen des Irakkriegs positionierten sich beide gegen die amerikanische Politik; im Oktober 2003 ließ sich Gerhard Schröder sogar von Chirac bei einer Sitzung im Europäischen Rat vertreten.
Die Zusammenarbeit der beiden Nachfolger Angela Merkel (seit 2005) und Nicolas Sarkozy (2007–2012) zeichnete sich insbesondere durch die gemeinsame Koordinierung des weiteren Vorgehens der europäischen Staats- und Regierungschefs während der Staatsschuldenkrise im Euroraum aus. Die in den gemeinsamen Treffen von Merkel und Sarkozy gefassten Beschlüsse mussten von den anderen Staats- und Regierungschefs meist nur noch abgesegnet werden. Während der Berichterstattung kreierten die Medien das aus den beiden Namen bestehende Kofferwort Merkozy.
![]()
Die Einführung von Französisch als Fremdsprache schon in den Grundschulen ist sehr bedeutend. Auch in Frankreich ist Deutsch nach Englisch und Spanisch eine der wichtigsten und meistgewählten Fremdsprachen. Besonders links und rechts des Mittelrheins und im Saarland ist die Amtssprache des Nachbarn in den Grundschulen ein zentrales Unterrichtsfach. Demgegenüber steht jedoch die restriktive Politik Frankreichs gegenüber Minderheitssprachen und damit auch dem Deutschen, die trotz der Aussöhnung nach dem Krieg entschieden vorangetrieben wurde.
Deutschland und Frankreich sind die beiden EU-Staaten, die in Medien häufig als der 'Motor' der europäischen Einigung bezeichnet wurden. Staatsmänner beider Länder haben teilweise weitreichende Ideen zur europäischen Einigung vorgelegt (u. a. Jacques Chirac, siehe Kerneuropa). Selten wurde eine Konföderation zwischen den beiden Staaten angedacht.
| Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Hilf bitte der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
Der am 22. Januar 1963 unterschriebene „Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit“, bekannt als Élysée-Vertrag, ist in erster Linie als ein Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen zu sehen. Frankreich hatte Angst davor, dass die Bundesrepublik Deutschland in den Sog der Sowjetunion geraten könne. Deutschland dagegen hatte Befürchtungen, dass es eine französische Entspannungspolitik zu Lasten Deutschlands geben könnte. Obwohl beide Regierungen die Stalin-Note vom März 1952 und die Idee eines neutralen Gesamtdeutschlands ablehnten, gab es auf beiden Seiten jedoch sehr unterschiedliche Interessen.
Frankreich wollte Deutschland mit der Zusammenarbeit aus dem Machtbereich der USA herausholen und sich selbst wieder als „Grande Nation“ etablieren. Die Zustimmung Deutschlands zum Vertrag führte zu starker Kritik der Opposition im deutschen Bundestag, aber auch durch die USA. Der Grund dafür war die gleichzeitige Ablehnung eines britischen Beitritts zur EWG durch die französische Regierung.
Zu Beginn des Vertrages sah es nach einem Scheitern aus. Die Deutschen schafften es, dem Vertrag eine Präambel voranzustellen, in der als Ziel die Verpflichtung zu engen politischen, wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Beziehungen zu den USA, Großbritannien und der NATO sowie die Wiederherstellung der deutschen Einheit ausgegeben wurde.
Der Erfolg dieses Vertrages beruht vor allem auf der bilateralen Zusammenarbeit sowie auf der Koordination in Politik, Wirtschaft und Verwaltung als organisatorische Regel. Als Beispiel sei hier das halbjährliche Treffen der Staats- und Regierungschefs genannt. Es gab eine einzige Revision des Gesetzestextes. Diese stammt vom 22. Januar 1988. Die Treffen wurden auf allen Ebenen noch enger geknüpft.
Bei den Konsultationen ging es im Wesentlichen um drei Punkte. Man wollte:
Die ganze Entwicklung führte zu einem Aufschwung der deutsch-französischen Beziehungen und im Rahmen der Europapolitik zu einer stärkeren Verhandlungsposition gegenüber den USA. Im Bereich der Europapolitik sind die Ansätze zwar weiter unterschiedlich, jedoch konnte man einige wichtige Erfolge verzeichnen (z. B. 1986 die Einigung auf einen gemeinsamen Binnenmarkt). Viele Punkte des Vertrages sind allerdings mittlerweile hinfällig, da sie durch die EU vorgegeben werden. Beide Länder sind mittlerweile als Integrationsmotor mit Blick einer Europäischen Vereinigung zu sehen.
Im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik gab es anfangs nur sehr zögerlich eine Zusammenarbeit. Grund hierfür waren unterschiedliche Ziele. Frankreich verfolgt eine europäische, antiamerikanische Politik, während Adenauer die Annäherung an die USA suchte. Später intensivierten die Franzosen jedoch die Zusammenarbeit, da sie eine Hinwendung Deutschlands nach Osteuropa befürchteten. Mittlerweile stellt sich die Frage der Wiederbelebung der Zusammenarbeit beider Länder. Allerdings gibt es immer wieder Grenzen, beispielsweise beim Nationalbegriff oder den Strukturen beider Staaten.
Bereits seit langem stellt die politische Presse (z. B. Der Spiegel) größere Abweichungen zwischen dem Ideal der deutsch-französischen Freundschaft und der Realität heftiger Konkurrenz zwischen beiden Ländern fest. Die Staatenkartelltheorie der Internationalen Beziehungen leitet hieraus den Befund ab, es handele sich bei der deutsch-französischen Freundschaft um ein strategisches Bündnis, um eine kalkulierte Machtallianz: Sie sei „wesentlich eine ideologisch unterfütterte Kartellbeherrschungsstrategie“ innerhalb der Europäischen Union. [2]
→ Siehe auch: Literatur unter Élysée-Vertrag
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Deutsch-französische_Beziehungen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |