Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (DASD) wurde am 28. August 1949, dem 200. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes, in der Frankfurter Paulskirche gegründet und hat ihren Sitz in Darmstadt. Sie ist eine Vereinigung von Schriftstellern und Gelehrten, die sich der Pflege, Vertretung und Förderung der deutschen Literatur und Sprache zur Aufgabe gemacht hat.
Besonders bekannt ist die Akademie durch die jährliche Vergabe des Georg-Büchner-Preises.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ist ein eingetragener Verein, der zu etwa 90 % aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.
Die Akademie setzt sich aus ordentlichen, außerordentlichen, korrespondierenden und Ehrenmitgliedern zusammen, die auf Lebenszeit gewählt werden. Organe der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sind:
In der Akademie sind alle Gebiete der Literatur und Sprache vertreten; so können Lyriker, Dramatiker, Erzähler, Essayisten, Übersetzer, Historiker, Philosophen und andere in deutscher Sprache publizierende Wissenschaftler berufen werden. Der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering ist seit Oktober 2011 Präsident der Akademie.
Im Juni 2011 belief sich die Zahl der Akademiemitglieder auf 184.
Zwei Tagungen der Akademie, eine im Frühjahr und eine im Herbst, dienen der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Sprache und der Literatur. Ein Teil der Arbeitssitzungen während dieser Tagungen ist öffentlich. Die Frühjahrstagungen werden abwechselnd in verschiedenen Städten Deutschlands und des Auslands abgehalten. Die Herbsttagungen finden regelmäßig am Sitz der Akademie in Darmstadt statt.
Die Akademie verleiht jährlich fünf Preise. Während der Frühjahrstagung sind dies der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung und der Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland.
Der Georg-Büchner-Preis, der als Deutschlands angesehenster Literaturpreis gilt, sowie der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay und der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa werden während der Herbsttagung vergeben.
Für jeden der fünf Preise gibt es eine Kommission innerhalb der Akademie, die die Kandidaten vorschlägt, über deren Preiswürdigkeit eine Jury entscheidet, die aus dem Erweiterten Präsidium, dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und den Beiräten der Akademie, besteht.
In einer durch die Akademie herausgegebenen Publikationsreihe wird ein Teil der zwischen 1933 und 1945 unterdrückten und verfolgten Literatur der Gegenwart zur Verfügung gestellt, als Würdigung und auch, um die durch den Nationalsozialismus entstandene Unterbrechung der literarischen Tradition zu überwinden. So wurden vergessene oder noch nicht entdeckte Werke von Oskar Loerke, Gertrud Kolmar und Alfred Mombert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In ihren seit 1954 erscheinenden Jahrbüchern veröffentlicht die Akademie die auf den Tagungen gehaltenen Vorträge und Referate, die Reden der Preisträger und ihrer Laudatoren sowie Nachrufe auf verstorbene und Selbstvorstellungen neu gewählter Mitglieder (Lit.: Wie sie sich selber sehen. Antrittsreden ...).
Die prämierten Antworten auf die von 1964 bis 2000 regelmäßig gestellten Preisfragen zu Problemen der Sprache, Literatur und Gesellschaft wurden in der Reihe der Preisschriften publiziert.
Seit 1984 erscheint die Schriftenreihe Dichtung und Sprache, in der insbesondere kritische jüngere Autoren der Gegenwart ein Forum erhalten sollen.
Im Jahr 2008 hatte sich die Akademie zum Beispiel der Initiative „Bücher für den Irak“ angeschlossen und zur Unterstützung einer Büchersammlung aufgerufen. Im Frühjahr 2010 kündigten die Deutsche Akademie und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ein gemeinsames Projekt an, das die Beobachtung der Sprachentwicklung künftig mit einem regelmäßigen „Bericht zur Lage der deutschen Sprache“ begleiten soll.
Seit 1996 beschäftigte sich die Akademie intensiv mit der Rechtschreibreform, der sie sehr kritisch gegenüberstand. Der damalige Präsident der Akademie, Christian Meier, vertrat deren Standpunkt unter anderem in der Anhörung des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtschreibreform am 12. Mai 1998. Dabei wies Meier auf die Parallelen der Rechtschreibreform von 1996 zur geplanten Reform des Reichserziehungsministers Bernhard Rust von 1944 hin, die – wäre sie durchgeführt worden – bisher „der einzige tiefere Eingriff von Staats wegen in die deutsche Rechtschreibung“ gewesen wäre. Zu Dokumentationszwecken erstellte die Akademie dazu eine Untersuchung (Lit.: Rechtschreibreform und Nationalsozialismus).
Daneben analysierte die Rechtschreibkommission der Akademie verschiedene Auflagen des Dudens und veröffentlichte als Beitrag zur Reformdiskussion einen Kompromissvorschlag (Lit.: Zur Reform der deutschen Rechtschreibung. Ein Kompromißvorschlag.). Sie beteiligte sich damit an der Diskussion mit der Zwischenstaatlichen Kommission. 2004 wurde die Zwischenstaatliche Kommission durch die Kultusministerkonferenz aufgelöst und an ihrer Stelle ein „Rat für deutsche Rechtschreibung“ eingesetzt. Die Akademie ist mit zwei Sitzen in diesem Rat vertreten.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung veröffentlichte 2002 ihre „Stellungnahme zur Debatte über den zunehmenden Einfluß des Englischen auf die deutsche Sprache“. Fazit 1: Die Integrationskraft der deutschen Sprache ist groß genug, den Einfluss des Englischen zu verkraften, zumal der Anteil des englischen Wortschatzes an unseren Lexika der Gesamtsprache weniger als 5 % beträgt. Eine große Zahl englischer Wörter, die in wechselnden Zusammenhängen auftauchen, verschwinden rasch wieder und erweisen sich als Eintagsfliegen. Fazit 2: Der Gebrauch des Deutschen in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur bedarf öffentlicher Aufmerksamkeit und Reflexion. Gegenüber der Universalsprache Englisch muss es unser Interesse sein, das Deutsche so weit wie möglich zu behaupten und zu entwickeln. Parallel zu entsprechenden Bemühungen in Frankreich und Polen, Italien und Schweden ist größter Wert auf die Bewahrung der Mehrsprachigkeit zu legen. (Lit.: Die Wissenschaft spricht Englisch?)
(Schriftenreihen)
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