Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (Amerikanische Psychiatrische Vereinigung), die es erstmals 1952 in den USA herausgegeben hat. Seither erscheinen auch Ausgaben in anderen Ländern: Beispielsweise gibt es seit 1996 eine deutsche Ausgabe des DSM-IV. Aktuell liegt die vierte Auflage (DSM-IV) vor, die 1994 veröffentlicht wurde und im Jahr 2000 eine Textrevision (DSM-IV-TR) erfuhr (Stand: März 2003).[1]
Der Inhalt des DSM wird von Experten festgelegt, um Diagnosen reproduzierbar zu gestalten. Die Klassifikation wurde erstellt, um die Diagnose und Heilung zu erleichtern, weswegen die Nomenklatur heute in Kliniken und Versicherungsgesellschaften gebräuchlich ist.
Das DSM-IV ist ein Ersatz und/oder eine Ergänzung für die jeweiligen Passagen im ICD-10.
Die ICD-10 ist ein internationales Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Das DSM-IV ist ein nationales Klassifikationssystem der Vereinigten Staaten von Amerika. Es muss daher nicht die zahlreichen Kompromisse und Ergänzungen der ICD-10 berücksichtigen und beinhaltet speziellere und genauere diagnostische Kriterien. Das macht es für die Forschung sehr interessant. Die ICD-10 hingegen setzt ihren Schwerpunkt intensiver auf die interkulturelle Perspektive und die Anwendbarkeit vor allem auch in den Ländern der Dritten Welt.
DSM-IV berücksichtigt im Gegensatz zur ICD-10 geschlechtsspezifische Unterschiede.
Das aktuell gültige DSM-IV vergibt keine eigenen Klassifikationsschlüssel, sondern eine von der APA ausgewählte Teilmenge jener Nummern, welche im 1979-1997 gültigen ICD-9 zur Klassifikation psychiatrischer Krankheiten vorgesehen waren. Die ICD-10 hat andere Klassifikationsschlüssel, was den Vergleich erschwert.
1840 wurde in den Vereinigten Staaten bei einer Volkszählung eine Kategorie für Schwachsinn/Wahnsinn erhoben. 40 Jahre später gab es schon sieben Kategorien für schwere Geisteskrankheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Soldaten, die wegen weniger schweren psychischen Störungen behandelt werden mussten. So entwickelten die Veteranenverbände und die US-Armee eine umfassendere Klassifikation.
Schließlich übernahm 1952 die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung die Ausarbeitung des DSM. Dabei versuchten sie, die Klassifikationsschlüssel mit der damaligen ICD 6 abzustimmen. 1968 erschien die zweite Ausgabe des DSM. Sie hatte noch wenig Einfluss auf psychiatrische Lehre, Forschung und klinische Praxis. Als der bekannte Psychoanalytiker Irving Bieber gefragt wurde „Hast Du die schrecklichen Neuigkeiten gehört? Sie nehmen Homosexualität aus den zukünftigen Drucken von DSM-II heraus.“ antwortete er „Was ist DSM-II?“.[2]
Erst beim DSM-III (1980) wurden die von der WHO geforderten genauen Definitionen der psychischen Störungen berücksichtigt. Die dritte Ausgabe stellte dabei einen Einschnitt in die bisherige Klassifizierung dar, unter anderem aufgrund der multiaxialen Einteilung (siehe unten) und der weitestgehenden Loslösung von ätiologie- und theoriebezogener Terminologie. Klerman bezeichnete das DSM-III als „Paradigmen-Wechsel“. Die unter Leitung von Robert L. Spitzer erstellte Version wurde die erste weithin angenommene. 1987 folgte eine Revision dieser Auflage (DSM-III-R) und bereits 1994 das DSM-IV. Die Textrevision der vierten Auflage (DSM-IV-TR) wurde 2000 veröffentlicht.
1984 lag das DSM-III auch in deutscher Publikation vor, 1989 das DSM-III-R; seit 1996 das DSM-IV; nur zwei Jahre nach der amerikanischen Version. Die deutsche Übersetzung des DSM-IV-TR erschien 2003.
Das DSM-V ist seit 1999 in Arbeit und wird voraussichtlich im Mai 2013 erscheinen. Ab 2000 zeichnete Darrel A. Regier als Forschungsdirektor des APA verantwortlich für die Koordination der Vorbereitungsarbeiten, seit 2004 gibt es eine eigene Website. Seit 2006 gibt es eine Task Force unter Leitung von David J. Kupfer, Darrel A. Regier fungiert als Stellvertreter. Seit 2007 treffen sich regelmäßig Arbeitsgruppen zu den verschiedenen diagnostischen Kategorien. Außerdem werden die Forschungsergebnisse zahlreicher Konferenzen und Kongresse eingearbeitet. Zu erwarten sind substantielle Änderungen in den Bereichen substanzungebundene Süchte, Alter und Gender.
| Version | Arbeitsbeginn | Englisch (USA) | Deutsch |
|---|---|---|---|
| DSM-I | 1952 | - | |
| DSM-II | 1968 | - | |
| DSM-III | 1974 | 1980 | 1984 |
| DSM-IIIR (Revision) | 1987 | 1989 | |
| DSM-IV | 1994 | 1996 | |
| DSM-IVTR (TextRevision) | 2000 | 2003 | |
| DSM-V | 1999 | 2013 geplant |
Das DSM, zur Zeit in der vierten Version erhältlich (DSM-IV-TR, 2000), [3] systematisiert psychiatrische Diagnosen seit der dritten Version (DSM-III, 1980) in fünf Achsen. Zu einer Diagnose gehört die Angabe des Zustandes auf jeder dieser fünf Achsen:
Auf einzelnen dieser Achsen kann die Angabe auch "keine" oder eine mehrfache sein.
Insgesamt hat das DSM für die Achsen I und II 16 diagnostische Kategorien:
Es wird kritisiert, dass das DSM-IV unwissenschaftlich sei und symptomorientierte, reduktionistische Fehler aufweise. Ebenso beanstandet wird, dass alle Autoren des DSM-IV Geld von der Pharmaindustrie bekämen, während gleichzeitig DSM-IV-Diagnosen Voraussetzungen für viele US-Versicherungsgesellschaften seien, Medikamente für Patienten zu bezahlen.[4]
Die Internetpräsenz des DSM-V Prelude Project schreibt über Defizite des DSM-IV und welche Verbesserungen für das DSM-V diskutiert und erforscht werden sollen.[5]
Der Psychoanalytiker Otto F. Kernberg kritisiert an verschiedenen Stellen in seinen Werken den Ansatz der DSM-IV, denn er hält die Klassifikation für falsch und wissenschaftlich nicht haltbar.[6]
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