Der englische Begriff Domaingrabbing (auch: warehousing) bezeichnet die gelegentlich missbräuchliche Registrierung einer größeren Anzahl von Internet-Domainnamen.
Im Gegensatz zum Cybersquatting (Cyberbesetzen), bei dem vorrangig bekannte Unternehmens-, Marken- oder Produktnamen als Domains registriert und dem jeweiligen Rechteinhaber zum Kauf angeboten werden, bezieht sich Domaingrabbing großteils auf die Registrierung von Gattungsbegriffen. So werden beispielsweise Wörter des täglichen Gebrauchs in allen denkbaren Formen und Top-Level-Domains TLD registriert (z. B. gehalt.example, mehr-gehalt.example, top-gehalt.example usw.).
Ziel ist es, entweder diese Domains gewinnbringend zu verkaufen oder durch deren aktive Nutzung Besuchern zu suggerieren, eine Webseite zu einem bestimmten Thema oder Begriff zu sein, obwohl der Inhalt wenig mit dem als Domainnamen benutzten Begriff zu tun hat. So werden häufig Pseudo-Suchmaschinen nur betrieben, um die eingefügten Werbelinks zu vermarkten, ohne die Vorteile echter Suchmaschinen zu bieten.
Besonders populär ist diese Methode bei Dialer-Anbietern, die die Bekanntheit einer Domain ausnutzen und eine ähnlich geschriebene Domain für sich registrieren, das sogenannte Typosquatting.
Eine Abgrenzung zwischen Domaingrabbing (im Sinne von Hamstern zu unterschiedlichsten Zwecken) und Domainhandel (Registrierung von Domains auf Vorrat zwecks Verkauf) ist kaum möglich - beides bezeichnet die Registrierung von Domains in einer größeren Zahl als zur unmittelbaren eigenen Verwendung. Obwohl dieses Hamstern in vielen Fällen im Domainnamensrecht von der Rechtsprechung als legaler Domainhandel eingestuft wird, werden auch immer wieder spektakuläre Missbrauchsfälle bekannt.
So ging etwa das Register der .eu-Domain, EURid, im Jahr 2007 gerichtlich gegen eine Registrantin von 10.000 .eu-Domains vor, der es vorwarf, keine EU-Bürgerin und damit nicht anspruchsberechtigt zu sein.[1]. Dies war bereits der zweite bekannte Fall missbräuchlichen Domaingrabbings bei der .eu-Domain. Schon im Jahr zuvor war das EURid gegen eine Gruppe zypriotischer Unternehmen vorgegangen, denen es unterstellt hatte, sich zu Beginn der Landrush-Phase der .eu-Domain mit Hilfe von 400 Phantomregistraren einen unfairen Vorteil verschafft, und so 74.000 Domains nicht für real existierende Kunden, sondern lediglich zum Zweck einer späteren Versteigerung registriert zu haben.[2]
Unabhängig von systematischen Missbrauchsfällen trägt das Domaingrabbing generell ebenso wie das Cybersquatting dazu bei, dass sich der Anteil aktiv genutzter Webseiten einer Domain zugunsten der lediglich zu spekulativen Zwecken reservierten Webseiten verschieben kann. Hierdurch kann wie im Falle von .eu der Entwicklung der Domain selbst erheblicher Schaden zugefügt werden. So lag nach Untersuchungen des CIO von Irlands größter Suchmaschine und Webverzeichnis WhoisIreland.com, John McCormac, der Anteil aktiv genutzter .eu-Webseiten im Juni 2007 nur bei 16 % gegenüber 57 % etwa bei der .ie-Domain.[3] In seinem Jahresbericht 2006 stellte auch das EURid allein 88 Fälle professionellen Domaingrabbings mit über 1.000 registrierten Adressen pro Registrant fest. In 6 dieser Fälle lag die Zahl der Registrierungen sogar über 10.000. Der Gesamtanteil an Adressen, die Ende 2006 an Registranten mit 5 und weniger .eu-Domainnamen vergeben waren, betrug so gerade 46 %.[4]
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