Ein Druckröhrenreaktor ist eine besondere Bauform eines Kernreaktors, bei der sich die Brennelemente nicht in einem gemeinsamen großen Reaktordruckbehälter, sondern einzeln in Druckröhren befinden. Die Druckröhren werden vom Kühlmittel durchströmt. Das Kühlmittel ist aber nicht gleichzeitig Moderator, sondern der Moderator (in fester oder flüssiger Form) umgibt die Druckröhren außen.
Die bekanntesten Druckröhrenreaktor-Typen sind der russische RBMK-Reaktor und der kanadische CANDU-Reaktor. Beim RBMK dient als Kühlmittel leichtes Wasser und Graphit als Moderator. Beim CANDU-Reaktor dient schweres Wasser sowohl als Moderator wie als Kühlmittel. Der Kühlkreislauf steht allerdings unter hohem Druck und ist getrennt vom Moderatortank. Weniger bekannt ist der MKER, der Nachfolgetyp des RBMK mit verbesserten Sicherheitsvorrichtungen. Ein weiterer Typ war im deutschen Kernkraftwerk Niederaichbach getestet worden. Hier diente Kohlenstoffdioxid (CO2) als Kühlmittel und schweres Wasser als Moderator. Dieser Typ wird auch als HWCR (Heavy Water Compression Reactor) bezeichnet.
Druckröhrenreaktoren bieten einige technische und wirtschaftliche Vorteile:
Als Nachteile aus sicherheitstechnischer Sicht sind zu nennen:
Die Möglichkeit, einzelne Brennelemente bei laufendem Leistungsbetrieb auszuwechseln, erlaubt es, gleichzeitig mit der Stromerzeugung laufend relativ reines Plutonium-239 (mit nur geringem Anteil höherer Pu-Isotope) zu gewinnen, das sich für Kernwaffen eignet. Insofern stellt ein Export solcher Reaktoren hinsichtlich der nuklearen Proliferationsgefahr ein größeres Risiko dar als Reaktoren mit großem Druckbehälter, die für jeden Brennelementwechsel als Ganzes abgeschaltet und geöffnet werden müssen.
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