Das Irpinia-Erdbeben von 1980 (italienisch Terremoto dell’Irpinia) war die schwerste Naturkatastrophe der italienischen Nachkriegsgeschichte. Erdstöße der Stärke 6,89[1] auf der Momenten-Magnituden-Skala erschütterten die Regionen Kampanien und Basilicata am 23. November 1980 um 18:34 Uhr UTC. Das Schüttergebiet umfasste eine Region zwischen Neapel und Potenza. Das Hypozentrum des Erdbebens lag in einer Tiefe von 20 km.[2]
Am schwersten betroffen waren in der Region Irpinia die Provinzen Avellino, Salerno und Potenza; hier besonders die Orte um Conza della Campania: Castelnuovo di Conza, Laviano, Lioni, Sant'Angelo dei Lombardi, Santomenna, Calabritto, Caposele, Gardia Lombardi, Pescopagano, Sant'Andrea di Conza, San Mango sul Calore, San Michele di Serino, Senerchia und Teora.[3] Gefühlt wurde das Erdbeben in ganz Süditalien.
2.914 Menschen kamen ums Leben, mehr als 10.000 wurden verletzt, mehr als 300.000 Menschen wurden obdachlos. Mehr als 90 Nachbeben erschwerten die Rettungsarbeiten. Katastrophenhilfe wurde nicht nur von den italienischen Behörden geleistet, aus der ganzen Welt gingen Spenden und staatliche Unterstützung ein. Von den Vereinigten Staaten wurden 70 Millionen US-Dollar gespendet, aus Deutschland kamen 32 Millionen, selbst aus Staaten wie dem Irak (3,1 Millionen) und Algerien (0,5 Millionen) gingen Hilfen ein. Insgesamt wurden im Laufe der Zeit 58,640 Milliarden Lire zur Behebung der Schäden investiert. Über die Verwendung der Gelder gab es beträchtlichen Streit, da die korrekte Zuweisung der Hilfen in Zweifel gezogen wurde.[4]
Neben vielen korrupten Kommunalpolitikern, die sich an den internationalen Hilfsgeldern bereicherten, zweigte auch die örtliche Camorra erhebliche Summen für sich ab - teils in Form von fingierten Bauprojekten, als auch von Schutzgeldern, welche von den Hilfsorganisationen erpresst wurden. Nur etwa ein Viertel der Gesamtsumme erreichte die eigentlichen Opfer. Im Zuge des dreijährigen Verteilungskampfes, der sich ab 1980 zwischen den Camorra-Clans ausbreitete, starben weitere achthundert Menschen.[5]
Die Irpinia ist eine der am meisten erdbebengefährdeten Regionen im Süd-Apennin. Hier treten in einer dem Verlauf des Apennins folgenden Zone im Mittel alle 20 Jahre Schadensbeben mit einer Intensität von mehr als IX auf der Mercalli-Skala auf, die meisten davon in Tiefen zwischen 20 und 30 Kilometern. Die für die Erdbeben verantwortlichen Spannungen gehen auf die Öffnung des Tyrrhenischen Meeres sowie die andauernden Faltungs- und Überschiebungsvorgänge im Süd-Apennin zurück.[6]
40.91415.366
Koordinaten: 40° 54′ 50″ N, 15° 21′ 58″ O
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