Ernst Neumann-Neander (* 3. September 1871 in Kassel als Ernst Neumann; † 3. November 1954 in Düren-Rölsdorf) war ein Künstler und Erfinder.
Berühmt wurde Ernst Neumann-Neander, Sohn des Landschaftsmalers Emil Neumann, nicht nur als Kunstmaler und Grafiker, sondern hauptsächlich als Karosseriedesigner von Automobilen und Motorjachten und motorradbegeisterter Konstrukteur von Motorrädern. Bereits 1886 baute er sein erstes Motorrad.
Neumann-Neander, von Freunden und Bekannten wegen seiner Vielseitigkeit „N2“ genannt, studierte in Kassel, München und Paris Malerei. In seiner Münchner Zeit zeichnete er für die Zeitschriften Jugend und Simplicissimus vor allem Karikaturen des modernen Lebens. Als Zeichner und Plakatgestalter des Jugendstil erlangte er schnell Ansehen weit über München hinaus. Er beteiligte sich an dem Schwabinger Kabarett Elf Scharfrichter und gründet zusammen mit dem Radierer Heinrich Wolff eine Mal- und Zeichenschule. Im Jahre 1903 geht er für etwa fünf Jahre nach Paris, wo er mit den damals wichtigen Größen der Automobilindustrie in Kontakt kommt. 1908 lässt er sich in Berlin nieder und gründet die "Ateliers Neumann", die für alle bedeutenden Hersteller von Automobilen, aber auch andere Industriezweige die Reklame entwirft. Zusätzlich zeichnet er für verschiedene Auftraggeber Karosserien, die nach seinen Entwürfen ausgeführt werden. 1914 stellt man seine Entwürfe und Fahrzeuge auf der "Werkbundausstellung" in Köln aus. Der Erste Weltkrieg und die folgende Inflation fressen auch sein Vermögen auf. Noch in Berlin entwirft er sein erstes Motorrad. 1924 siedelt er nach Köln über und baut und konstruiert für die Allright-Werke und für sich selbst Motorräder, die an der ersten großen sportlichen Nachkriegsveranstaltung teilnehmen. Neumann ist der älteste Teilnehmer des Rennens und erreicht das Ziel in Köln nach einer Fahrt durch Deutschland über 2000 km durch Eis und Schnee. Von Köln aus beginnt er eine Motorradproduktion in Euskirchen und siedelt 1926 nach Düren über, um näher an den Dürener Metallwerken zu sein, aus deren Duralumin er seine Motorradrahmen produziert.
In den vielen Jahren seiner Dürener Tätigkeit baute er etwa 2100 Motorräder, die alle einen speziellen Rahmen hatten, den sogenannten Neander-Rahmen. Die Lizenz für diesen Rahmen verkaufte er 1928 an Opel. Auf Motorrädern mit diesem Rahmen wurden viele Rennen gewonnen. In den 1930er Jahren beschäftigt er sich mit der Entwicklung und dem Bau sogenannter Fahrmaschinen, einer Mischung aus Motorrad und Automobil. Diese Fahrmaschinen bestreiten viele Rennen, werden aber nie in Serie gebaut, da der Zweite Weltkrieg wieder alles zunichte macht. Dennoch konstruiert Ernst Neumann weiter und entwickelt einen Kurvenneiger, als auch Fahrzeuge für Kriegsversehrte. 1951 beginnt er wieder zu malen.
In Rölsdorf gibt es am Fabrikgebäude von Macherey-Nagel, Ecke Bahnstraße/Neumann-Neander-Straße, eine Gedenktafel. Der „Neander-Schuppen“, in dem die Konstruktionen entstanden, steht heute noch.
Bemerkenswert sind Neumann-Neanders drei- und vierrädrige „Fahrmaschinen“. Im Prinzip handelte es sich um aufs Wesentliche reduzierte Automobile, die heute vielleicht als Roadster charakterisiert würden. Neumann-Neander verfolgte mit den Konstruktionen, die er bewusst nicht als Automobil bezeichnet wissen wollte, das Ziel, einen einfachen und erschwinglichen „Volkswagen“ zu schaffen – ein Ziel, das nicht erreicht wurde; Gründe waren der hohe Preis durch die handwerkliche Einzelfertigung und die teils aufwendigen, innovativen Verfahren sowie ein mangelndes Marktinteresse an einem solchen Fahrzeug in einer Zeit, in der Automobile noch als reine Luxusgüter galten.
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