Ernst Uhrlau (* 7. Dezember 1946 in Hamburg) ist ein deutscher Beamter im Ruhestand und Mitglied der SPD. Er war von Dezember 2005 bis zum 7. Dezember 2011 Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) und ist seit Anfang Februar 2012 freiberuflich tätig als Berater für die Deutsche Bank. [1]
Nach dem Abitur 1967 am Gymnasium Eppendorf studierte Uhrlau Politikwissenschaft, Soziologie und Volkswirtschaft an der Universität Hamburg. 1974 wurde er Lehrer an der Landespolizeischule Hamburg; von 1975 bis 1981 war er als persönlicher Referent und Leiter des Senatorenbüros unter Werner Staak und Alfons Pawelczyk in der hamburgischen Behörde für Inneres tätig. Im Anschluss war er von 1981 bis 1991 stellvertretender Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hamburg und von 1991 bis 1996 als dessen Leiter tätig. 1996 wurde Ernst Uhrlau zum Hamburger Polizeipräsidenten ernannt.
1998 wechselte Uhrlau in die Hauptstadt, wo er als Ministerialdirektor Leiter der Abteilung VI (Bundesnachrichtendienst, Koordinierung der Nachrichtendienste des Bundes) im Bundeskanzleramt wurde. Als Vertreter des Geheimdienstkoordinators – des Chefs des Bundeskanzleramtes – war Uhrlau dort die Schnittstelle zwischen Bundesregierung und dem Bundesnachrichtendienst, dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD). Zu den bekannt gewordenen Erfolgen seiner Arbeit gehört der von Uhrlau als „ehrlichem Makler“ vermittelte Gefangenenaustausch im Januar 2004 zwischen Israel und der libanesisch-schiitischen Terrorbewegung Hisbollah.[2]
Seit dem 1. Dezember 2005 ist Uhrlau als Nachfolger von August Hanning Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Sein erster Fall in diesem Amt war die Entführung der Susanne Osthoff.[3]
Im Skandal um die Verschleppung des Deutsch-Libanesen Khaled al Masri gab Uhrlau 2006 zu, dass der BND informiert war, diese Information jedoch nicht sofort weitergegeben hatte.[4] Die Bundesregierung verfügte eine Reorganisation der BND-Spitze, durch die Uhrlau seitdem drei Vizepräsidenten zur Seite stehen.[5]
Positiv wahrgenommen wurde die Rolle des BND bei den Ermittlungen zur Steuerflucht nach Liechtenstein und die erneute Vermittlung bei einem weiteren Austausch zwischen Israel und Hisbollah.[6]
Im April 2008 wurde Uhrlau mit Rücktrittsforderungen konfrontiert, nachdem der Bundesnachrichtendienst 2006 den afghanischen Handels- und Industrieminister Amin Farhang überwachte und dabei auch E-Mails der Spiegel-Reporterin Susanne Koelbl mitgeschnitten hatte.[7][8] In einem persönlichen Gespräch habe sich Uhrlau laut Koelbl bei ihr entschuldigt.[9]
Ein weiterer Rückschlag war 2008 die Verhaftung dreier BND-Agenten im Kosovo nach dem Bombenanschlag auf die EU-Vertretung in Priština, über die Uhrlau von seiner eigenen Behörde nicht informiert wurde.[10][11][12]
Im Zusammenhang mit der Untersuchung, inwiefern deutsche Geheimdienstinformationen den Irakkrieg unterstützt haben, klagte Uhrlau über die „Skandalisierung von Aktionen, die im geheimen Regierungsbericht zu den Vorwürfen längst dargelegt sind. Wir sitzen am kürzeren Hebel: Die Geheimhaltungsvorschriften hindern uns oft, Vorhaltungen zu widerlegen, indem wir den wahren Sachverhalt an die Öffentlichkeit bringen.“[13]
Uhrlau wurde am 1. Januar 2012 als Chef des Bundesnachrichtendienstes abgelöst von Gerhard Schindler (FDP).[14] Seit Februar 2012 berät er die Deutsche Bank.[15]
Uhrlau ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne.
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