Erstschlag ist ein Begriff aus der Nuklearstrategie. Er beschreibt einen Angriff mit Atomwaffen, geführt mit der Absicht, alle oder zumindest den größten Teil der gegnerischen Nuklearwaffen und Startanlagen auf Anhieb zu vernichten. Ein solcher Angriff wäre allerdings nur dann erfolgversprechend, wenn der angegriffene Staat über deutlich weniger Atomwaffen als der Angreifer verfügt. Ihre Positionen müssten bekannt sein. Der Angegriffene dürfte zusätzlich keine Möglichkeit haben, seine eigenen Waffen als Reaktion auf den Angriff rechtzeitig abzufeuern ("use them or lose them"). Durch den kontinuierlichen Ausbau der Zweitschlagskapazitäten der beiden Supermächte, in etwa entsprechend der amerikanischen Strategie der Mutual assured destruction, erschien ein solches Szenario im Laufe des Kalten Krieges zunehmend unmöglich. Als adäquates Mittel zur Abhaltung eines gegnerischen Erstschlags galt insbesondere die Indienststellung einer Flotte von Atom-U-Booten, explizit vorgesehen für die Führung eines vernichtenden Zweitschlags. Mindestens ein Teil von ihnen war für einen Angreifer ständig unerreichbar, d. h. auf Patrouillenfahrten kaum bzw. gar nicht zu orten. Das Vorhandensein von Atom-U-Booten machte das Risiko eines Erstschlages für einen potentiellen Angreifer in der Theorie "kalkuliert untragbar". Die Bedeutung des Schutzes vor einem Erstschlag hob der damalige amerikanische Verteidigungsminister Robert McNamara in einer Rede hervor:
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