Montag, 28. Mai 2012

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Ethisches Investment

Unter ethischem Investment versteht man Geldanlagen, die neben Renditekriterien auch ethische Wertvorstellungen des Anlegers berücksichtigen. Oft wird auch von ökologischem und sozial verantwortlichem Investment gesprochen (englisch socially responsible investment, SRI).

Geschichte

Die Idee ethischen Investments hat ihren Ursprung in den Siebziger Jahren in den Bewegungen gegen Apartheid in Südafrika und gegen den Vietnamkrieg. Kein „Geld für Rüstung und Apartheid“ war die Devise derer, die nicht mit ihrem Geld das finanzieren wollen, was sie mit ihrem politischen Engagement ablehnen. Zuerst entstanden in den USA und Großbritannien Fonds mit Ausschlusskriterien für diese Aktivitäten, vor allem auch für institutionelle Anleger wie Universitäten, Stiftungen und Kirchen. In Europa, vor allem Deutschland, kam Atomkraft als weiteres Kriterium hinzu. In den Siebziger Jahren machte die GLS Gemeinschaftsbank den Anfang, in den Achtziger Jahren kamen weitere alternative Banken wie die Ökobank in Deutschland oder die Alternative Bank Schweiz hinzu, die ökologische und soziale Projekte finanzieren. Seit den Neunziger Jahren spielt Kritik an der Globalisierung und der Ausweitung spekulativer Finanztransaktionen eine zunehmende Rolle für ethisch motiviertes Investment.

Arten des Investments und ihre Wirkungen

Nach Antje Schneeweiß (Kursbuch) kann man drei Grundformen unterscheiden, die in ihrer Wirkungsweise jeweils unterschiedlich sind:

Fördersparmöglichkeiten bei alternativen Banken

Banken legen klassische Sparbriefe auf mit Verwendungsorientierung zur gezielten Förderung bestimmter Aktivitäten, die damit zu günstigen Konditionen eine Finanzierung erhalten. Die Bank übernimmt das Risiko, der Anleger erhält meist eine niedrigere Verzinsung als auf dem übrigen Kapitalmarkt. Sein Geld fördert direkt die entsprechenden Projekte.

Direktinvestitionen in nicht börsennotierte Unternehmen

Der Investor stellt dem Unternehmen über Anteile oder Anleihen direkt Geld zur Verfügung und ist über Ausschüttungen oder Festzins am Gewinn beteiligt. Er trägt das Risiko mit. Auch hier finanziert das Geld direkt die vom Anleger gewünschten Aktivitäten.

Ethische Investmentfonds

Der Anleger investiert in Investmentfonds, deren Management sich zu einer Beschränkung anhand bestimmter Kriterien verpflichtet. Spezielle Rating-Agenturen wie Oekom Research oder Südwind-Institut beurteilen Unternehmen in Bezug auf ökologische und soziale Kriterien. Innerhalb der Auswahlkriterien entscheidet das Fondsmanagement nach klassischen Renditekriterien. Aufgrund des marktnahen Auswahlverfahrens sind die Wirkungen weniger greifbar. Die Unternehmen haben nur in seltenen Fällen einen direkten Vorteil (etwa bei Kapitalerhöhungen). Die Auswirkungen liegen eher im Imagevorteil für die Unternehmen und der gezielten Einflussnahme durch das Fondsmanagement bei Verstößen gegen die Kriterien.

Alternative Banken und Institutionen

Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere alternative Banken, die nach ethischen Kriterien arbeiten:

  • Die GLS Gemeinschaftsbank in Bochum vergibt Kredite an soziale, ökologische und kulturelle Projekte und Initiativen und veröffentlicht regelmäßig alle vergebenen Kredite. Insgesamt werden über 9.000 Projekte finanziert. Im März 2005 erhielt sie als erste Bank in Deutschland die bestmögliche Bewertung im Nachhaltigkeitsindex der Ratingagentur Ethibel.
  • Die Umweltbank in Nürnberg vergibt Kredite ausschließlich an ökologische und nachhaltige Projekte wie beispielsweise im Bereich Altbau-Sanierung, Energiesparhäuser, Solaranlagen, Windkraft und ökologisches Bauen.
  • Die Triodos Bank in Frankfurt steht mit Kreditfinanzierungen für ökologische, soziale und kulturelle Projekt und Unternehmen zur Verfügung. Des Weiteren bietet sie Geldanlagen für Privat- und Geschäftskunden an.
  • Die EthikBank in Eisenberg folgt bei ihren Geldanlagen strengen Anlagekriterien, die klar, verbindlich und transparent sind. Neben einer Liste mit Positivkriterien (Umweltpolitik und -managementsysteme, Weiterbildung und Personalentwicklung, Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen, …) veröffentlicht sie auch eine Liste mit Negativkriterien (Militärwaffen, Atomkraftwerke, Kinderarbeit, …).
  • Die Bank für Orden und Mission in Idstein, Untertaunus, investiert das bei ihr angelegte Geld unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze. Sie vergibt keine Kredite. Ein Teil des Geschäftsgewinns fließt an die Missionszentrale des Franziskanerordens für konkrete Hilfsprojekte zugunsten notleidender Menschen in aller Welt.
  • Die Steyler Bank in Sankt Augustin tätigt ihre Investitionen ebenfalls nach ethischen Kriterien. Dabei arbeitet sie auf der Basis des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens und ist Mitglied im Verein Corporate Responsibility Interface Center. Gewinne werden ausschließlich zur Unterstützung der Hilfsprojekte der Steyler Missionare verwendet.
  • Die Alternative Bank Schweiz (ABS) in Olten fördert alternative Energien, biologische Landwirtschaft, Frauenprojekte, ökologische und soziale Unternehmen, Bildung und Kultur, Entwicklungszusammenarbeit, alternative und soziale Wohnformen sowie soziale Projekte.
  • Die Pax-Bank in Köln, die Liga-Bank in Regensburg und die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn arbeiten ebenfalls unter Berücksichtigung ethischer Kriterien, stehen aber nur ausgewählten (im kirchlichen Bereich arbeitenden) Privatkunden und katholischen kirchlich-caritativen Einrichtungen zur Verfügung.
  • Die Bank für Kirche und Diakonie eG - KD-Bank in Dortmund setzt als evangelische Kirchenbank für die Wertpapieranlagen der Bank einen Nachhaltigkeitsfilter ein, der sich an den Zielen des konziliaren Prozesses (Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung) orientiert. Weitere Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Vergabe von Krediten für gemeinnützige Projekte im Bereich der Evangelischen Kirche und ihrer Diakonie und das Privatkundengeschäft für haupt- und ehrenamtlich engagierte Menschen in der Evangelischen Kirche.
  • Die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit vermittelt die Anlagegelder ihrer Mitglieder als faire Kredite an Unternehmen und Genossenschaften in armen Ländern. Zurzeit sind rund 65 Prozent der Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen vergeben, die anderen 35 Prozent gehen als Direktkredite an Unternehmen vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Nahrungsmittelverarbeitung und Kleingewerbe.

Direktinvestitionen

Mit Direktkrediten lassen sich einzelne Projekte auf direktem Wege unterstützen. Für ethisch motivierte Anleger kommen verschiedene Anlagemöglichkeiten in Frage:

  • Erneuerbare Energien werden meist über Kommandit-Beteiligungen angeboten.
  • Die alternativen Banken werben um Genossenschaftsanteile oder Aktien zur Deckung der Förderkredite mit Eigenkapital.

Ethische Investmentfonds

Ethisch, ökologisch bzw. nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds (auch Ethikfonds) berücksichtigen bei der Auswahl möglicher Investments ethische/nachhaltige Aspekte. Für die Auswahl werden unterschiedliche Auswahlkriterien herangezogen:

  • Knock-out-Kriterien
  • eine Positivauswahl
  • der Best in class-Ansatz.

Allerdings stößt gerade das letztgenannte Auswahlkriterium auf Kritik, da hier Industrien und Branchen einfließen, deren ökologischer, nachhaltiger und ethischer Charakter umstritten ist, so wie der japanische Energiekonzern TEPCO, der bis Mai 2011 Bestandteil des Dow Jones Sustainability Index war.

Darüber hinaus ist eine Beteiligung an einem Investmentfonds auch aus ethischer Sicht umstritten, da sich dieser eng am konventionellen Kapitalmarkt orientiert. Speziell unter Berücksichtigung kurzfristiger Orientierungen sehen Experten hier Probleme. Denn streng genommen fließt das Geld nicht an das Unternehmen, sondern an den Vorbesitzer der Aktie, von dem der Käufer nichts über sein ethisches Verhalten wissen kann. Ein weiterer Kritikpunkt: Eine Beurteilung von Unternehmen/Emittenten ist von außen schwierig, da interne Prozesse, Geldmittelflüsse und Warenkreisläufe nur schwer zu analysieren sind. Eine Bewertung von Nachhaltigkeit, Ethik und sozialer Verträglichkeit kann nur anhand öffentlicher Geschäftszahlen und Unternehmensberichte erfolgen, was zu einem erheblichen Maß an Intransparenz führen kann – sowohl für Anleger als auch Unternehmen.

Ein Nachteil, der sich bislang selbst durch Anbieter von Fondsdatenbanken oder Rechercheergebnissen über Einzeltitel und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), welche die Bewertung entsprechender Information für Anleger übernehmen, nicht gänzlich hat lösen lassen. Dazu kommt die Tatsache, dass viele Unternehmen dem Faktor Nachhaltigkeit nur aufgrund des Gesichtspunkts der Imagepflege steigende Bedeutung beimessen. So haben 87 Prozent der DAX-Unternehmen in einer Umfrage die Reputation als Hauptmotiv des Nachhaltigkeitsmanagements angegeben.

Siehe auch

Literatur

  •  Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.): Mit Geldanlagen die Welt verändern? Eine Orientierungshilfe zum ethikbezogenen Investment. Bonn 2010, ISBN 978-3-940137-33-3 (http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse/wag-br_018-ethisches_investment.pdf, abgerufen am 6. April 2010).
  •  Klaus Gabriel, Markus Schlagnitweit: Das gute Geld. Ethisches Investment. Hintergründe und Möglichkeiten. Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2009, ISBN 978-3-7022-3026-5.
  •  Martin Faust, Stefan Scholz (Hrsg.): Nachhaltige Geldanlagen - Produkte, Strategien und Beratungskonzepte. Frankfurt School Verlag, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-937519-93-7.
  •  Klaus Gabriel: Nachhaltigkeit am Finanzmarkt - Mit ökologisch und sozial verantwortlichen Geldanlagen die Wirtschaft gestalten. Oekom Verlag, München 2007, ISBN 978-3-86581-083-0.
  •  Karl-Heinz Brodbeck: Gewinn und Moral - Beiträge zur Ethik der Finanzmärkte. Shaker Verlag, Aachen 2006, ISBN 3-8322-4978-8.
  •  Wolfgang Kessler, Antje Schneeweiß: Geld und Gewissen: tu Gutes und verdiene daran. Publik-Forum, Oberursel 2004, ISBN 3-88095-139-X.
  •  Antje Schneeweiß: Kursbuch ethische Geldanlage. Fischer, Frankfurt a.M. 2002, ISBN 3-596-15269-0.
  •  Cengiz, C. B., Braun, D., von Nitzsch, R.: Alpha-Vehikel oder Preis für das gute Gewissen? Eine Performanceanalyse ethischer Investments, CORPORATE FINANCE biz, 04/2010, S. 263-271.

Weblinks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Diese Seite wurde zuletzt am 17. Januar 2012 um 11:35 Uhr geändert.

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