Montag, 28. Mai 2012

Themen


Eulenspiegel (Magazin)

Eulenspiegel
Eulenspiegel_Logo
Beschreibung Satirezeitschrift
Verlag Eulenspiegel GmbH
Erstausgabe Mai 1954
Erscheinungsweise monatlich
Verkaufte Auflage 110.000[1] Exemplare
Chefredakteur Mathias Wedel
Weblink eulenspiegel-zeitschrift.de
ISSN 0423-5975

Der Eulenspiegel ist ein monatlich erscheinendes Humor- und Satiremagazin mit einer Auflage von 110.000[1] Exemplaren. Es wird von der Eulenspiegel GmbH in Berlin herausgegeben.

Geschichte

1954 bis zur Wende

Die Zeitschrift ging aus dem Satireblatt Frischer Wind hervor, das seit dem 15. April 1946[1][2] unter sowjetischer Lizenz erschien. Chefredakteur des Frischen Wind war zunächst Lex Ende, danach Walter Heynowski. Am 1. Mai 1954[3] nahm die nun im Vierfarbdruck[1] hergestellte Zeitschrift den Titel Eulenspiegel an, nachdem 1950 die unabhängige, in der Nachkriegszeit sehr erfolgreiche Zeitschrift Ulenspiegel eingestellt worden war. Obwohl sie seit Februar 1957 der Abteilung Presselenkung des ZK der SED unterstellt war,[4] wurden manche Ausgaben aufgrund ihrer politischen Brisanz vernichtet.[5][6] Nach der Veröffentlichung einer Ulbricht-Karikatur 1957 wurde der Chefredakteur Heinz H. Schmidt entlassen.[7] Mit dem Machtantritt Erich Honeckers, so die Einschätzung der langjährigen Eulenspiegel-Autorin und -filmkritikerin Renate Holland-Moritz, verringerten sich die verbliebenen Freiheiten; es kam zu einer „Flucht in die Humoreske“[8].

Das Blatt erschien bis 1972 im ebenfalls 1954 gegründeten Eulenspiegel-Verlag, der danach zu einem eigenständigen Buchverlag wurde. Der Eulenspiegel war die einzige Satirezeitschrift der DDR. Häufig überstieg die Nachfrage die Auflage, die infolge des Papiermangels[7] auf 500.000[1] Stück limitiert war.

Ab 1989

Nach der Wende erwarb die zu diesem Zweck gegründete Eulenspiegel GmbH das Blatt.[1] Aufgrund ökonomischer Erwägungen[1] wechselte das Blatt im August 1991 (mit der Heftnummer 29/91) von einer wöchentlichen zur monatlichen Erscheinungsweise. Die Auflage sank Mitte der 1990er Jahr auf 130.000[9] und liegt nach aktuellsten Angaben (2007) bei 110.000[1][10] Stück, wobei 80 Prozent der Hefte im Osten Deutschlands verkauft werden.[7][11] Die beiden Besitzer Hartmut Berlin und Jürgen Nowak, der 1986 vom Neuen Deutschland zum Eulenspiegel kam,[12] wechselten sich anfangs regelmäßig als Chefredakteur ab. Der Satiriker Bernd Zeller, der 1999 als Nachfolger von Jürgen Nowak vorgesehen war,[12] wurde aufgrund eines Interviews mit der Berliner Zeitung entlassen.[11] Im März 2000 wechselte Nowak von der Redaktion in die Verlagsleitung.[13] Im Juli 2009 löste Mathias Wedel Hartmut Berlin als Chefredakteur ab.[14]

Aktionen

Besonders in den 1990er Jahren war der Eulenspiegel bekannt für satirische Aktionen, die meist von den damaligen Redakteuren Georg Behrend und André Mielke durchgeführt wurden. So nahmen sie für die Mai-Ausgabe 1993 unter dem Vorwand, ein Panoptikum für die „Köpfe der Wende“ zu eröffnen, einigen Prominenten Gipsabdrücke ihrer Gesichter ab. Zu den Opfern zählten etwa Lutz Rathenow, Gunther Emmerlich, Konrad Weiß, Sabine Bergmann-Pohl und Rainer Eppelmann.[15] Für das Juni-Heft 1995 reisten Mielke und Behrend zusammen mit Martin Sonneborn, der 1989 Eulenspiegel-Praktikant war,[16] in einem als Castor-Transporter ausgewiesenen LKW durch Deutschland.[17]

Prozesse

Im März 1996 verklagte Bärbel Bohley das Satiremagazin, das eine „miese Porno-Montage mit Kanzler Kohl“[18] auf seinem Titelblatt abgedruckt hatte und damit ein größeres Echo in den Medien[19] und bei Politikern[20] hervorrief, auf 100.000 DM Schadensersatz. Die satirische Darstellung spielte auf das Treffen ehemaliger DDR-Bürgerrechtler mit dem Kanzler in Berlin an. Auf Grund eines Vergleiches vor dem Landgericht Hamburg zahlte Eulenspiegel schließlich 20.000 DM an Bohley.[21][22] Auch mit Franziska van Almsick, die schwanger auf dem Titelbild 4/94 abgebildet worden war, einigte man sich außergerichtlich. Das entsprechende Heft darf allerdings seit dem 27. April 1994[23] nicht verkauft werden.

Autoren und Zeichner

Einer der langjährigen Hauptautoren des Eulenspiegels war Johannes Conrad. Sein Stil prägte den Eulenspiegel über Jahrzehnte. Er wurde auch der „Woody Allen des DDR-Humors“ genannt. Seine „Funzel“-Kolumnen waren beim breiten Publikum beliebt und auch in Satirekreisen sehr bekannt. Weitere bekannte Autoren waren Otto Häuser, Lothar Kusche, C. U. Wiesner, Jochen Petersdorf, Wolfgang Mocker und Hansgeorg Stengel. Aktuelle Autoren sind unter anderem Ernst Röhl, Utz Bamberg, Matti Friedrich, Matthias Biskupek, Renate Holland-Moritz, Peter Köhler, Frauke Baldrich-Brümmer, Rainer Röske, Carlo Dippold, Erik Wenk, Michael Kaiser, Felice von Senkbeil, Robert Niemann, Atze Svoboda und Andreas Koristka.

Zu den bedeutendsten Zeichnern gehörten Heinz Jankofsky, Henry Büttner, Louis Rauwolf, Manfred Bofinger, Erich Schmitt und Heinz Behling. Folgende Zeichner sind aktuell regelmäßig mit Cartoons und Zeichnungen vertreten: BECK, Harm Bengen, Lo Blickensdorf, Peter Butschkow, Arno Funke, Burkhard Fritsche, Gerhard Glück, Barbara Henniger, Frank Hoppmann, Rudi Hurzlmeier, Katz und Goldt, Kriki, Peter Muzeniek, Ari Plikat, Bernd Pohlenz, André Poloczek, Andreas Prüstel, Erich Rauschenbach, Horst Schrade, Reiner Schwalme, Guido Sieber, Klaus Stuttmann, Peter Thulke, Freimut Wössner und Martin Zak.

Sonderausgaben

Neben drei Sammelbänden, die die Jahre 1954 bis 1969, 1970 bis 1979, und 1980 bis 1990 zusammenfassen, erschienen in den letzten 15 Jahren unregelmäßig Sonderausgaben, die die Tageszeitung Neues Deutschland parodierten. Inhaltlich handelten sie davon, wie die Welt aussehen würde, wenn die BRD sich 1990 der DDR angeschlossen hätte. Des Weiteren erschienen ein Rätselheft und ein Sonderheft zur Fußball-WM 2006.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. abcdefgh N.N.: Eulenspiegel-Geschichte (Archivversion vom 5. Februar 2007).
  2. Die Akte OV Kasperkopp. In: Nr. 5/96, 42./50. Jg., S. 27.
  3. N.N.: 40 Jahre Eulenspiegel. In: Nr. 5/94, 41./49. Jg., S. 55–64, hier S. 55.
  4. Heinz Kersten: Der Aufstand der Intellektuellen. In: Die Zeit, Nr. 10/1957, 7. März 1957, abgerufen am 12. Mai 2012.
  5. Kai Hermann: Gute Geschäfte und graue Melancholie. In: Die Zeit, Nr. 11/1967, 17. März 1967, abgerufen am 12. Mai 2012.
  6. Olaf Velte: Mit spitzer Feder. In: Frankfurter Rundschau, 17. Juni 2011, abgerufen am 12. Mai 2012.
  7. abc Hermann Unterstöger: Satire bitte nicht füttern!. In: Süddeutsche Zeitung, 24/25. Juli 2004, abgerufen am 12. Mai 2012.
  8. Andreas Hutzler: Die Zwerchfellmauer. In: Die Zeit, Nr. 9/1997, 21. Februar 1997, abgerufen am 12. Mai 2012.
  9. Willi Winkler: Im Unernst nicht vereint. In: Die Zeit, Nr. 1/1996, 29. Dezember 1995, abgerufen am 12. Mai 2012.
  10. 115.000 (1999) – Alexander Antonoff: „Eulenspiegel“ ohne Haralds Ossi. In: Die Welt, 12. November 1999, abgerufen am 12. Mai 2012. Seit vier Jahren 115.000 (1999) – Martin Debes: Mutti kann stolz sein. In: Berliner Zeitung, 6. November 1999, abgerufen am 12. Mai 2012. 120.000 (2004) – Hermann Unterstöger: Satire bitte nicht füttern!. In: Süddeutsche Zeitung, 24/25. Juli 2004, abgerufen am 12. Mai 2012.
  11. ab Alexander Antonoff: „Eulenspiegel“ ohne Haralds Ossi. In: Die Welt, 12. November 1999, abgerufen am 12. Mai 2012.
  12. ab Martin Debes: Mutti kann stolz sein. In: Berliner Zeitung, 6. November 1999, abgerufen am 12. Mai 2012.
  13. Impressum. In: Nr. 3/00, 46./54. Jg., S. 4.
  14. Impressum. In: Nr. 7/09, 56./64. Jg., S. 66.
  15. Georg Behrend, André Mielke: „Köpfe der Wende“ – Wachstum ohne Ende. In: Nr. 5/93, 40./48. Jg., S. 10–16.
  16. Sven Astheimer: Martin Sonneborn – Bürgerschreck mit Kaufmannslehre. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. November 2009, abgerufen am 12. Mai 2012.
  17. Georg Behrend, Alfred L. Roßmann, Martin Sonneborn: Mit Castor II durch Deutschland. SSV-Atomtransporte – gefahrlos, preiswert, lecker!. In: Nr. 6/95, 42./50. Jg., S. 14–17.
  18. Überschrift eines Artikels in der Bildzeitung. Eulenspiegel-Redaktion: Ein 100000-D-Mark-Missverständnis. In: Nr. 4/96, 42./50. Jg., S. 6–8, hier S. 8.
  19. Abdruck mehrerer Zeitungsartikel. Eulenspiegel-Redaktion: Ein 100000-D-Mark-Missverständnis. In: Nr. 4/96, 42./50. Jg., S. 6–8.
  20. Rita Grießhaber, die frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, bezeichnete die Titelseite der Märzausgabe als „Sexismus“ und „platteste Frauenverachtung“. Leserbrief in: Nr. 4/96, 42./50. Jg., S. 4 f.
  21. Oliver Gehrs, Olaf Storbeck, Thomas Tuma: Absolut geschmacklos. In: Der Spiegel, Nr. 37/1999, 13. September 1999, abgerufen am 12. Mai 2012.
  22. Rainer Maria Kiesow: Ein bißchen Spaß muß sein – Rezension zu Nils Folckers, Wilhelm Solms (Hrsg.), Was kostet der Spaß? (1997). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. September 1998, S. 15, abgerufen am 12. Mai 2012.
  23. „Wegen einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Hamburg gegen den Eulenspiegel-Titel im April, verbunden mit einer saftigen Strafandrohung, ist es uns seit dem 27. April nicht mehr möglich, das Heft 4/94 zu vertreiben…“ An unsere Leser. In: Nr. 6/94, 41./49. Jg., S. 5.

Anmerkungen

Die zweite Zahl bei der Jahrgangsangabe bezieht sich auf die Vorläuferzeitschrift Frischer Wind. Die Jahrgangszählung wurde mit dem Januar-Heft 1996 geändert: Sowohl die Hefte des Jahres 1995 als auch die des Jahres 1996 erschienen mit dem Hinweis „42./50. Jahrgang“. Mit dem Dezember-Heft 2007 kehrte man zur alten Zählung zurück: „54./62. Jahrgang“ statt „53./61. Jahrgang“ (bis zum November-Heft 2007).

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite wurde zuletzt am 24. Mai 2012 um 15:39 Uhr geändert.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Eulenspiegel_(Magazin) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

TOP



TOP